Berggasthaus Hörnli setzt auf Outdoor-Essen
«Wir sind gegen Diskriminierung! Darum bleiben unsere Innenräume bis auf weiteres geschlossen. Unsere Terrasse ist für ALLE geöffnet und an kalten Tagen stehen genügend Wolldecken für Sie bereit.» Dieser Text steht seit Mitte September auf der Homepage des Berggasthauses Hörnli und auf Plakaten am Rande der diversen Aufstiegsrouten auf den 1133 Meter über Meer gelegenen Oberländer Aussichtsberg.
Der Betreiber Hansruedi Häne sagt auf Anfrage, dass dieser Team-Entscheid in keiner Art und Weise politisch gefärbt sei. «Wir wollen uns damit keinesfalls in die Pro-und-Kontra-Diskussion betreffend Corona-Massnahmen einmischen. Wir möchten einfach alle Gäste gleich behandeln», so der 57-jährige Sternenberger, der seit 28 Jahren auf dem Hörnli tätig ist. «Es gilt mit dem neuen Konzept eine gute Balance zwischen Anzahl Gästen, den Personalressourcen und dem Platzangebot zu finden.»
Zu früh für ein Fazit
Häne macht deshalb aktuell auch nicht aktiv Werbung für einen Besuch des Berggasthauses. «Platz haben wir natürlich genug, auch die Aussichtsterrasse gegen Süden ist geöffnet», so der Betreiber. «Zu Spitzenzeiten möchten wir jedoch eine Überlastung und zu lange Essenswartezeiten vermeiden.» Via Homepage sucht das Berggasthaus deshalb auch Service- und Küchen-Mitarbeiter – hauptsächlich für sonnige Wochenenden.
«Vielleicht öffnen wir in zwei Wochen die Innenräume wieder, vielleicht bauen wir die Aussenräume noch aus.»
Hansruedi Häne, Betreiber Berggasthaus Hörnli
Natürlich sei es noch zu früh, um ein Fazit zu ziehen, wie sich die Nichtnutzung der Innenräume auf das wirtschaftliche Ergebnis auswirke, sagt Häne. «Auch für uns ist das neu und wie wir wissen, können die Gastronomie-Vorgaben in der Corona-Zeit nächste Woche wieder komplett anders sein.»
Häne sieht das Outdoor-Essen als Versuchsballon, der sehr schnell wieder platzen kann. «Vielleicht öffnen wir in zwei Wochen die Innenräume wieder, vielleicht bauen wir die Aussenräume mit zusätzlichen, heimeligen Sitzmöglichkeiten noch aus.»
Heimelige Atmosphäre
Hat der Besucher die rund 350 Höhenmeter ab Sternenberg bezwungen und kommt beim Berggasthaus an, steht er zuerst einmal vor einer mächtigen Wand aus aufeinandergestapelten Holzscheiten mit einem schmalen Durchgang. Dahinter, zwischen einer Stützmauer und dem Eingang zu den Innenräumen, hat das Hörnli-Team viel unternommen, um eine heimelige Atmosphäre zu schaffen.
«Fondue oder Suppen haben sich bisher beim neuen Outdoor-Essen bewährt.»
Hansruedi Häne
In zwei Feuerschalen lodern wärmende Flammen, fein gefaltete Armee-Wolldecken liegen bereit, Vierer-Tische laden mit reichlich Abstand zum Verweilen. Wanderer haben sich unter dem Vordach und in einem offenen Wintergarten gruppiert. An diesem Sonntag herrscht zur Mittagszeit reger Betrieb. «Wir haben auch das Essensangebot leicht angepasst», erklärt Häne. «Fondue oder Suppen haben sich bisher beim neuen Outdoor-Essen bewährt.»
Die Gäste bestellen wie im Sommer direkt an der Aussentheke, holen das Essen dort ab und räumen danach selbst ab. Die Toiletten in den Innenräumen sind weiterhin zugänglich und die meisten Gäste maskieren sich für den Abort-Besuch.
Fast nur positive Reaktionen
Häne wird an diesem Sonntagmittag oft auf die Neuerungen bezüglich geschlossener Innenräume angesprochen. Dann erklärt er diese kurz und klar. Die Gäste nicken zustimmend, bedanken sich. Dann studieren viele die Menükarte, bestellen, suchen einen freien Platz und geniessen sichtlich das dampfende Essen.
«Die Reaktionen der Gäste sind fast alle positiv», meint der Hörnli-Wirt. Das Thermometer zeigt 8 Grad, der Gipfel ist in dichten Nebel gehüllt. Gerade kommt eine grosse Wandergruppe an. «Das reisst noch auf», «die Sonne scheint schon durch», «in einer Stunde sind wir darüber», tönt es unverkennbar St. Gallerisch aus der Gruppe – mit leicht enttäuschtem Unterton. Das Hörnli ist im Herbst selbstredend Sehnsuchtsort vieler Unterländer, die dem Hochnebel entrinnen möchten.
Das Berggasthaus bietet auf seiner Homepage eine aktuelle Webcam und damit auch eine Dienstleistung für jene, die nicht im Gasthaus einkehren. «Wir sind hier auf dem Gipfel oft leicht unter oder leicht über der Nebelgrenze», so Wirt Häne. «Garantieren können wir die Sonne leider nicht, aber ein gutes warmes Essen schon.»
(Andreas Leisi)