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Prenzlauer stellen Ustermer beim Feiern in den Schatten

Die Städtepartnerschaft zwischen Uster und Prenzlau trägt das Gesicht von Eberhard Eitel. Der Ustermer wurde kürzlich von den Deutschen für sein Engagement ausgezeichnet. Eitel kann viel über die Unterschiede der beiden Städte erzählen.

Eberhard Eitel in seiner Wohnung in Uster. Rechts von ihm..., ...steht das Minidoppelrad aus Edelstahl, das er von den Prenzlauer als Erinnerung an die Radtour erhielt., Eberhard Eitel wurde kürzlich in Prenzlau für sein Engagement für die Städtepartnerschaft ausgezeichnet., Eitel ist der erste Schweizer, der diese Auszeichnung erhielt., Nun steht die Ehrenmedaille in seiner Wohnung in Uster., Die Stadt Prenzlau verleiht den Preis jedes Jahr an zwei Personen., Doch dies ist nicht das einzige Geschenk, das Eitel in den letzten Jahren bekommen hat..., ... auf dem Regal sind weitere Prenzlauer Präsente ausgestellt.

David Marti

Prenzlauer stellen Ustermer beim Feiern in den Schatten

«Die Ustermer sind wieder da», das hören Eberhard Eitel und seine Frau auch von wildfremden Leuten aus Prenzlau. Der 73-Jährige ist das personifizierte Aushängeschild der Städtepartnerschaft zwischen Uster und Prenzlau. Ursprünglich ist er Stuttgarter, aber für die Deutschen ist er Schweizer, zumal er schon 50 Jahre in Uster wohnt. 

Am Prenzlauer Neujahrsempfang wurden Eitels «liebevolle verrückten Ideen» in einer Laudatio gewürdigt, wie aus dem «Uckermark Kurier» zu lesen ist. In diese Ideen habe er auch schon viel privates Geld gesteckt.

Über den schnöden Mammon will Eberhard Eitel bei einem Treffen in seiner Ustermer Wohnung allerdings nicht reden. Viel lieber spricht der Rentner über Emotionen. Die Städtepartnerschaft mit Prenzlau sei eine «Herzensangelegenheit».

Bier bis unters Dach

Mit leeren Händen geht Eitel kaum einmal bei seinen jährlich zwei bis drei Besuchen in die Ustermer Partnerstadt, wie er selber sagt. Einmal ist ein Sack Schweizer Schokolade mit im Gepäck, ein anderes Mal übriggebliebene T-Shirts vom Greifenseelauf. Oder Eitel fährt gleich mit dem Privatauto «bis unters Dach gefüllt» mit «Usterbräu» über die Grenze.

«Die Prenzlauer wissen, wie man feiert.»

Eberhard Eitel

Das Bier hat Eitel bis ans Festival «Gourmetmeile» gefahren und dort an einem Stand mit dem Ustermer Stadtemblem angeboten. «Erst wollten wir das Bier verschenken, doch der Bürgermeister bestand darauf, dass wir die Flaschen verkaufen – wegen der Wertschätzung», erinnert sich Eitel. Innert zwei Stunden sei der Stand leergekauft gewesen. «Viele wollten das Bier nicht zum Trinken, sondern als Souvenir mit nach Hause nehmen.»

Blaueierschwimmen in Prenzlau

In der Brandenburger Stadt werden die Ustermer Exportgüter offenbar geschätzt. Dazu gehört auch das traditionelle Blaueierschwimmen – eine dieser verrückten Ideen, die Eitel nach Prenzlau gebracht hat.

«Prenzlauer zeigen sich besonders von den vielen Brunnen begeistert.»

Eberhard Eitel

Sowohl die Prenzlauer als auch Eitel sind sich einig: Das Fest wird dort immer beliebter. «Es sind mehr Leute, die zuschauen als in Uster. Es ist ein Volksfest geworden.» Das erstaunt, hat doch Prenzlau mit 19‘000 weit weniger Einwohner als Uster mit etwa 35‘000. Eitel glaubt, dass die Prenzlauer einfach begeisterungsfähiger sind. «Sie wissen, wie man feiert. Dort ist immer volles Haus.»

Der Temperaturvergleich

Da das Blaueierschwimmen in Deutschland immer eine Woche später stattfindet, müsse er jeweils dem Bürgermeister die Wassertemperaturen vom Greifensee mitteilen. «Der See in Prenzlau ist in der Regel zwei Grad kälter. Es schwammen dort auch schon Eisschollen.»

