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Die Feiern, die nicht stattfanden

Auf den Tag genau 190 Jahre nach dem Ustertag hätte heute Sonntag der Volksversammlung von damals erinnert werden sollen. Doch eine Pandemie hat das verhindert – wie auch schon in früheren Jahren.

Der Ustertagstein auf dem Zimikerhügel wurde 1930 zum 100-Jahr-Jubiläum errichtet.

Foto: Re

Die Feiern, die nicht stattfanden

Die Treppe hoch zur reformierten Kirche von Uster, und drinnen dann zwei Reden, umrahmt von musikalischen Vorträgen: So hätte die diesjährige Ustertagfeier wie in den Jahren zuvor beginnen sollen. Nach dem Festakt wäre der Gang hinunter zur Landihalle vorgesehen gewesen, wo die Besucher der Apéro erwartet hätte. Und dann zum Abschluss hätte es wieder das traditionelle Risottoessen gegeben.

Kein Fest, kein Treffen

Dieses Jahr aber haben sich die Ustertag-Gänger wohl daheim verpflegen müssen. Schon Mitte August strich das Ustertagkomitee, das für die Organisation des Anlass verantwortlich zeichnet, die Segel. Die Coronapandemie verunmöglichte ein Treffen von rund 500 Personen. Und das Heranrollen der zweiten Welle machte auch dem in kleinerem Rahmen vorgesehenen Gedenkanlass auf dem Zimikerhügel den Garaus.

Auch Ersatzanlass wird ein Pandemieopfer

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Keine Zusammenkunft am Ustertag

Am 22. November wird es gar keine Zusammenkunft zum Ustertag geben. Beitrag in Merkliste speichern Damit musste das Komitee wohl oder übel auf die Durchführung eines öffentlichen Anlasses an diesem geschichtsträchtigen Datum – dem 22. November – verzichten. An genau diesem Datum hatten sich 190 Jahre vorher, also 1830, um die zehntausend Männer aus der Zürcher Landschaft  in Uster versammelt. Sie lehnten sich gegen die Vorherrschaft der Stadt Zürich auf.

Zum Schutz von Rind und Schwein

Es ist nicht zum ersten Mal, dass der Ustertag wegen einer Pandemie ausfällt. 1938, ein Jahr vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, grassierte die Maul- und Klauenseuche, auch in dem damals noch stark ländlich geprägten Oberland und Glattal. Dieses Virus ist hoch ansteckend und befällt vor allem Rinder und Schweine. Menschen stecken sich mit der Maul- und Klauenseuche zwar nicht an. Doch deren Kleidung und Haut können das Virus tragen – auch in die Ställe hinein. Vor allem bei Rindern kann dieses Virus sehr tödlich sein.

1938 fiel dann nicht nur die Ustertagfeier aus, sondern auch der Jahrmarkt wurde, wie jetzt, abgesagt. Er wurde damals auf das nächste Frühjahr verschoben.

Grippe und Generalstreik

Die weltweit grassierende Maul- und Klauenseuche war aber bereits 1913 und 1920 der Grund für eine Absage des Ustertages. Auch 1918 war es drunter und drüber gegangen. Wegen Grippe wurde der Ustermer Vieh- und Warenmarkt abgesagt, dazu kam der Generalstreik. So fand in jenem Jahr nur in Zürich am 1. Dezember ein zürcherischer Volkstag statt.

Die Ustertagfeier wird verschoben

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Wegen Corona gibt es nur eine schlichte Zusammenkunft

Nun also auch die Ustertagfeier: Wegen Corona wird der Festanlass aufs nächste Jahr verschoben. href=”/flag/flag/np8_favorites/3212469?destination=batch&token=F1VsYHqjtTeSiqvq46FTE1Mu7Pz4cS_aSxNORgONFAc” title=”” class=”no-tts use-ajax flag flag-np8_favorites flag-np8_favorites-3212469 action-flag”>Beitrag in Merkliste speichern In der Schweiz trat diese Maul- und Klauenseuche in den Jahren 1871/72, 1899/1900, 1911 bis 1914, dann 1920/21, 1939/40 und 1965 verheerend auf. Nach den letzten Ausbrüchen von 1968 und 1980 gilt die Schweiz amtlich als frei von Maul- und Klauenseuche.

An der Grenze  

Doch nicht nur Seuchen waren Anlass für eine Absage der Ustertagfeier. 1939, also nur ein Jahr nach dem Seuchen-Ausfall, wurde sie schon wieder gestrichen. Diesmal standen wegen des im September ausgebrochenen Krieges, der sich zum Zweiten Weltkrieg entwickeln sollte, viele Männer im Aktivdienst an der Grenze. 1847 wurde wegen des Sonderbundkrieges auf eine Feier verzichtet.

Wie der Ustermer Historiker Bruno Schmid in seiner 2014 erschienenen Schrift «Die Ustertagfeiern im Laufe der Zeit» aufzeigt, gibt es die Ustertagfeier, wie wir sie heute kennen, aber ohnehin erst seit 1930. Nach dem 100-Jahr-Jubiläumsanlass hatte sich ein Komitee gebildet, das sich seither der Organisation annimmt. Im 19. Jahrhundert noch wurde oft auch in anderen Zürcher Gemeinden der Volksversammlung von 1830 gedacht, ohne dass in Uster selbst ein Anlass stattgefunden hätte.    

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