Nur für die Katzen gilt das Gruppenverbot nicht
Zügeln kann ungesund sein. In einem regulären Fall dann, wenn das Mobiliar Tresore und Konzertflügel beinhaltet. Doch jetzt wird die Gesundheit der Umzugshelfer zusätzlich von der latenten Gefahr des Coronavirus bedroht.
Am Samstagmorgen in der Trogacherstrasse in Hittnau ist dieser Umstand zu spüren. Vor dem Wohnhaus stehen im Halbkreis acht Personen versammelt. «Das soll so nicht sein», sagt Duran Karagöz, Besitzer des Umzugsunternehmens City Transport GmbH mit Sitz in Wetzikon. Karagöz pocht auf Abstand, und seine fünf Mitarbeiter sowie das junge Pärchen zerstreuen sich.
Sorry wegen geringem Abstand
Die Mitarbeiter nehmen die Empfehlungen des Bundes offenbar sehr ernst. Da wird auch mal ein Umweg in Kauf genommen, um Passanten oder den Auftraggebern auszuweichen. Ein «Sorry» ist von den Mitarbeitern zu hören, wenn sie unabsichtlich eine Person in nahem Abstand kreuzen. Ihre Handschuhe und Hände reinigen sie mit Desinfektionsmittel. Ein Umzugsarbeiter trägt gar eine Maske.
«In einer halben Stunde geht ihm die Puste aus und er nimmt die Maske wieder ab.»
Duran Karagöz, Besitzer City Transport GmbH Wetzikon
«Ich habe ihn nicht dazu gezwungen», sagt Duran Karagöz. Er habe den Mitarbeitern gesagt, dass sie freiwillig eine Maske tragen dürften. Dass das ganze Team eine Maske trage, sei aber nicht das Ziel und wirke vielleicht abschreckend auf die Kundschaft. «Die denken dann, dass wir alle krank sind», sagt Karagöz. «In einer halben Stunde geht ihm die Puste aus und er nimmt sie wieder ab.» Er sollte rechtbehalten.
«Distanz halten!» – lautet das Gebot in Ustermer Sammelstelle
Zum Umzug in eine neue Wohnung, gehört auch das Zerbrechen unnützen Mobiliars. Guten Gewissens machen das die Ustermer in der Altstoff-Hauptsammelstelle Dammstrasse. Gegen Samstagmittag ist die Anlage zwar gut besucht, wird aber nicht überrannt. Doch für die Mitarbeiter in Leuchtwesten gibt es einiges zu tun, damit die Leute das Social Distancing einhalten. Ein Hotspot, wo das Gebot immer wieder gebrochen wird, ist das Podest mit Treppenzugang zwischen Altpapiercontainer und Altmetall. Dort wirft ein Herr sein Zeitungspapier in die eine Mulde, währendessen quetscht sich eine junge Frau dazu, um ihre Stehlampe in die andere Mulde zu schmeissen. «He! Distanz halten!», ruft ein Mitarbeiter. Ein älterer Herr mit Schutzmaske schlurft zum Altglas. Kaum ist er verschwunden kurvt ein Junger Mann in weissem SUV heran. Er zieht seine Maske noch im Auto an und entsorgt Karton. Ein Vater und sein Sohn, die staunend in eine Mulde gucken, werden von einem Mitarbeiter zum Wegtreten aufgefordert. Als ein Mann ihm eine Frage stellen will, sagt dieser: «Halten Sie Abstand!», bevor er die Frage beantwortet.
Schweigen ist Gold
Der Unternehmer sagt, dass er in diesen Tagen besonders auf einen diskreten Umgang mit den Kunden achte. «Die Mitarbeiter reden so wenig wie möglich mit den Kunden.» Nur der Teamleiter kommuniziere mit ihnen. In letzter Zeit komme es gar hin und wieder vor, dass die Leute gar keine Hausbesuche mehr wünschen, die für eine Einschätzung des Zügelaufwands gemacht wird. Den Aufwand schätze er dann mit Fotos oder einer Liste ein, welche ihm seine Kunden zukommen lassen.
«Ein Umzugsverbot wäre der Horror gewesen.»
Mirjam Bosshard
Zu Zeiten der Coronakrise erlebe er Menschen, die es lockerer mit den Schutzmassnahmen nähmen und andere, die über die Empfehlungen hinausgehen. «Es gibt Kunden, die die Hand vor den Mund halten und sich überhaupt nicht mit uns unterhalten wollen», sagt Karagöz. «Zig Anrufe» bekomme er derzeit von Kunden, die unsicher sind, ob sie den Umzugstermin noch wahrnehmen könnten. Viele hätten auch wegen der Unsicherheit den Termin vorverlegen lassen.
Von Hittnau nach Wangen
Auch Mirjam Bosshard und Patrick Schneider, die heute ihr Mobiliar zügeln lassen, haben sich bei Karagöz informiert. Beide sind 31-jährig und wechseln nun den Wohnort von Hittnau nach Wangen bei Dübendorf. Mirjam Bosshard ist erleichtert, dass der Bund kein Umzugsverbot erlassen hat. «Das wäre der Horror gewesen», sagt sie. Denn sie hätten sie schon auf das Einfamilienhaus eingestellt, dass sie von Patrick Schneiders Eltern übernehmen könnten.
Auch das Pärchen bleibt in Zeiten des Virus nicht von den besonderen Massnahmen verschont. Von der Verwaltung seien sie schon informiert worden, dass bei der Schlüsselübergabe der 4,5 Zimmerwohnung im ersten Stock, die Räume nur einzeln betreten werden dürfen.
Katzen in Quarantäne
In einer grossen Gruppe sind dagegen die Katzen von Mirjam Bosshard in einem Zimmer versammelt. Zu neunt stecken die Tiere hinter geschlossener Türe, sozusagen in Quarantäne. Bosshard züchtet in ihrer Freizeit Katzen.
Was die Auftragslage der City Transport GmbH angehe, sei es bisher ein sehr ruhiger März, sagt Duran Karagöz. Auch weil einige seiner Kunden den Umzugstermin wegen einer drohenden Ausgangssperre vorverlegen liessen. Ebenfalls fehle es an Anfragen für den nächsten Kündigungstermin der Mietwohnungen, der Ende Juni ist. «Die Mieter bleiben wohl sicherheitshalber ihrer Wohnung treu», sagt Karagöz. Kurzarbeit sei jedoch kein Thema.
Eine Freude zum Schluss
Seine Mitarbeiter tragen derweil die letzten grossen Möbel aus dem ersten Stock und verteilen sie in die zwei Lieferwagen. Sperrige Möbel wie Sofa, Schränke und auch der riesige Katzenbaum sorgen für den empfohlenen Sicherheitsabstand von zwei Metern zwischen den Trägern. Dagegen kann dieser beim kleinen jedoch schweren Werkzeugschrank unmöglich eingehalten werden.
«Social Distancing kann auch bei der Fahrt im Lieferwagen nicht eingehalten werden», sagt Karagöz. Der immerhin einen Vorteil aus der Krise ziehen kann: «Der Strassenverkehr ist derzeit perfekt.»
