Orientiert man sich an der demographischen Entwicklung, müssten die Alters- und Pflegezentren in der Schweiz eigentlich keine fehlende Nachfrage zu beklagen haben. Die moderne Medizin lässt immer mehr Menschen immer älter werden, was wiederum die potentielle Kundschaft stetig anwachsen lässt.
In der Realität sieht die Situation freilich anders aus. Gemäss einer Umfrage des BAG vermeldeten im Sommer nicht weniger als 60 Prozent aller Alters- und Pflegeinstitutionen eine Abnahme der Neueintritte und der Bettenbelegung. Die Erklärungen mögen vielfältig sein, haben aber alle einen gemeinsamen Nenner: Corona.
Ein Minus von 15 Prozent
In dieses Bild fügt sich das Effretiker Alters- und Pflegezentrum Bruggwiesen (APZB) ein. Dessen Bettenbelegung ist von rund 95 Prozent zu Vor-Pandemiezeiten auf zwischenzeitlich 80 Prozent im Frühjahr 2021 gefallen. Zwar zeige die Kurve wieder ein wenig nach oben, « doch so ist ein kostendeckender Betrieb nicht möglich » , sagte der zuständige Stadtrat Samuel Wüst (SP) jüngst im Rahmen der Fragestunde Grossen Gemeinderats.
« Beim ersten Lockdown im Frühjahr 2020 mussten wir die Leute wegen der Direktive der Gesundheitsdirektion regelrecht einschliessen » , blickt Wüst zurück. Das wiederum habe viele ältere Leute abgeschreckt, in ein Heim zu gehen – ein Gefühl, das bis heute nachwirke, obschon der zweite Lockdown viel besser gemanagt worden sei.

