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Ein Film begibt sich auf die Spuren von Jakob Stutz

Ein einstündiger Film widmet sich dem vor über 200 Jahren geborenen Oberländer Volksdichter Jakob Stutz. Der Film schafft es, längst vergessenes Kulturgut wiederzubeleben und die landschaftliche Schönheit der Region zu zeigen.

Jakob Stutz (1801-1877): Der Oberländer gilt als bedeutendster Volksdichter der Region., Dieter Hitz hat sich in einem Film auf die Spuren von Stutz begeben., In diesem Haus in Islikon wurde Stutz 1801 geboren.

Foto: PD

Ein Film begibt sich auf die Spuren von Jakob Stutz

Die grauen Haare von einer schwarzen Sennenmütze bedeckt, in eine grosse Veste gekleidet, auf einen Stock gestützt steht er da, der alte Hansel. Und klagt an:

«’s ist halt e Strof im Stennebäg,
Es goht bald auwes schlecht.
Mä lacht ein us, wo d’anne chunnst,
Und sait, mä ed üd ächt.

Und dee ischt auwäg gwüss üd ächt,
Wo eine so vähaut.
Mä edet doch au d Muetäspooch
Wie auwes uff de Wäuwt.»

Hansel erzählt wie schlecht alles in Sternenberg sei. Und egal wohin man komme, überall werde man nur ausgelacht, weil man nicht recht rede. Dabei würden sie, die Sternenberger, doch auch die Muttersprache sprechen, wie alle auf der Welt.

Es ist einer jener Momente, die dem Publikum in Erinnerung haften bleiben, wenn Richard Ehrensberger im Film «Auf den Spuren von Jakob Stutz» aus dem Gedicht «Hansels Klage» von 1843 zitiert. Und auf diese Art und Weise ein längst vergessenes Kulturgut des Zürcher Oberlandes neu aufleben lässt.

Dem Wanderweg entlang

20 Jahre nach dem 200. Geburtstag von Jakob Stutz hat sich der Regisseur Dieter Hitz in einem zweiteiligen Film mit dem bedeutendsten Volksdichter des Zürcher Oberlandes auseinandergesetzt. Dabei folgt der einstündige Amateurfilm in der ersten Hälfte den Stationen des Jakob-Stutz-Wanderwegs, der im Rahmen der Geburtagsfeierlichkeiten 2001 entstanden war. Dieser Wander- und Kulturweg führt über 21 Kilometer und rund 670 Höhenmeter durch das Ober- und Tössbergland, von Pfäffikon über Isikon, Hermatswil, Wila, Blitterswil bis nach Sternenberg.

Das Publikum lernt Stutz kennen, der 1801 als neuntes von sechzehn Kindern in einer relativ wohlhabenden Bauernfamilie in Isikon bei Hittnau zur Welt kommt. In chronologischer Weise und mittels zahlreicher Dokumente aus Museen und Archiven beleuchtet Hitz die Jugend des Dichters. Die Zuschauerin erfährt, dass Stutz schon früh seine Eltern verlor und als 15-jähriger Verdingbueb bei Verwandten als Müllersknecht arbeiten muss, bevor der Pfarrer von Hittnau seine geistige Begabung erkennt.

Der erste Teils des Films, der die Jugendphase umfasst, ist dicht gepackt mit vielen Erklärungen und Hintergrundinformationen. Zu gefallen wissen in diesem Teil vor allem die Landschaftsbilder. So gelingt es Hitz immer wieder mit seiner Kamera, die Schönheit und Vielfältigkeit des Oberlandes und seiner Natur einzufangen.

Das wird nach der Vorpremiere im Kino Rex in Pfäffikon auch eine Zuschauerin sagen. «Für einen Hobbyfilmer ist dieses Werk eine tolle Leistung. Der Film ist gut gemacht, aber sicher etwas Spezielles für Leute aus der Region.»

Quelle für Sozialgeschichte und Volkskunde

Im zweiten Teil rückt der Autor die Schicksalsjahre Stutz‘ in den Mittelpunkt. Dieter Hitz beschreibt den erfolgreichen Aufstieg zum Pädagogen, Erzieher, Volksdichter, Theaterregisseur, Kulissenmaler und Schauspieler. Aber auch Stutz‘ Homosexualität, unter der er zeitlebens litt und für die er sogar verurteilt worden war, wird in die chronologische Erzählung eingeflochten.

Höhepunkt bleibt die Wiedergabe in Auszügen des 47 Strophen umfassenden Gedichts «Hansels Klage». Hier wird auch der Stellenwert des Dichters deutlich, dessen Werk erste Quelle für die Sozialgeschichte und Volkskunde des Oberlands darstellt und als eines der frühen Zeugnisse für Deutschschweizer Mundartliteratur gilt.

Idee eines Poetry Slam

Der Film von Dieter Hitz ist indes nur ein Teilprojekt, um den Jakob-Stutz-Weg neu zu beleben. Bis zum September des nächsten Jahres will die Kommission Jakob-Stutz-Weg auch die Informationstafeln entlang der Route erneuten und mit QR-Code ergänzen, eine neue Website schalten und ein Handbuch für Führungen und dem Aufführen von Theater-Szenen erarbeiten.

«Ein wichtiges Ziel ist es, dass der Wanderweg die Vielfältigkeit des Oberlandes aufzeigt»

Rita Frehner, Mitglied der Kommission Jakob-Stutz-Weg

Rita Frehner, die der Kommission angehört, sagt: «Ein wichtiges Ziel ist es, dass der Wanderweg die Vielfältigkeit des Oberlandes aufzeigt. Wir wollen die Brücke schlagen vom bescheidene Leben von damals, über das Stadt-Land-Gefälle, das Bildungsdefizit der Landbevölkerung zu unserem heutigen Zeitgeist, dies mit all unseren Teilprojekten.»

Und um die Jugendlichen von heute für den vielleicht schon längst vergessenen Dichter zu begeistern, hat sie auch schon eine ganz spezielle Idee: «Wir könnten am Eröffnungsfest des neu belebten Jakob-Stutz-Weges am 18. September 2022 einen Poetry-Slam veranstalten. Auf Sternberger-Dialekt.»

Vorführung
Der Film «Auf den Spuren von Jakob Stutz» läuft am 11. November um 20 Uhr im Kino Rex in Pfäffikon. Spieldauer: 60 Minuten. Sprache: Deutsch/Mundart. Alter: 12. Tickets: CHF 12.- (Mitglieder CHF 9.-).

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