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Alter Brief kommt unter den Hammer

Am 23. Mai 1843 wurde der Brief in Wetzikon aufgegeben. Nun soll er erneut auf Reisen gehen. Allerdings muss der Empfänger dafür mindestens 2000 Franken auf den Tisch legen.

Von Wetzikon nach Dürnten ging dieser Brief am 23. Mai 1843.

PD

Alter Brief kommt unter den Hammer

Der Absender des Briefes, der am 23. Mai 1843 in «Wezikon» aufgegeben wurde und an den Dürnter Gemeindeammann Zangger ging, setzte auf eine absolute Novität: die Briefmarke. In England wurde 1840 die erste Briefmarke ausgegeben. Der Kanton Zürich war 1843 weltweit die zweite Region, in der Marken zum Einsatz kamen. 

2000 Franken statt 6 Rappen

Am 1. März 1843 gaben die Zürcher – damals gab es noch kein eidgenössisches Postwesen – zwei Marken zu 4 und 6 Rappen aus. Und knapp drei Monate später ging also der Brief an Gemeindeammann Zangger von Wetzikon nach Dürnten ab. Frankiert wurde er mit einer 6-Rappen-Marke, dem Wert für einen Transport innerhalb des Kantons. Die Stadtzürcher kamen damals mit 4 Rappen noch günstiger weg, wenn sie einander schrieben. 

Nun soll der bald 180 Jahre alte Brief an einen neuen Empfänger gehen. 6 Rappen reichen dafür allerdings nicht mehr. Mindestens 2000 Franken müssen dafür nach den Vorgaben des Zürcher Auktionshauses Corinphila auf den Tisch gelegt werden. Am 7. Dezember kommt der «attraktive Brief von Kantonsgemeinde zu Kantonsgemeinde» unter den Hammer, zusammen mit einer ganzen Reihe weiterer seltener Briefmarken. 

Es ist wahrscheinlich, dass der Brief mit der seltenen Marke – es sind 1553 erhaltene Briefe mit den Zürcher Kantonalmarken bekannt – allerdings noch teurer wird. Nach Katalog hätte er nämlich einen Wert von 7200 Franken. Das Besondere am Brief, der nun versteigert wird, ist, dass er zwischen zwei Kantonsgemeinden lief.  Der Grossteil der Kantonsbriefe ging von Zürich in eine Kantonsgemeinde oder in umgekehrter Richtung. Von Wetzikon kennt man nach Angaben von Corinphila überhaupt nur zwölf Briefe mit einer Frankatur der Zürich 6.

Verkauft wurden in den Jahren 1843 bis 1849 insgesamt 180’080 Stück der Zürich 6 und 35’800 Stück der Zürich 4. Wie viele einzelne Marken, gestempelt oder ungebraucht, noch existieren, lässt sich nicht sagen. 

Ganze Sammlung wird versteigert

Zuletzt gehörte der Brief zur Sammlung des deutschen Unternehmers Erivan Haub, ein begeisterter Philatelist. Über Jahrzehnte baute er eine international bedeutenende Briefmarkensammlung auf. Doch 2018 starb der Sammler. Sein Wille war es, dass seine Stücke wieder auf den Markt kommen sollen. 

Im Rahmen mehrerer internationaler Auktionen geht dieser Wunsch nun in Erfüllung. Die Versteigerungsserie mit rund 8000 Auktionslosen umfasst 30 Briefmarkenauktionen in Zürich, New York, Wiesbaden, Stockholm und London.   

Teuerstes Los für 250’000 Franken

In der Zürcher Auktion im Dezember ist der Wetziker Brief übrigens ein kleiner Fisch, der geangelt werden kann. Je 150’000 Franken muss mindestens hinblättern, wer einen Brief mit sieben Kantonalmarken aus der Waadt oder zwei Basler Tauben auf einem anderen Brief ersteigern will.

Und gar auf eine Viertelmillion Franken veranschlagt wird ein Brief mit einer hellblauen Rayon I von 1851 mit vollständigen Einfassungslinien des weissen Schweizerkreuzes. Etwas, das es gar nicht hätte geben dürfen, weshalb der Druckstein bald korrigiert wurde. Laut Corinphila handelt es sich um die seltenste Briefmarke der Schweiz. 

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