«Ich erwarte Opfergaben von den Mönchaltorfern»
Renato Kaiser, i m Veranstaltungskalender der Gemeinde Mönchaltorf ist Ihr Programm knapp vor der Kehrichtabfuhr am nächsten Tag aufgelistet – eine Ehre?
Renato Kaiser: Und wie! Ich habe in meinem Leben schon schlimmere Abfuhren erhalten.
Zum Beispiel?
Sagen wir es mal so: Ich wurde auch vor die Türe gestellt. Aber niemand hat mich abgeholt.
«Da die Trophäe des Salzburger Stiers sehr hässlich ist, kriegt sie wohl einen Ehrenplatz im Keller.»
Renato Kaiser, Satiriker
Kürzlich hat mir eine Gemeindevertreterin gesagt, dass Ihr Programm an allen Auftrittsorten dasselbe sei. Aber für Mönchaltorf haben Sie sich bestimmt etwas Besonderes überlegt, oder?
Jaja, die Gemeindevertreterin kenne ich. Beängstigend, wie sie mir an jeden Auftrittsort hinterherreist, die alte Stalkerin. Daher habe ich mir für Mönchaltorf durchaus etwas Besonderes überlegt. Eine Intervention. So ein Verhalten wir ihres ist strafbar.
Sie sind der Präsident des Vereins spoken-word.ch, auf dessen Webseite auch Veranstaltungen aufgeführt sind. Wieso ist diejenige in Mönchaltorf nicht dabei?
Wir wollten es geheim halten, jedoch vergeblich. Die Gemeindevertreterin hat’s rausgekriegt.
Treten Sie lieber vor einem grossen oder einem kleinen Publikum auf?
Vor einem kleinen. Da seh ich schneller, ob die verrückte Gemeindevertreterin im Publikum sitzt.
Sie sind Preisträger des Salzburger Stiers 2020. Wo haben Sie die Trophäe aufgestellt?
Die kriege ich erst am 16. Mai. Da sie aber sehr hässlich ist und meine Freundin einen guten Sinn für Ästhetik hat, kriegt sie wohl einen Ehrenplatz im Keller. Also die Trophäe. Nicht die Freundin.
Wem erzählen Sie neue Witze ein erstes Mal?
Meiner Freundin. Aber bitte erzählen sie das der Gemeindevertreterin nicht.
Ihr Auftritt in Mönchaltorf ist Mitte Januar. Ist es für einen Künstler und Satiriker sehr anstrengend, so früh im Jahr aufzutreten?
Total. Aber ich hab’s immer noch besser als die im Publikum. Nach der ganzen Mühsal müssen die am nächsten Tag auch noch den Müll rausbringen.
Die Mönchaltorfer zeigen sich nach der Annahme der «Bienen-Initiative» als Insektenfreunde. Eine Chance für Sie, daraus Kapital zu schlagen?
Selbstverständlich. Wer die Bienenkönigin ehrt, ist den Kaiser wert. Ich erwarte Opfergaben.
Wieso sollten die Dorfbewohner Sie mögen?
Wegen meiner bescheidenen Art.
Wer mag Sie am meisten?
Die Gemeindevertreterin.
Wen mögen Sie am meisten?
Nicht die Gemeindevertreterin.
Was essen Sie an einem Sonntag vor dem Auftritt?
Eine Tonne Honig, so wie’s aussieht.
Und dazu?
Ein hauchdünnes Pfefferminzblättchen.
Finden Sie sich in Dörfern überhaupt noch zurecht oder bewegen Sie sich nur noch in Weltstädten?
Eigentlich nicht, aber meistens werde ich mit der einen Kutsche des Dorfes abgeholt. So steht es zumindest in meinem Vertrag.
Mönchaltorf ist bekannt dafür, dass sämtliche Ereignisse im Ortsarchiv minutiös dokumentiert werden. Was wird in der «Akte Kaiser» stehen?
«Als jemand zu Renato Kaiser sagte ‹Das Dorf ist bekannt dafür…›, musste dieser laut lachen, worauf seine Akte geschlossen wurde. Saucheib.»
Nach all den bitterernsten Fragen noch etwas Lustiges zum Schluss?
Barriere runter, ich genervt. Zug kommt, macht: «tschuldigungtschuldigungtschuldigung». Okay. Wenigstens höflich.
(Das Interview mit Renato Kaiser wurde schriftlich geführt.)
Zur Person
Renato Kaiser stammt aus Goldach (SG), ist Komiker, Satiriker und Autor. Der 34-Jährige ist Preisträger des Salzburger Stiers 2020. Seit Herbst 2016 spielt er sein Programm «Renato Kaiser in der Kommentarspalte – Satire mit Hirn und Herz», mit dem er auch in Mönchaltorf auftritt. Die Veranstaltung findet am Sonntag, 12. Januar, um 11 Uhr im Mönchhofsaal statt. Weitere Informationen und Tickets gibt es unter www.moenchaltorf.ch.
