«Die Guyer-Zeller-Karten sind quasi unsere Mitgift»
Das Aufgabengebiet ist kleiner geworden und Nachwuchs im Vorstand hat es auch schon länger nicht mehr gegeben. « Wir sind zu viert gewesen, drei Herren und eine Dame – und alle schon längst im Pensionsalter » , erklärt Rita Gröbli, die seit rund 20 Jahren den Verkehrsverband Tösstal/Zürcher Oberland (VVTZO) präsidiert hat. Und weil niemand Jüngeres in den Vorstand nachgestossen ist, löste sich der Verband Ende 2020 auf, wie erst Mitte März bekanntgegeben worden ist.
Treffen werden fortgeführt
Doch die regionale Koordinationsstelle für die kommunalen Verkehrsvereine lässt diese nicht alleine zurück. « Wir haben Zürioberland Tourismus angefragt – und die verantwortlichen Frauen dort haben der Übernahme unserer Aufgaben zugesagt » , sagt Gröbli.
« Wir werden auf die Verkehrsvereine zugehen und das Gespräch suchen. »
Daniela Waser, Geschäftsführerin Zürioberland Tourismus
Daniela Waser, Geschäftsführerin von Zürioberland Tourismus, unterstreicht, dass sie die Aktivitäten fortsetzen wollen. Dazu gehören insbesondere die zwei jährlichen Vernetzungstreffen der Vertreterinnen und Vertreter der 20 Verkehrsvereine und deren Gemeinden. Diese sind vor allem in den Bezirken Hinwil und Pfäffikon angesiedelt, aber auch in Volketswil, Illnau-Effretikon, Mönchaltorf oder Turbenthal.
Drei Gemeinden noch nicht dabei
Da die meisten Vereine und Gemeinden ohnehin schon Mitglied von Zürioberland Tourismus sind, ist die Integration gewährleistet. Nur die ehemaligen VVTZO-Mitglieder Hombrechtikon, Rüti und Zell sind bei der Oberländer Tourismusorganisation bisher nicht dabei. « Wir werden auf die Verkehrsvereine zugehen und das Gespräch suchen » , verspricht Waser. « Für die Verkehrsvereine dürfte sich nicht viel ändern. Nur das:Sie sind künftig in die Standortförderung eingebunden. Da ergibt sich ein noch engerer Austausch mit den Gemeinden. » Jedenfalls freue sie sich, die wertvolle Aufbauarbeit des Verkehrsverbandes im touristischen Bereich weiterführen zu können, betont Waser.
Tourismus in professionellen Händen
Mit der Gründung von Zürioberland Tourismus im 1999 hatten sich die Aufgaben des VVTZO verändert. Die kommerzielle Promotion der Region als Ausflugsgebiet ging an die neue, professionelle Organisation über, die heute in Bauma ihren Sitz hat. Rita Gröbli sagt: « In freiwilliger Arbeit konnten wir das alles nicht mehr gewährleisten. Wir konzentrierten uns daher auf die Verkehrsvereine, die wir stärken wollten. » Dazu gehörte auch die Weiterbildung der Mitglieder, die im Rahmen der zwei jährlichen Zusammenkünfte stattfand. Wegen Corona fand die letzte im November 2019 statt. Damals war der Verband im Indian Land Museum in Gossau zu Gast.
«Wir sind glücklich, diese Lösung gefunden zu haben. »
Rita Gröbli, letzte Verkehrsverbandspräsidentin
Zur Weiterbildung und zur Kontaktpflege diente auch das « Forum » . Die Verbandszeitschrift beleuchtete jeweils ein Thema speziell, etwa den Apfel in der Region, die Fleischproduktion oder zuletzt die Geschichte der Römer im Oberland und im Tösstal. Das in einer Auflage von 500 Exemplaren erschienene Blatt stand unter der Führung von Rita Gröbli, die auch das « Gossauer Info » herausgibt.
« Es ist schade, dass der 112-jährige Verband aufgelöst werden musste » , bedauert die ehemalige Präsidentin. «Gleichzeitig sind wir glücklich, diese Lösung gefunden zu haben. Somit bleibt die Zusammenarbeit gesichert.»
Wanderwege gerettet
In seiner langen Geschichte hat der nun aufgelöste Verband sich ideell wie finanziell für das Zürcher Oberland eingesetzt. Dazu gehörte etwa in Zusammenarbeit mit dem Zürcher Verkehrsverbund die Erschliessung des Ausflugsgebietes durch den öffentlichen Verkehr. Auch die Guyer-Zeller-Wanderwege verdanken ihr heutiges Bestehen der Instandstellungsaktion des Verkehrsverbandes im Jahr 1977, welche die zwischen 1889 und 1899 erstellten Pfade vor dem Zerfall rettete.
Der Verband verkaufte bis zuletzt auch die Guyer-Zeller-Wanderkarten. Zürioberland Tourismus hat auch den Vertrieb dieser Karte mit den sieben Wandervorschlägen und Informationen zu Adolf Guyer-Zeller übernommen. Zu haben ist sie für zwölf Franken. « Der Restbestand an Karten ist jetzt Bauma. Die Guyer-Zeller-Karten sind quasi unsere Mitgift » , meint Gröbli schmunzelnd zur « Vereinigung » der beiden Organisationen.
