Die eiserne Lady aus Uster
Manche Senioren feiern ihren 80. Geburtstag in ruhiger Atmosphäre. Das machte auch Irmtraut Reukauf so, als sie ihren kürzlich feierte, doch in ihrem Kopf dominiert auch im hohen Alter der Sportsgeist. Die Ustermerin ist passionierte Läuferin und war bis vor einigen Jahren auch Triathletin. Vom Greifenseelauf über den Berglauf Jungfraumarathon bis hin zum Ironman Hawaii ist sie alles gelaufen.
Letzteren bestritt sie gleich zweimal und absolvierte sieben weitere Ironman in ihrem Leben. An diesem Langdistanz-Triathlon hat sie das erste Mal erst im fortgeschrittenen Alter von 53 Jahren teilgenommen. Mit 67 Jahren hat Reukauf ihren letzten Ironman ins Ziel gebracht. Dabei erreichen selbst viele jüngere Athleten das Ziel nicht bei einer Schwimmstrecke von rund 3,9 Kilometern, einer Radstrecke von 180 Kilometern und dem abschliessenden Marathon mit 42 Kilometern.
«Am Greifenseelauf macht man einfach mit.»
Irmtraut Reukauf, Hobbyläuferin aus Uster
Darüber spricht sie aber nicht gerne. Trudi Niederberger, eine gute Freundin von ihr beschreibt sie als «zurückhaltend und bescheiden». Lieber spricht sie über den Greifenseelauf. Wer Reukauf fragt, wieso sie diesen immer noch läuft, sagt sie: «Am Greifenseelauf macht man einfach mit.»
Der Mann als Coach
Sport ist für die diplomierte Gymnastiklehrerin und Aerobictrainerin ein ständiger Lebensbegleiter. Reukauf sagt zum Bewegungsdrang «Man ist einfach geschwommen, velogefahren und gewandert.» Mit «man» meint sie auch ihren Mann. Er habe auch dafür gesorgt, dass sie bald damit anfing, ihre Zeit zu messen, als sie sich das erste Mal die Laufschuhe schnürte. «Mit dem Aufkommen des Vita Parcours im Oberland habe ich das Joggen für mich entdeckt.»
«Dranbleiben, bewegen, bewegen und nicht faul werden.»
Irmtraut Reukauf, Hobbyläuferin aus Uster
Doch dabei blieb es nicht, bald wurde der Triathlon für sie zur Passion. Immer hielt sie dabei ihr Trainingstagebuch und Ordner von Wettkämpfen aktuell, die sie seit Jahrzehnten führt. In einem solchen Ordner steht auch, dass Reukauf 1988 ihren ersten Uster Triathlon bewältigt hat und erst 2013 damit aufgehört hat. Verpasst hat sie den Wettkampf nur einmal.
Der Vater als Bremse
Es ist aber nicht nur der sportliche Ehrgeiz, der sie antreibt: «Ich bewege mich einfach gerne und bin gerne draussen.» Dabei sei sie in ihrer Kindheit gar in ihrem Bewegungsdrang gehemmt worden. So hätte sie als Kind, damals noch wohnhaft in einem Dorf nahe Nürnberg, gerne in einer Artistikgruppe mittrainiert, doch der Vater habe ihr das untersagt. «Ich habe dann einfach für mich den Handstand geübt.»
Noch heute gehe sie ins Fitness und mache Krafttraining. «Immer das machen, was irgendwie geht», so lautet Reukaufs Devise. Und angesprochen auf ihr Geheimrezept, sagt sie: «Dranbleiben, bewegen, bewegen und nicht faul werden.»
«Vielleicht war das mein letzter Lauf.»
Irmtraut Reukauf, Hobbyläuferin aus Uster
Seit 1980 gibt es den Greifenseelauf. Reukauf hat auch diesen nur wenige Male verpasst und ihr Ziel erreicht, den Schnitt eines gelaufenen Kilometers unter fünf Minuten zu halten. Sie bewältigte den einstigen Halbmarathon in knapp einer Stunde und 34 Minuten. «Das ist der Lauf, der mir besonders in Erinnerung geblieben ist.» Danach seien die Zeiten «laaangsam» länger geworden. Der Wettlauf sei aber auch im Laufe der Jahre professioneller und grösser geworden und das sei gut so.
Der letzte Lauf?
Bis vor kurzem war sie noch in einer Laufgruppe unterwegs, seit kurzem mit einer Gruppe von Nordic Walkern. «Ich würde aber lieber Joggen, wenn das noch ginge. Doch es geht nicht immer, wie ich will.»
Zwar zwingt sie die Gesundheit erstmals in ihrer Läuferkarriere dazu, Teile der Strecke nicht zu laufen, sondern zu walken, dennoch liess sie sich den Greifenseelauf auch heuer nicht entgehen. In der Kategorie Nordic Walking wollte sie trotz des momentanen läuferischen Handicaps nicht starten. Solange sie zwischendurch laufen könne, wolle sie auch bei den Läufern mitmischen. «Ich hoffte einfach, dass meine Kollegin, die eine Dreiviertelstunde nach mir startete, nicht lange auf mich warten muss.»
Rund zweieinhalb Stunden hat Irmtraut Reukauf für den Lauf gebraucht. Die Kollegin habe nicht warten müssen, sagt sie. Doch wie lange sie noch am Greifenseelauf noch teilnehmen will, wisse sie nicht. «Vielleicht war das mein letzter Lauf.»
