Wie stark hat die Corona-Pandemie Wildberg beschäftigt?
Dölf Conrad: Corona hat auch vor Wildberg nicht Halt gemacht. Mehrere Familien und Personen wie auch das Gewerbe wurden direkt betroffen, sei dies gesundheitlich, beruflich und somit finanziell, oder sozial durch Isolation. Sicher eine der grössten Herausforderungen war die Schliessung der Schulen und der Heimunterricht. Corona hat aber auch Chancen eröffnet.
Wildberg ist eben nicht eine Hinterwäldler Gemeinde, sondern strategisch ein Vorort von Zürich. Corona mit dem Zwang zu virtuellen Kontakten hat die Digitalisierung schlagartig auf Touren gebracht und uns plötzlich viel näher an die grossen Zentren katapultiert. Corona hat uns glasklar unsere privilegierte Situation vor Augen geführt. Dank Digitalisierung stehen wir mitten in der Welt und können unmittelbar überall sein, gleichzeitig geniessen wir die unbezahlbaren Vorteile einer übersichtlichen Kleingemeinde auf dem Land. Dies zeigte sich am kaum zu bewältigenden Ansturm der auswärtigen Besucher an den Sonn- und Feiertagen. Viele Städter haben die Schönheiten und auch Freiheiten in unserer Natur entdeckt und sind der « Einzelhaft » in der Stadt entwichen. Auch wir haben erkannt, dass man nicht mit dem Flugzeug um die halbe Welt fliegen muss, wenn doch die schönsten Plätze und Freizeitmöglichkeiten direkt vor der Haustür liegen. Corona hat unsere (Bewegungs-)Freiheit zwar abrupt umgelenkt, aber dadurch nicht verunmöglicht. Genau dies ist die Lebensqualität von Wildberg.
Was war das wichtigste Ereignis in Wildberg im letzten Jahr?
Es waren viele wichtige Teile, die schlussendlich zum Ganzen führten: der Bildung der Einheitsgemeinde als Startschuss in die Zukunft. Ein grosser Hosenlupf war die notwendige Überarbeitung sämtlicher Verordnungen und Reglemente von politischer Gemeinde, der Primarschule und den Kommissionen. Alle relevanten Veranstaltungen wie Gemeindeversammlungen und auch die 1. August-Feier wurden planmässig durchgeführt. Alle Corona-Schutzmassnahmen konnten dank den Vorzügen einer Kleingemeinde lückenlos erfüllt werden. Insgesamt sind wir in der glücklichen Lage, trotz Corona auf Kurs zu sein und alle Ziele erreicht zu haben. Jetzt sind wir « up to date » für die Zukunft.
Was war Ihr persönlicher Höhepunkt?
So wie mehrere wichtige Ereignisse erlebte ich auch mehrere Höhepunkte. Hervorheben möchte ich die sehr kooperative, zielgerichtete und äusserst angenehme Zusammenarbeit mit der Primarschulpflege zur Bildung der Einheitsgemeinde. Ich hätte mir nie träumen lassen, dass dieser Prozess so reibungslos verläuft. Beeindruckt hat mich auch die Initiative und positiv kritische Einbringung vieler Bürgerinnen und Bürger zu Geschäften an der Gemeindeversammlung oder auch bilateral. Ja, in Wildberg ist die Welt noch in Ordnung!
Ein persönlicher Höhepunkt war unser Gemeinderatsausflug auf die Alp Malbun mit der Vorführung eines Steinadlers. Für mich symbolisierte dieser Ausflug unsere politische Arbeit im 2020. Trotz widrigsten Wetterbedingungen bei Starkregen, Wind und Kälte haben wir die ganze Tour mit bester Stimmung durchgezogen. Besonders beeindruckt hat mich die vorgezeigte (Über-)Lebensstrategie eines Steinadlers. Der König der Lüfte führte mindestens mir vor Augen, was essenziell ist im Leben und was nicht. Wir sollten uns wieder mehr nach der Natur orientieren und nicht unsere hausgemachten Probleme polemisieren.

