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Ehre für den Fest-Organisator

Werner Messikommer ist der Seegräbner des Jahres 2019. Am Neujahrsapéro wurde der Architekt, Hobbyhistoriker und Organisator der 800-Jahr-Feier geehrt.

Gemeindepräsident Marco Pezzatti (FDP) gratuliert Werner Messikommer (links) zur Auszeichnung als Seegräbner des Jahres., Werner Messikommer (links) engagiert sich seit Jahren für Seegräben und organisierte auch die 800-Jahr-Feier., Rund 150 Einwohner besuchten den Neujahrsapéro., Die Seegräbner hören der Rede des Gemeindepräsidenten zu., Gemeindepräsident Marco Pezzatti (FDP) sprach über Ignoranz., Angesichts des Besucheraufmarsches war die Turnhalle die richtige Lokalität für den Neujahrsapéro.

Christian Brändli

Ehre für den Fest-Organisator

2019 konnte die kleine Gemeinde Seegräben eine ganze Reihe von über 30 kleineren und grösseren Anlässen begehen, wie am Sonntag bei der Rückschau anlässlich des Neujahrsapéros nochmals aufgezeigt wurde. Die Liste reicht etwa von der Loktaufe, dem Turnerschränzli, einem Platzkonzert, der Bundesfeier über die Kürbisausstellung bis hin zur Einweihung des Henri-Messikommer-Weges. Im Zentrum stand aber klar die 800-Jahr-Feier, die ihren Höhepunkt mit einem zweitägigen Fest fand.

Zupackender Cheforganisator

Kopf und treibende Kraft hinter dem Anlass war Werner Messikommer. Am Sonntag nun erhielt der Cheforganisator eine Ehrung für seinen gewaltigen Einsatz. Aus einer Reihe von Vorschlägen, die beim Gemeinderat eingegangen waren, wurde der Architekt, der seit seiner Geburt 1951 im Dorf daheim ist, zum Seegräbner des Jahres 2019 gekürt. 

Messikommer hatte nicht nur die Turnhalle, in der der Neujahrsapéro stattfand, gebaut. Als begeisterter Turner setzt er sich seit Jahren für den Ortsverein ein, wirkte lange Jahre als Schulpräsident und verfasste diverse ortsgeschichtliche Beiträge. Immer wieder organisierte er aber auch das bekannte Waldfest.

Als «hartnäckiger Ideenverfechter», wie ihn Gemeindepräsident Marco Pezzatti (FDP) in seiner Laudatio charakterisierte, gelang es ihm aber auch gegen verschiedenste Widerstände, die 800 Jahre Seegräben mit einem grossen Fest zu begehen. Die Zusammenarbeit mit ihm sei «unbeschreiblich», meinte Pezzatti mit einem Schmunzeln, «speziell und originell» sein Vorgehen. Dies führe aber auch zu einzigartigen Resultaten. Mit sichtlicher Freude nahm Messikommer die Ehrung vor den rund 150 Seegräbnerinnen und Seegräbner entgegen. 

Gegen die Ignoranz

Vor der Kür blickte Pezzatti in Form einer Tonbildschau nochmals auf die wichtigsten Dorf-Ereignisse des letzten Jahres zurück. Von sieben Seegräbner musste Abschied genommen werden. Dafür konnte die Geburt von 14 Kindern verzeichnet werden. Auf einen Ausblick verzichtete der Gemeindepräsident, da die Exekutive die Handlungsachsen für die nächsten Jahre bereits ausführlich aufgezeigt habe. Stattdessen stellte er einige Überlegungen zur «Ignoranz» an. 

Die Informationsflut bringe es mit sich, dass auch zum eigenen Schutz ein Thema ausgeblendet werde, bagatellisiert oder gar ignoriert. Bei wichtigen Themen könne dies aber zu massiven Folgen für unser Zusammenleben führen. Anhand von drei Frauen, die im vergangegen Jahr für Schlagzeilen sorgten, ging er seinem Thema nach.

Dafür wählte er zunächst die Kapitänin Carola Rackete, die im Mittelmeer Flüchtlinge aus Seenot rettete und dafür in Kritik geriet. Gerade die Flüchtlingsthematik zeigte auf, dass wir gefordert oder eben auch überfordert seien und deshalb refelxartig in Versuchung gerieten, alles auszublenden. «Wenn die Ignoranz gegenüber der Menschlichkeit – und ich meine besonnenes und nicht naives Handel – siegt, dann würde das Zusammenleben in unserer Gesellschaft schwierig», meinte er.

Greta fehlte nicht

Die junge Klimaaktivistin Greta Thunberg war die zweite Frau, die Pezzatti ansprach. Zwar sei es angesichts der vielseitigen Herausforderungen zu kurz gegriffen, den Fokus alleine auf die Umweltpolitik zu legen. Gleichwohl gelte es mit marktwirtschaftlichen Anreizen sich für nachhaltigen Klimaschutz stark zu machen. «Und auf keinen Fall sollten wir die Jugend dafür kritiseren, dass sie sich ernsthaft um ihre Zukunft sorgt und nach neuen Visionen sucht.» Wir würden halt einfach ungern auf etwas aufmerksam gemacht, wo jeder einzelne handeln müsste. 

Das letzte Beispiel war dann die Trinkwasser-Initiative, für die sich an vorderster Front Franziska Herren einsetzt. Die Initiative fokussiere sich zu stark auf einen Teilbereich  eines Problems, meinte Pezzatti, der beruflich Chef des kantonalen Amtes für Landschaft und Natur ist. Zwar seien die Rückstände aus Pflanzenschutzmitteln, die die Initiative ins Visier nehme, ein Problem für das Trinkwasser, aber nur eines von vielen. Hier werde einfach nach Schuldigen – den Bauern – gesucht, statt dass alle Verantwortung übernähmen.

Pezzatti wünschte fürs 2020 die Einsicht, dass Ignorieren für das Lösen grosser Herausforderungen unserer Gesellschaft keine gute Taktik sei. «Und versuchen wir durch unser individuelles Handeln einen ganz kleinen Beitrag zur Problembewältigung beizusteuern.»

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