Der Ustertag trage stets etwas zur Allgemeinbildung bei, konnte Korpskommandant Aldo Schellenberg konstatieren, der vor drei Jahren als Hauptredner aufgetreten war. So habe er bisher nicht gewusst, dass im Bockenkrieg an der Seite der Stadtzürcher, die gegen die aufständische Zürcher Landbevölkerung vorging, auch Aargauer gekämpft hätten. Dies erkläre nun auch die Zusammensetzung der Zürcher Farben. Während das Blau für den schönen Zürichsee stehe, müsse das Weiss von den Socken der Aargauer herrühren.
Der stellvertretende Armeechef und frühere Kommandant der Luftwaffe konnte die Anwesenden übrigens beruhigen, was die Risse an mehreren F/A-18-Kampfjets angeht: «Vom WC-Papier her weiss ich, dass es nie dort reisst, wo es Risse hat.» Etwas anderes an der Nachfeier mache ihn viel misstrauischer: Dass das traditionell servierte Risotto vegan sei. «Schliesslich heisst es nicht umsonst dahinvegetieren…»
Die neue Seite von Ernst Stocker
Punkto Witz – die wichtigste Würze der Reden an der Nachfeier– konnte Schellenberg kaum jemand den Streuer reichen, ausser Regierungsrätin Silvia Steiner. Die Bildungsdirektorin und ehemalige Staatsanwältin meinte zu Beginn ihres Auftritts, dass sie sich gar nicht so sicher sei, ob sie nach dem Juso-Protest gegen das Unterstützungsinserat von fünf Regierungsräten für Ruedi Noser überhaupt etwas zum Ustertag sagen dürfe, ohne dass der Eindruck entstehe, die Kantonsregierung unterstütze den Ustertag. Sie wagte es – und konnte dabei auf Regierungsrat Ernst Stocker zählen. Dieser raunte ihr von unten her zu: «Sonst gehen wir halt gemeinsam in die Kiste.»

