Kulturgüter gesucht und Tausende gefunden
Was verbindet das Wappenswilerriet, die Käserei in Herschmettlen, der Seegräbner Neujahrsempfang, die Ruderweltmeisterin Pamela Weisshaupt oder die IG Kompost Mülibachquartier in Mönchaltorf miteinander? Auf den ersten Blick wohl nicht viel. Doch sie alle haben einen Bezug zum Oberland. Und sie finden sich zusammen mit weit über 10’000 anderen Einträgen zu schönen Flecken, Bauten, Vereinen, Bräuchen, Firmen oder Persönlichkeiten in den « Kultur-Auslegeordnungen » der Gemeinden in der Region.
Weit gefasster Begriff
« In den Kultur-Auslegeordnungen ist je Gemeinde alles zusammengefasst, das vom Menschen erschaffen wurde und das für die Bevölkerung heute bedeutsam ist. Kultur wird also in einem weiten Sinn verstanden, wo sowohl das Kulturerbe wie auch das Kulturschaffen Teil davon sind und Identität stiften » , erklärt Daniela Waser, Geschäftsführerin des Regionalmanagements Zürioberland.
Sie trägt auch die Verantwortung für Zürioberland Kultur. Dieses Geschäftsfeld, das vom Zweckverband Region Zürcher Oberland (RZO) in Auftrag gegeben worden ist, ist auch für die Weiterentwicklung dieser Auslegeordnungen zuständig.
Die Auslegeordnungen aufgegleist und in den Gemeinden verankert hat der ehemalige Ustermer Stadtpräsident Hans Thalmann zusammen mit Freiwilligen. Da er Mitte Juni seinen 80. Geburtstag feiern kann, wollte er nun kürzer treten. Thalmann war bereits vor gut zehn Jahren dabei, als das Kultur-Netzwerk aus der Taufe gehoben wurde.
42 Gemeinden dabei
Die Idee der RZO war es damals, eine gemeinsame Identität für die Region zu schaffen. Heute gehören der Kulturkommission die 20 RZO-Mitgliedsgemeinden, vor allem aus den Bezirken Hinwil und Pfäffikon, an. 22 angrenzende Gemeinden, darunter einige im Bezirk Uster, aber etwa auch Illnau-Effretikon, Oetwil, Stäfa, Turbenthal, Schlatt oder Zell, zählen zu den assoziierten Mitgliedern.
Ein erster Schritt auf dem Weg zur regionalen Kulturförderung waren Umfragen und Gemeindebesuche, um sich einen Überblick zu verschaffen. Heute liegen von allen RZO-Gemeinden Kultur-Auslegeordnungen vor, die von den meisten Exekutiven auch schon abgesegnet worden sind.
Auch einige assoziierte Mitglieder haben mindestens in einer Rohfassung eine Auslegeordnung ihres Kulturguts erstellt. Obwohl die Inventare für die einzelnen Gemeinden ein freiwilliges Arbeitsinstrument sind und keinerlei rechtliche Verbindlichkeit haben, sind vereinzelte Orte wie beispielsweise Zell doch davor zurückgeschreckt, das Inventar durch den Gemeinderat abzusegnen.
30 Inventare erfasst
« Je nach Grösse der Gemeinde finden sich in den Auslegeordnungen unterschiedlich viele Einträge. Momentan sind es beispielsweise in Fischenthal um die 250, in Wangen-Brüttisellen und in Pfäffikon je etwa 350 und in Rüti 450 » , erklärt Waser. Es dürfte dort wie in anderen Gemeinden noch Einiges dazukommen, soll der Bestand doch in den meisten Gemeinden alle vier Jahre überprüft und nachgeführt werden. « Stand heute sind es in den 30 Kultur-Auslegeordnungen insgesamt bereits weit über 10‘000 Einträge » , meint Waser.
Herausfordernde Nachführung
Die umfangreichste Auslegeordnung dürfte jene der Stadt Uster sein. Sie umfasst 20 A4-Seiten mit alleine rund 1800 Einträgen. Christian Zwinggi, Abteilungsleiter Präsidiales, schätzt an diesem grossen Werk, dass nun einmal alles inventarisiert ist. « Wenn die Kulturlandschaft entwickelt werden soll, muss man sie zuerst einmal kennen. »
Wichtig ist für ihn aber auch, dass die Einordnung nach dem gleichen Schema übers ganze Oberland hinweg erfolgt ist. So habe sich etwa jüngst bei der Identifikation des Erschaffers des geschmückten Wegweisers in Riedikon – ein Mönchaltorfer Künstler – gezeigt, dass gemeindeübergreifendes Vorgehen erfolgversprechend sei. « Die Nachführung wird sicher eine Herausforderung. Ich stelle mir vor, dass dies opendata-mässig erfolgen kann » , meint Zwinggi. So werde ja bereits beim Vereins- und beim Firmenverzeichnis vorgegangen.
Primär für die eigene Gemeinde
In der Nachbargemeinde Mönchaltorf meint Gemeinderätin Andrea Larry (SP): « Bei uns in Mönchaltorf gab es bisher keinen Ort, wo all diese Angaben gesammelt worden sind. Für mich ist die Auslegeordnung ein Sammelwerk der Gemeinde und primär für die Gemeinde. » Sie soll als Ausgangspunkt für weitere Recherchen dienen.
Die Doppelläufigkeit mit den vielerorts vorhandenen Vereins- und Firmenverzeichnissen nimmt sie in Kauf. Dass beispielsweise die IG Kompost Mülibachquartier Eingang ins Verzeichnis gefunden hat, erklärt sie mit der Wichtigkeit der Vereine fürs Dorfleben. « Auch das ist im weitesten Sinn Kultur. »
Hoffnung auf Schulen
Und was soll nun mit den Auslegeordnungen geschehen? Waser hält fest, dass noch Einige in Bearbeitung seien, aber bald auch aufgeschaltet werden sollen. « Der grösste Schritt ist mit der Bestandesaufnahme nun gemacht » , meint sie. Nun gelte es aber, damit zu arbeiten und die Kulturgüter der Bevölkerung ins Bewusstsein zu bringen. « Erst wenn man weiss, woher man kommt oder welche Werte es hier gibt, werden auch Gemeinsamkeiten sichtbar. »
Die Leiterin der regionalen Koordinationsstelle hofft vor allem, dass dieses Inventar auch in den Schulen behandelt wird: « So kann Wissen auch an die nächste Generation weitergegeben werden. Das hat in der heutigen Gesellschaft einen hohen Stellenwert. »
« Kulturwiki » als Fernziel
Auf weitere Sicht ist geplant, nach dem Vorbild von Wikipedia ein umfassendes, laufend aktualisiertes «Zürioberland Kulturwiki» zu entwickeln. Die konkreten Schritte dazu wird Jacqueline Falk an die Hand nehmen. Sie übernimmt per 1. April die Leitung des neu geschaffenen Geschäftsfelds Kultur & Gesellschaft beim Regionalmanagement.
