Das Virus senkt das Heiratsfieber
Langsam beginnt sich der Schleier zu lüften, welche Auswirkungen die Pandemie auf die Paare hat, die sich eigentlich das Ja-Wort geben wollen. Zwar sind die Zahlen noch nicht kantonsweit zusammengetragen, doch eine Nachfrage bei den sieben regionalen Zivilstandskreisen und den kommunalen Einwohnerämtern zeigt, dass das Coronavirus das Heiratsfieber stark gesenkt hat.
Die meisten Ämter haben im 2020 gegenüber den beiden Vorjahren 10 bis 20 Prozent weniger Trauungen verzeichnet. Stark zu spüren bekam die Unlust etwa das Zivilstandsamt Volketswil, das auch für Schwerzenbach und Greifensee zuständig ist. « Im 2020 wurden rund 50 Trauungen verschoben oder abgesagt » , erklärt die Zivilstandsbeamtin Isabelle Gehring. Einige Trauungen wurden gleich mehrfach verschoben – und dann schliesslich abgesagt. So waren es noch 182 Eheschliessungen. In den beiden Vorjahren wurden 221 respektive 233 gezählt.
Masken und keine Gäste
Einen ähnlichen starken Rückgang hat auch Bianca Boos Germann, die Leiterin des Zivilstandsamtes Pfäffikon verzeichnet. « Die Ziviltrauungen werden von uns zwar wie gewohnt gestaltet, also mit festlichem Rahmen. Die Auswirkungen der Pandemie zeigen sich aber deutlich durch das Tragen der Masken und die reduzierte Gästeanzahl. Auch Spaliere waren zeitweise nicht möglich, wegen des Versammlungsverbots im öffentlichen Raum. »
In Pfäffikon kann man neu im Kino heiraten
23.06.2020

Ziviltrauung mit Distanz
Um trotz Abstandsregeln möglichst vielen Gästen die Anwesenheit an zivilen Hochzeiten zu ermöglic Beitrag in Merkliste speichern Als es darum ging, für die Hochzeitspaare und ihre Gäste mehr Platz zu finden, wählte das Pfäffiker Zivilstandsamt einen ungewöhnlichen Ort aus: das ehemalige Kino Rex. Seit letztem Juni kann dort ebenfalls zivil geheiratet werden. Diese Notlösung hat offenbar Anklang gefunden, so dass sie auch über Corona hinaus Bestand haben dürfte.
Heiraten neben Klangmaschinen
Mit einem solch ungewöhnlichen Ort kann auch das Rütner Zivilstandsamt aufwarten: das Dürtner Klangmaschinenmuseum. « Im April werden wir in dieser tollen Atmosphäre erstmals eine Trauung durchführen » , sagt Andrea Hottinger, Leiterin des Zivilstandsamtes.
« Die Ansprüche von Brautpaaren an uns steigen. »
Andrea Hottinger, Leiterin Zivilstandsamt Rüti
Dass die Lust unter Corona-Bedingungen zu heiraten nicht so gross ist, kann sie gut nachvollziehen. So dürfen drinnen nur das hinter Masken verborgene Brautpaar, die Brautzeugen und falls nötig ein Dolmetscher zugegen sein. Deshalb wurden auch in Rüti Feiern von den Brautpaaren verschoben, verkleinert oder gar abgesagt. Doch wenn der Ring schon geprägt oder Nachwuchs unterwegs ist, wurde mindestens der zivilrechtliche Akt durchgezogen.
Weniger Nachfrage fürs Ritterhaus
« Die Ansprüche von Brautpaaren an uns steigen » , erklärt Hottinger. Viele wünschten schon für die zivile Hochzeit einen festlichen Rahmen mit vielen Gästen – kirchliche Feiern seien nicht mehr so gefragt. Daher bieten die Rütner mit dem Ritterhaus Bubikon schon eine Weile ein weiteres Bijou als Traulokal an.
Dieses ist allerdings im 2020 viel weniger genutzt worden, wie dessen Betriebsleiterin Monika Isenring Wild ausführt. Elf zivile Hochzeiten seien es letztes Jahr noch gewesen, die Hälfte wie in den Vorjahren. Noch extremer ist der Rückgang bei den kirchlichen Feiern in der malerischen Kapelle. Gerade noch zwei waren es im Corona-Jahr, ein Viertel der Vorjahre. Zwar hätten sie im 2021 nun bereits zehn Reservationen. Einige davon seien aber Verschiebungen vom letzten Jahr her. « Wir merken jetzt, dass es relativ ruhig ist. Normalerweise kämen jetzt die Reservationen fürs nächste Jahr rein. »
In einzelnen Zivilstandskreisen wie etwa in Illnau-Effretikon oder Wetzikon war der Rückgang an Trauungen geringer bis gar nicht spürbar, wie Sandra Bühler vom Zivilstandsamt Illnau-Effretikon erklärt. Reduziert hätten sich lediglich die Trauungen im Schloss Kyburg, weil das Lokal an ein oder zwei Daten nicht mehr belegt werden konnte. Normalerweise wird rund ein Fünftel aller Trauungen dieses Zivilstandskreises auf der Kyburg durchgeführt.
Einbruch bei kirchlichen Hochzeiten
Während sich die Absagen wegen Corona auf den Zivilstandsämtern noch im Rahmen gehalten haben, wirkt sich die Pandemie bei den Kirchen als Feierkiller aus.
