Vom Leben und Arbeiten in der Stiftung «Zur Palme» in Pfäffikon
Herbstzeit ist Marroni-Zeit. Auch im Bioladen «Palmino» der Stiftung «Zur Palme» in Pfäffikon. «Der bei uns in der Bäckerei selber hergestellte Marroni-Kuchen ist schon sehr lecker. Man sieht es mir sogar ein bisschen an», sagt Michael Koller, während er sich mit der Hand über die leichte Wölbung unter seinem rot-weiss-blau gestreiften Pullover fährt und dabei herzlich lacht.
Michael Koller lebt und arbeitet seit 15 Jahren in der Stiftung «Zur Palme». Zusammen mit einem Freund lebt er in einer betreuten Wohngruppe und ist im «Palmino» im Verkauf tätig. Davon erzählte er am Montag in der neusten «Lunchtalk»-Episode, einer Co-Produktion von Tele Top und der Zürcher Oberland Medien AG.
Kuchen und Corona
Ebenfalls zu Gast in der Sendung von Tele-Top-Moderator Stefan Nägeli war Andreas Zumbühl. Seit zwei Jahren ist er Geschäftsführer der Pfäffiker Stiftung. «Auch meine Frau liebt den Marroni-Kuchen. Sie leidet unter Zöliakie und kann sonst keine Kuchen essen. Da ist dieser Kuchen, der ohne Mehl gebacken wird, ideal.» Selbstverständlich war die süsse Versuchung allerdings nicht das einzige Gesprächsthema am Montag. Natürlich wurde auch über Corona und die Pandemie, deren Einflüsse auf die Stiftung und das Alltagsleben gesprochen.
«Uns hat Corona richtig zusammengeschweisst, wir haben viel unternommen, Musik gemacht, Filme geschaut, Comedy gemacht, gelacht.»
Michael Koller, Mitarbeiter und Mitbewohner der Stiftung «Zur Palme»
Die Ungewissheit der Pandemie habe sehr an ihm gezehrt, sagt Koller. Viele Freizeitangebote der Stiftung waren eingeschränkt. «Ich habe allerdings das Glück, dass ich mit einem tollen Mitbewohner zusammenlebe. Uns hat es richtig zusammengeschweisst, wir haben viel unternommen, Musik gemacht, Filme geschaut, Comedy gemacht, gelacht.»
Grosser lokaler Arbeitgeber
Die Stiftung «Zur Palme» bietet über 100 verschiedene betreute Wohnplätze an und gibt den Beeinträchtigten die Möglichkeit in geschütztem Rahmen zu arbeiten. Dabei gibt es verschiedene Betreuungsmodelle, wie ein 24-Stunden-Wohnheim oder eine punktuelle Begleitung, wo Bewohnerinnen und Bewohner sechsmal pro Woche von einer Fachperson besucht werden.
Die Stiftung, die es bereits über 50 Jahre gibt, verfügt aber auch über 150 Arbeits- und 30 Ausbildungsplätze. Gearbeitet werden könne in einer Gärtnerei, Schreinerei, dem Restaurant, Gebäudeunterhalt oder Hauswirtschaft erklärt Zumbühl.
In Pfäffikon ist die Stiftung damit ein namhafter Arbeitgeber. Ob denn das Verhältnis mit den lokalen Behörden immer gut sei, wollte Moderator Nägeli von seinem Gast wissen. Diesbezüglich fand der Geschäftsführer nur lobende Worte: «Die Zusammenarbeit ist hervorragend.» Dadurch, dass im Stiftungsrat zudem ein Gemeinderat sitze, herrsche stets ein offener Austausch.
Wie weiter aber 2024?
Offen könnte sich ab 2024 die Zukunft der Stiftung gestalten, wenn neue Herausforderungen ins Haus stehen. Ab diesem Zeitpunkt soll im Rahmen des Selbstbestimmungsgesetzes ein Systemwechsel im Kanton Zürich eingeführt werden. Demnach sollen Menschen mit Behinderungen selbst entscheiden können, welche stationären oder ambulanten Dienstleistungen sie in Anspruch nehmen – unabhängig davon, ob sie innerhalb oder ausserhalb einer Institution leben oder arbeiten. «Dieser Systemwechsel dürfte alle Beteiligten stark fordern», sagte der Geschäftsführer.