Verrückt war für die Prenzlauer auch die Idee, dass Eitel mit einigen Gleichgesinnten eine 1200-Kilometer-Velotour in ihre Stadt unternahm. Am Stadtfest Uster im Jahre 2015 gab er dem Bürgermeister Hendrik Sommer das Versprechen dazu per Handschlag. «Er hat mir lange nicht geglaubt, dass wir das machen würden.»

Ein Velo zur Erinnerung an eine verrückte Idee

19.11.2017

Ustermer Partnerstadt Prenzlau Die Skulptur-Enthüllung vom Samstag war auch ein Grund für den Prenzlauer Bürgermeister, wieder m Beitrag in Merkliste speichern

«Einer Prenzlauer Architektin gefielen die neuen Hochhäuser in Uster nicht.»

Eberhard Eitel

Bei seinen Reisen nach Deutschland kennt Eitel mittlerweile einige Unterschiede zwischen den beiden Städten. So sei Prenzlau sauberer als Uster. Bei einem Spaziergang mit dem Bürgermeister habe dieser gar Abfall von der Strasse aufgelesen und entsorgt. «Eine saubere Stadt ist ihm sehr wichtig. Aber natürlich ist das nicht die Aufgabe eines Bürgermeisters oder einer Stadtpräsidentin», sagt Eitel. Er spüre aber, dass der Bürgermeister nahe beim Volk stehen will.

«Beim Neujahrsapéro hat er jedem die Hand geschüttelt – das waren mehr als 800 Leute.» In Uster sei die Feier seit neuem etwas nüchterner gehalten. Im Gegensatz zum deutschen Pendant fand die Feier draussen und ohne Apérohäppchen, nur mit Wasser, Wein und Sekt, statt. «Als ich den Prenzlauer vom Neujahrsapéro in Uster berichtet habe, schmunzelten sie über die Ustermer Bescheidenheit.»

Du in Uster – Sie in Prenzlau

Dafür seien die Ustermer weniger formell: «Hier herrscht in der Ustermer Stadtverwaltung mehrheitlich eine Du-Kultur. In Prenzlau sind auch Amtskollegen per Sie.» Ausser wenn Eitel vorbeikommt. Denn er hat auch das Du nach Prenzlau exportiert.

Ebenfalls ein abweichender Weg sei in der Städteplanung zu beobachten, so Eitel. Während die Deutschen die Stockwerke der Häuser auch im Stadtkern reduzieren und vermehrt alte Plattenbauten durch Einfamilienhäuser ersetzen, verdichtet Uster im Zentrum. Dies habe auch schon eine Prenzlauer Architektin, die hier zu Gast war, bemerkt. «Ihr gefielen die neuen Hochhäuser in Uster aber nicht.»  

Bewunderung fürs Illuster

Eitel hält als Ustermer aber dagegen und zeigt den Gästen die schönen Seiten der Stadt. «Prenzlauer zeigen sich besonders von den vielen Brunnen begeistert.» Auch der Stadtpark, der Weg bis zum See, die Burg oder das Illuster würden bewundert. «Für die Prenzlauer ist es aussergewöhnlich, mitten in der Stadt ein Einkaufszentrum zu haben.»

«Ich fühle mich in Prenzlau sehr wohl – und in Uster zuhause.»

Eberhard Eitel

Die ganze Arbeit für die Städtepartnerschaft macht Eitel ehrenamtlich. Von der Stadt Uster gibt es Spesengeld und Dankschreiben «en masse». In seiner 15-jährigen Tätigkeit für die Partnerschaft hat er Schreiben von Martin Bornhauser (SP), Werner Egli (SVP) und erst kürzlich von Barbara Thalmann (SP) bekommen. Und von den Prenzlauern stehen nebst der Ehrenmedaille auch ein Sammelsurium an Geschenken und Dankesschreiben in der Wohnung in Uster.

Das Spektakulärste ist wohl das meterhohe Andenken an die Radtour nach Prenzlau, in Form eines Minidoppelrades aus Edelstahl. Das am schnellsten konsumierte, war der Rotkäppchen-Sekt, den es zur Ehrenmedaille in Prenzlau dazu gab. Übrigens  «ein typisches ehemaliges DDR-Produkt», sagt Eitel, «günstig, aber gut.» Der Rentner zeigt sich unermüdlich und will sein Amt noch so lange es die Gesundheit erlaubt, ausführen, denn: «Ich fühle mich in Prenzlau sehr wohl – und in Uster zuhause.»

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