« Im Heiratsmonat Mai haben wir keine einzige Buchung. »
Andrea Häberli, Leiterin Lazariterkirche
« Im Heiratsmonat Mai haben wir keine einzige Buchung » , bedauert Andrea Häberli, Leiterin der Lazariterkirche im Dübendorfer Gfenn. Die Kirchen verzeichnen ohnehin schon seit Jahren eine stete Abnahme der Hochzeiten. Das Virus, das nun grössere Feste verunmöglicht, hat hier den Prozess beschleunigt. Im 2020 gab es in der Lazariterkirche noch die Hälfte der sonst üblichen 15 bis 20 Trauungen. Und dieses Jahr sieht es nicht besser aus.
Wie stark der Rückgang auf Kantonsebene gewesen ist, weisst man weder auf dem katholischen noch auf dem reformierten Kirchensekretariat. Die Zahlen trudeln erst ein. Doch wie in den beiden beliebten Hochzeitskirchen Ritterhaus und Lazariterkirche sieht es auch in den schön gelegenen Kirchen Seegräben oder Kyburg aus: Es herrscht Stille. In der kleinen Kirche oberhalb des Pfäffikersees gab es im letzten Jahr keine einzige Hochzeit, in Kyburg wichen laut Sigristin Marije Westerveld zwei, drei Gesellschaften kurzfristig in die gut 100 Personen fassende Kirche aus – 50 Plätze durften belegt werden. « Die Unsicherheit ist gross » , konstatiert sie. Das zeigt sich auch im laufenden Jahr: Bisher gibt es noch keine einzige Reservation.
Zittern wegen Heiratstermin
Von Corona gleich doppelt betroffen ist Edi Baumann. Der Ustermer feiert einerseits für Hochzeitspaare freie Zeremonien und ist andererseits Organisator der Wedding Emotion, einer Veranstaltung, bei der sich alles ums Heiraten dreht. Der erste Lockdown hatte zur Folge, dass viele Heiratswillige ihre Feiern auf den Herbst oder gleich um ein Jahr verschoben. « Im Sommer war ich relativ relaxt. Da lief es recht gut » , meint Baumann. Auch im Oktober feierte er noch eine Hochzeit, allerdings bereits mit Masken. Auch die zwei, drei Feiern, die er jeweils in den Wintermonaten durchführen konnte, fielen jetzt weg.
« Der Frühling wird ausgespart. »
Edi Baumann, freier Trauredner
Ab Mai hat er zwar wieder zu tun, « dabei handelt es sich aber vor allem um vom letzten Jahr her verschobene Feiern. » Und noch ist nicht klar, ob es nun klappt: « Ich habe ein Pärchen, das bereits wieder beunruhigt ist. Es hat seine Feier vom 2. Mai 2020 auf den 1. Mai 2021 verschoben. » Und andere Paare planen in Varianten, « die werden ideenreicher » , findet Baumann. Je nach behördlichen Vorschriften, ob nun 50 oder sogar 100 Leute zugelassen sind, soll etwa der Apéro gestaffelt und in Gruppen durchgeführt werden.
Es sei in der ganzen Branche zu spüren, dass es viel weniger Anfragen gebe: « Der Frühling wird ausgespart. » Und eigentlich müssten jetzt die Anmeldungen fürs 2022 reinkommen, « doch es gibt eine grosse Zurückhaltung, eigentlich steht alles still. »
Hochzeitsmesse soll stattfinden
Das bekommen auch die Hochzeitsmessen zu spüren. Die grössten, die Fest- und Hochzeitsmessen in St. Gallen und Zürich haben angesichts der mangelnden Perspektiven vor einer Woche die Segel gestrichen – definitiv. Ganz so düster sieht das Edi Baumann nicht, obwohl er im letzten Oktober auch auf dem falschen Fuss erwischt worden ist. Drei Tage vor der Eröffnung der Wedding Emotion im Ritterhaus Bubikon kam das behördliche Verbot von Messen.
«Wir wurden auf der Ziellinie gestoppt»
29.10.2020

Verbot für Hochzeitsmesse in Bubikon
Zur Eindämmung der Pandemie hat der Bundesrat am Mittwoch ein Verbot für Märkte und Messen ausges href=”/flag/flag/np8_favorites/3225609?destination=batch&token=1j8kYG9-jV0g0dWWKZLJ14qGujVIZ_n0AU9uzri3lqg” title=”” class=”no-tts use-ajax flag flag-np8_favorites flag-np8_favorites-3225609 action-flag”>Beitrag in Merkliste speichern « Auch wenn die Branche punkto staatlicher Unterstützung durchs Netz fällt, sind wir nach dem Ausfall nicht am Ende » , betont Baumann. So geht er mit seinem Team an die Planung der nächsten Ausgabe, die am 30./31. Oktober oder zu einem späteren, Corona-freien Zeitpunkt im Ritterhaus durchgeführt werden soll. « Die Wedding Emotion erhält nach dem Wegfall der anderen Hochzeitsmessen einen noch grösseren Stellenwert » , ist er überzeugt. Als Vorteil sieht er auch den Standort. Beim Ritterhaus kann er nicht nur die Innenräume, sondern auch den Hof nutzen. « So können wir Hochzeitsmesse und -markt wunderbar und romantisch miteinander verbinden. »
