« Du siehst ja aus wie ein Bourbaki. » Diese Bezeichnung dürfte so mancher Schweizer Soldat auch heute noch zu hören kriegen, wenn seine Uniform nicht korrekt sitzt. Der Vergleich spottet jedoch der tatsächlichen Verfassung, in der die französischen Soldaten waren, die vor 150 Jahren in der Schweiz interniert wurden. Die Angehörigen der nach ihrem Kommandanten Bourbaki benannten Armee waren « meistens eher in Lumpen als in Uniformen gehüllt, schmutzig am ganzen Körper, die Füsse mit dem elendesten Schuhwerk bekleidet » , wie ein Oberländer Grenzschützer aus dem Jura dem « Freisinnigen » berichtete.
Nur vier Tage, nachdem die Schweiz ihre Grenzen für die von den deutschen Truppen bedrängten Franzosen geöffnet hatte, kriegten die Oberländer die geschlagenen Soldaten selbst zu Gesicht. Dübendorf, Pfäffikon und Uster waren zum Kantonierungsbezirk Uster zusammengeschlossen worden. In Wetzikon gab man sich düpiert, wieso « unsere Gemeinde bei der Zuteilung der französischen Truppen leer ausging » .
Grosser Bahnhof
Fast 1500 Internierte wurden auf diese drei Gemeinden aufgeteilt: 312 kamen in Dübendorf in der Kirche, dem Sekundarschulhaus und dem Bethaus des Jünglingsvereins unter, 300 wurden in Pfäffikon einquartiert und 866 nach Uster gebracht.
Gegen 20 Uhr kam der Extrazug am 4. Februar 1871 an. Der Zug war zwölf Stunden zuvor in Neuenburg abgefahren. Am Bahnhof wurden die Soldaten von einer grossen Menschenmenge in Empfang genommen – ein Bild, wie es in vielen anderen Internierungsorten zu sehen war. Angesichts des Zustandes der geschlagenen Truppe wandelte sich die Neugier aber bald in Mitleid um: « Abgemagert, entkräftet, hinkend und müde, oh, so müde. Manche glühten im Fieber, schauten dem Tod in die Augen » , wurde in den Pfarrblättern von Uster berichtet.

