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Das eigene Sprudelwasser aus dem Ufo

Auf der Chrüzegg wird nicht nur der Käse, sondern auch Sprudelwasser und Limonade selbst hergestellt. Für den Wirt des Bergasthauses ob dem Atzmännig ist das allerdings mehr Hobby als Geschäft.

Was wie ein Ufo aussieht, ist eine über 70jährige Abfüllanlage., Robert Manser präsentiert «seine» Chrüzegg-Limonade und das eigene Mineralwasser., Chrüzegg-Wirt Robert Manser füllt Flasche um Flasche ab., Knapp vor dem Alteisen bewahrt: 2009 wurde die alte Abfüllanlage restauriert., Das Wasser aus der Quelle muss von Hand ins Limonadenhüttli gepumpt werden., Sonnenstrahlen auf das Limonadenhüttli, das etwas unterhalb des Berggasthauses Chrüzegg liegt.

Christian Brändli

Das eigene Sprudelwasser aus dem Ufo

Das ist noch echte Handarbeit. Wenn Robert Manser sein eigenes Sprudelwasser oben auf der Chrüzegg produziert, muss er zunächst einmal das Pumprad von Hand in Schwung bringen. Es zischt und pufft, denn gleichzeitig strömt die Kohlensäure aus der Gasflasche ins Wasser.

Ist genug Wasser im Tank, macht Manser, der seit 1995 das Berggasthaus Chrüzegg führt, im kleinen Limonadenhüttli ein paar Schritte hinüber zum zylinderförmigen Gerät. Das Ding erinnert an ein Ufo, ein kleines zwar, dafür mit zusätzlichen Röhren. Die Apparatur stammt allerdings nicht aus dem All, sondern aus dem Tessin, und es birgt auch keine Ausserirdischen, sondern Flaschen. Sechs passen aufs Mal rein. Stück für Stück werden sie von Manser unter die Haube gestellt und gefüllt.

«So schaffen wir rund 200 Flaschen pro Stunde», meint Manser. Pro Saison füllt  er etwa 1500 Flaschen Sprudelwasser und 800 Flaschen Citrona ab. Hinzu kommen noch 20-Liter-Bidons für den vor kurzem eingeführten Offenausschank. «Das ist bedeutend einfacher. Früher mussten wir jeweils nach Uster, um die Flaschen zu holen und dann auf den Berg transportieren», hält Manser fest. «Das war nicht nur aufwändiger, sondern auch teurer.»

Hilfe von Ex-Bänker

Beim Abfüllen geht ihm jeweils ein pensionierter Bänker zur Hand, der ebenfalls Gefallen an dieser historischen Apparatur gefunden hat. Die alte Abfüllanlage kaufte Mansers Grossvater um 1950 von der Firma Schweizer Getränke AG in Obermeilen – und bereits damals war es eine Occasion. Sie ersetzte eine noch kleinere Zwei-Flaschen-Anlage, die schon 1934 im Häuschen stand. In jenem Jahr übernahmen die Mansers die Chrüzegg. 

Seit drei Generationen wirtschaftet die Familie auf der Chrüzegg. Und so, wie es aussieht, stehen die Chancen gut, dass auch eine vierte Generation dort oben das Sagen haben wird. Sie hat nämlich bereits tatkräftig mitgewirkt, dass die eigene Limonadenproduktion überhaupt wieder aufgenommen worden ist.

Statt auf dem Alteisen ein zweites Leben

34 Jahre lang gab es keine Chrüzegg-Limonade.  «Die Anlage war schon fast auf dem Alteisen. Per Zufall fanden wir jemanden, der sie restaurieren kann», erinnert sich Robert Manser. Und da sein Sohn Beat kurz vor dem Lehrabschluss als Zimmermann stand, bot sich als Abschlussarbeit der Bau des neuen Limonadenhüttlis an. Ein anderer Sohn schnupperte als Plättlileger. Et voilà, für den Boden war auch gesorgt. So wird seit September 2009 wieder Chrüzegg-Limonade produziert.

Ein Geschäft sei das nicht, mehr ein Hobby, betont Manser. Immerhin ist das eigene Sprudelwasser etwas Werbung für die Chrüzegg selbst, auch wenn das nicht an die grosse Glocke gehängt wird. Deklariert wird das Nass vom Berg als Quellwasser. «Mit besonderen Mineralien können wir nicht auftrumpfen», schränkt Manser ein. Das Besondere sei ja vielmehr, dass alles in Handarbeit gemacht werde.

Diesen Frühling ist die Quelle neu gefasst worden, da sich zunehmend Lehm im Wasser löste und Segmente die Filter verstopften. «Nun haben wir sehr gute Werte», hält Manser fest. Überhaupt ist er mit der Leistung sehr zufrieden. Zwischen 26 und 30 Liter Wasser gibt sie pro Minute her. Das reicht für den Gasthof, das Vieh und die Alpkäserei. Allerdings kann es auch mal knapp werden. Im Trockensommer vor zwei Jahren blieben die Brunnen leer. «Dem Hirt musste ich sagen, wo es noch Wasser hat.»

Die Quelle befindet sich etwas unterhalb des Limonadenhüttlis. Das Wasser muss hochgepumpt werden und landet dort in einem gekühlten Tank. Vorsichtshalber wird es dort gefiltert. Das zum Restaurant hochgepumpte Wasser wird zusätzlich noch mit Ultraviolett bestrahlt. 

Einst nur Süssgetränke

Im Limonadenhüttli stehen schön aufgereiht drei Fläschchen auf einem Balken. Erinnerungen an frühere Zeiten: «Diese Citro-Flasche mit Drehverschluss hat Jahrgang 1934 und wurde von meinem Grossvater verwendet», erzählt Manser. Jener produzierte zusätzlich die Geschmacksrichtungen Grapefruit und Orangina. «Damals brauchte man noch kein Mineralwasser. Süssgetränke waren gefragt.» Nostalgisch mutet heute nur noch der Produktionsprozess an, der Geschmack der Kunden hat sich verändert – und damit auch der Flascheninhalt.   

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