Ganz legal einen Baum fällen
«160 bis 170 Zentimeter hoch und nicht zu dicht darf er sein, damit noch Kerzen Platz finden.» Für Roman Umbricht aus Seegräben, der mit seiner Familie Mitte Dezember ins Hüenerholz fuhr, sind die Kriterien für den richtigen Christbaum klar: «Er sollte nicht krumm sein oder zwei Spitzen haben, nicht zu dünn oder etwa hager.» Ausgerüstet mit einer Säge, die sie an der Feuerstelle behändigt haben, machten sie sich auf die Suche nach dem perfekten Baum.
Er wurde schliesslich fündig. Die Auswahl an Bäumen ist auch riesig. Auf rund eineinhalb Hektaren stehen Hunderte Rot- und Nordmanntannen. Hier klein, dort gross. Mal mit weniger, dann aber auch mit ganz viel Nadeln. Und eben auch stämmige gerade und bucklige krumme. Für Karin Niedermann aus Uster ist die Höhe des Baums, der bald in der heimischen Stube stehen soll, besonders wichtig. Bis unter die Decke soll er reichen. «Gleichmässig muss er sein – und nicht zu dicht.» Seit rund 20 Jahren kommen sie und René Schneider jeweils im Dezember zur Waldlichtung westlich von Ottenhausen.
400 Bäume werden verkauft
Vor rund 50 Jahren ist es gewesen, als der damalige Förster den Christbaumverkauf mitten im Wald lanciert hat, weiss Stefan Burch. Der Revierförster von Wetzikon und Hinwil ist auch zuständig für den Staatswald auf Ustermer und Seegräbner Boden. Und genau an der Grenzen zwischen diesen beiden Nachbargemeinden liegt die Christbaumkultur. Sie bot sich dort an, da über das Gelände eine Starkstromleitung führt. Und unter dieser dürfen die Bäume halt nicht zu hoch werden.
Burch hat die Aufgabe erst vor wenigen Jahren von seinem Vorgänger Hansjakob Tobler übernommen: «Eigentlich ist das hier die Paradedisziplin. Wir können die Bäume pflanzen, sie pflegen und dann gleich vor Ort auch noch verkaufen.» 400 Stück sind es jedes Jahr, je zur Hälfte etwa Fichten, also Rottannen, und Nordmanntannen.
Der Preis bemisst sich nach der Höhe. 15 Franken sind es pro Meter bei den Fichten, 40 für die besser haltbaren Nordmanntannen, deren ursprüngliche Heimat der Kaukasus ist.
Die Suche und das Essen
Während am ersten der zwei Verkaufstage noch nicht allzu viel los gewesen war, war an diesem Samstag der Wald gut bevölkert. Zu dritt waren die Forstleute auf Platz – «wir sind dort, wenn es hell wird, und gehen erst wieder, wenn es eindunkelt» – und halfen nicht nur beim Einpacken der Bäume, sondern sorgten auch für den Feuerplatz samt Stecken.
Für viele Familien und Paare ist nämlich nicht nur das eigenhändige Fällen des passenden Baumes ein Grund, um ins Hüenerholz zu fahren. Mindestens ebenso wichtig ist das gemeinsame Bräteln. An einem grossen Feuer und an Finnenkerzen, sechs sind es pro Tag, können die Besucher ihre mitgebrachten Würste grillieren und anstossen auf die Festtage. Dies gilt auch für die Familie Susan und Burki Zürcher aus Uster. Zu viert ging es zuerst zu den Nordmanntannen. Der passende Baum war dort rasch gefunden. Die beiden Söhne Fabian und Lucas legten kurz Hand an – und schon konnten sie das Prachtstück Richtung Feuerplatz tragen.
Überraschung bei Schnee und Regen
An diesem Samstag blieb es ziemlich trocken, so dass es für Burch und seine Männer keinen Extraeinsatz gab. Vor drei Jahren, an seinem ersten Christbaumverkauf, schneite es tüchtig. Das sorgte auf den Waldstrassen für Matsch. «Wir mussten mehrere steckengebliebene Autos anstossen», erinnert sich Burch. Dieses Jahr half auch eine neue Zufahrt, Verkehrsprobleme zu vermeiden.
Aussuchen, sägen, abtransportieren
Der Christbaumverkauf ab Stamm findet diesen Samstag, 21. Dezember, von 8 bis etwa 17 Uhr im Hüenerholz zwischen Oberuster und Ottenhausen statt. Die Zufahrten ab der Verbindungsstrasse sowie von der Seegräbner Seite her sind markiert.
