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Sockenweiss im Zürcher Wappen

Die Erklärung für die Zürcher Farben, Unbekanntes von Regierungsräten oder Wädenswiler Fusionsgelüste: An der unterhaltsamen Nachfeier des Ustertages gab es wieder viel Neues zu erfahren.

Endlich ist sie da: Die Erklärung für die Zürcher Farben.

Christian Merz

Sockenweiss im Zürcher Wappen

Der Ustertag trage stets etwas zur Allgemeinbildung bei, konnte Korpskommandant Aldo Schellenberg konstatieren, der vor drei Jahren als Hauptredner aufgetreten war. So habe er bisher nicht gewusst, dass im Bockenkrieg an der Seite der Stadtzürcher, die gegen die aufständische Zürcher Landbevölkerung vorging, auch Aargauer gekämpft hätten. Dies erkläre nun auch die Zusammensetzung der Zürcher Farben. Während das Blau für den schönen Zürichsee stehe, müsse das Weiss von den Socken der Aargauer herrühren.

Der stellvertretende Armeechef und frühere Kommandant der Luftwaffe konnte die Anwesenden übrigens beruhigen, was die Risse an mehreren F/A-18-Kampfjets angeht:  «Vom WC-Papier her weiss ich, dass es nie dort reisst, wo es Risse hat.» Etwas anderes an der Nachfeier mache ihn viel misstrauischer: Dass das traditionell servierte Risotto vegan sei. «Schliesslich heisst es nicht umsonst dahinvegetieren…»

Die neue Seite von Ernst Stocker

Punkto Witz – die wichtigste Würze der Reden an der Nachfeier– konnte Schellenberg kaum jemand den Streuer reichen, ausser Regierungsrätin Silvia Steiner. Die Bildungsdirektorin und ehemalige Staatsanwältin meinte zu Beginn ihres Auftritts, dass sie sich gar nicht so sicher sei, ob sie nach dem Juso-Protest gegen das Unterstützungsinserat von fünf Regierungsräten für Ruedi Noser überhaupt etwas zum Ustertag sagen dürfe, ohne dass der Eindruck entstehe, die Kantonsregierung unterstütze den Ustertag. Sie wagte es – und konnte dabei auf Regierungsrat Ernst Stocker zählen. Dieser raunte ihr von unten her zu: «Sonst gehen wir halt gemeinsam in die Kiste.»

Von Ustertagredner Ernst Stocker zeigte sich Silvia Steiner ohnehin überrascht. «Im Vertrauen: An Regierungssitzungen äussert er sich immer nur kurz und prägnant. Ich wusste gar nicht, dass er so lange sprechen kann», frotzelte sie. Und sie wolle ihn beim Wort, wenn er sich in seiner Rede so stark für gute Bildung eingesetzt habe. Sie werde an der kommenden Sitzung dem Finanzdirektor gleich einige teure Bildungsprojekte vorlegen, die er nun sicher durchwinke.

Sonderbetreuung für die Bildungsdirektorin

Auch die Bildungsdirektorin konnte am Ustertag, oder genauer am Ustertag-Schiessen, einiges lernen. Als nicht so gute Schützin habe sie viel Betreuung erfahren, mit dem Faktor 1:3. «Ich kam mir wie ein Schulkind mit besonderen pädagogischen Bedürfnissen vor.» Und noch etwas gab die Neo-Stadtzürcherin  Preis. Nach ihrer Einbürgerung habe sie von der Zürcher SP-Stadtpräsidentin einen Brief erhalten, in welchem sie aufgefordert worden sei, sich doch politisch zu betätigen.  Das werde sie, meinte Steiner, aber weiterhin für die CVP.

Bevor Silvia Steiner ans Rednerpult ging, durfte sie zuerst dem Schützenkönig des Ustertag-Schiessen gratulieren und ihm im Namen der Regierung einen Karabiner überreichen: Mit einem Glanzresultat schwang Alexander Maccagnan aus Brüttisellen obenaus, der für den SC Wangen schiesst.

Weniger glänzend schoss diesmal dagegen der Ustermer Stadtrat. Vor einem Jahr noch lachender Sieger im Duell gegen den Ustermer Gemeinderat musste er diesmal mit 105 gegen 158 Punkte untendurch.

Die Stadt am  «richtigen See»

Usters Stadtpräsidentin Barbara Thalmann überlegte sich, ob Wädenswil nach der jüngst getätigten Eingemeindung  nach weiteren Fusionspartnern umsehe. Sowohl der Hauptredner Ernst Stocker, als auch der Vorredner Nationalrat Philippe Kutter, seines Zeichens auch Stadtpräsident, sind in Wädenswil daheim. Er wolle zwar der Stadtpräsidentin nicht widersprechen, meinte Stocker.  Aber für Wädenswil stelle sich schon die Frage, wie Uster sich denn Stadt am See nennen könne. Bei einer Fusion mit Wädenswill hätten sie dann erst einen richtigen See.

Und an der Nachfeier gab es für Regierungsrat Stocker bereits einen zweiten Biber. Schon am Morgen beim Empfang durch den Ustermer Stadtrat auf dem Schloss erhielt er ein solches Süssgebäck. «Wenn ich den hier nicht mehr esse, kann ich ihn vielleicht als Brustpanzer brauchen», meinte der Finanzdirektor wohl angesichts bevorstehender Budgetdebatten.  

Ein durchgeschüttelter Bürgermeister

Den langen Reigen der Redner, unter denen etwa auch Kantonsratspräsident Dieter Kläy und alt Bundesrat Christoph Blocher waren, schloss Hendrik Sommer, Bürgermeister von Usters Partnerstadt Prenzlau. Die Diskussion im nach links gerückten Uster um die Fortführung der Partnerschaft nach dem Rechtsruck in der brandenburgischen Kreisstadt hatte dem Bürgermeister schon etwas aufs Gemüt geschlagen. Er zeigte sich aber froh darüber, dass er in der Schweiz offenbar weiterhin willkommen sei. So habe es bei seinem Flug hierher über Deutschland noch ziemlich Turbulenzen gegeben. Erst nach Überqueren der Landesgrenze hätten sich diese gelegt und das Flugzeug sei ruhig gelandet.    

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