Hier gibt's den Corona-Test für nur 20 Franken
Feiern, zu wummernden Bässen, im Discolicht auf der von Rauchnebel eingehüllten Tanzfläche: Dafür brauchen Partygäste schon seit längerer Zeit ein Corona-Zertifikat, müssen genesen, geimpft oder getestet sein. Gemäss Daten aus dem neusten Lagebulletin der Gesundheitsdirektion des Kanton Zürichs liegt die Impfquote im Bezirk Hinwil derzeit bei 60 Prozent. Im Bezirk Pfäffikon ist sie nur zwei Prozent höher, während Uster mit 66 Prozent im Mittelfeld rangiert.
Seit dem 11. Oktober werden die Kosten für die Corona-Tests nun nicht mehr vom Bund übernommen. Es ist zu beobachten, wie umkämpft der Markt seitdem ist. Während die Apodro-Apotheken in der Region ab dem Mittwoch die Kosten für die Test auf 35 Franken senken, kostet ein Test im privaten Testcenter 8620 in Wetzikon bereits jetzt nur 30 Franken. Diese kosten müssen auch die Feierwütigen stemmen, neben allfälligen Eintritts- sowie Konsumationskosten.
Im Hinwiler Gastro- und Nachtlokal «The Pirates» präsentierte sich am vergangenen Wochenende die Situation allerdings etwas anders. Dort mussten die Besucherinnen und Besucher, die sich vor Ort testen lassen wollten, zwar auch 20 Franken bezahlen. Erhielten dafür allerdings vier sogenannte «Gastro-Liber» in demselben Gegenwert. Mit diesen konnte für die Essen und Getränke bezahlt werden.
Über 1000 Tests
«Das Feedback, das wir erhalten haben, war bombastisch; der Ansturm abartig», wie Betreiber Andy Gröbli am Dienstag rückblickend erklärt. «Die Leute habe sich extrem bedankt bei uns, dass wir diese Möglichkeit anbieten».
«Uns geht es nicht darum, hier Geld zu verdienen»
Andy Gröbli, Betreiber des Pirates in Hinwil
Über Donnerstag, Freitag und Samstag hinweg hätten über 1000 Personen einen Test in einem der eigenen Testcenter in Hinwil und Uster gemacht. Denn auch vor dem Porter House direkt beim Bahnhof Uster, das auch von Gröbli betrieben wird, gibt es die Möglichkeit, sich für einen Gutschein kostenfrei testen zu lassen.
Die «Gastro-Liber» können sowohl im Porter House, Pirates als auch Gröblis drittem Lokal, der Werkstatt 6 in Gossau, eingelöst werden. Insgesamt wurde bereits die Hälfte der Gutscheine eingelöst. Und Gröbli sagt, dass sogar am Montagabend 100 Personen an beiden Standorten von dem Angebot Gebrauch gemacht hätten.
Test zum Selbstkostenpreis
Nach dem Beschluss des Bundesrats über die ausgeweitete Zertifikatspflicht und der wegfallenden Kostenübernahme für Tests musste er eine Lösung für seine Kunden erarbeiten, sagt Gröbli. «Uns geht es nicht darum, hier Geld zu verdienen», wie der Pirates-Betreiber nachschiebt. So könnten sie dank eines Apothekers aus der Region den Test günstig und praktisch zum Selbstkostenpreis anbieten. Nicht zu unterschätzen sei ausserdem der Marketingeffekt, den die Massnahme mit sich bringe.
«M it dem Entscheid des Bundesrats würden uns ohne Lösung 50 Prozent unseres Kundenpotentials wegfallen»
Andy Gröbli
Ob er denn keinen Widerspruch darin sehe, mit seinem Vorgehen de facto die Impfstrategie des Bundes zu untergraben? Gröbli überlegt nicht lange und antwortet: «Als Privatperson stehe ich absolut hinter der Impfstrategie, ich bin auch selber schon lange geimpft.» Nur müsse er auch als Unternehmer an die finanzielle Stabilität denken: «Ich habe zwar gerade keine Statistik vorliegen, aber es ist nun einmal so, dass hier in der Region viele Junge nicht geimpft sind.» Für die 20 bis 29-Jährigen liegt die Impfquote im Bezirk Hinwil derzeit bei 55 Prozent. In keinem Bezirk ist die Zahl der Geimpften dieser Altersklasse tiefer.
«Somit würden uns mit dem Entscheid des Bundesrats würden uns ohne Lösung 50 Prozent unseres Kundenpotentials wegfallen», sagt Gröbli. Da sei es für ihn «ziemlich egal, ob wir politisch korrekt handeln.»
Nicht für jeden stemmbar
Gröbli will nicht als Lamentierer und Jammerer dastehen, wie er sagt. Doch er hält fest, dass aufgrund der 14 einschneidenden Verordnungen in den letzten 18 Monaten die Gastronomie doch sehr gelitten habe. «Das Pirates hat über 200‘000 Franken Verlust eingefahren, auch im Porter House und der Werkstatt 6 sind die Umsätze um 50 Prozent eingebrochen. Deshalb braucht es jetzt einfach Lösungsansätze, wie wir weiter bestehen können.»
Auch aus der Gastronomieszene habe er von Kollegen nur positives Feedback für seine Aktion erhalten. Teilweise hätten sogar andere Unternehmen auf die Testmöglichkeit vor dem Pirates verwiesen. Denn wie Gröbli sagt, könne nicht jedes Restaurant dasselbe tun wie er. «Einerseits haben wir den Platz und die Infrastruktur, andererseits schleusen wir genug Gäste durch, dass die Kostenübernahme auch funktioniert und deckend ist.»
Kein Interesse bei Peach Keller
Obwohl Gröbli so schwärmt und von seinem Angebot überzeugt ist, wollen längst nicht alle Gastronomen in der Region auf den Zug aufspringen. «Wir haben so etwas nicht geplant und vorgesehen», sagt Peach Keller auf Anfrage. Der 50-Jährige ist unter anderem der Gründer des Irish Pub Molly Malone in Wetzikon. «Wir merken zweifelsohne, dass wir seit Einführung der Zertifikatspflicht weniger Gäste haben.» Auch die wegfallende Kostenübernahme der Corona-Tests habe als «Bremse» gewirkt.
Zähneknirschend sagt Keller, dass die Situation eigentlich nur besser werden könne. Und gibt sich hoffnungsvoll: «Jetzt im Winter und der kalten Jahreszeit werden sich bestimmt nochmals mehr Leute impfen lassen. Denn sonst sind sie ja komplett von allem ausgeschlossen. Und können ihren Freunden nur durch geschlossene Fenster zuwinken.»
