Für die Stadtbibliothek wird die Näniker Dorfbücherei geopfert
Das Wichtigste in Kürze
- Uster entzieht der öffentlichen Bibliothek Nänikon 35‘000 Franken
- Die Stadt hält die Dorfbibliothek für zu klein
- Für den Näniker Gemeindevereinspräsidenten ist klar: Das ist das Ende der Bibliothek
Für die Stadt Uster sind 35‘000 Franken ein kleiner Betrag, für die öffentliche Bibliothek Nänikon kann der fehlende Beitrag das Ende bedeuten. So zumindest rechnet der Gemeindeverein Nänikon, der die Schliessung der Bibliothek erwartet, die beim Schulhaus Wüeri angegliedert ist.
Thomas Altenburger, Präsident des Gemeindevereins Nänikon, ist fassungslos. Dass Budgetkürzungen vorgenommen werden müssten, sei wohl allen bewusst, aber er frage sich schon, ob hier nicht am falschen Ort gespart werde.
«Weniger als 100 Leute haben ein Bibliotheks-Abo – die Bibliothek ist klein.»
Christian Zwinggi, Abteilungsleiter Präsidiales der Stadt Uster
Die Bibliothek Nänikon sei ein Ort mit Tradition, ein Treffpunkt. Die Öffnungszeiten sind allerdings mit gerade mal sieben Stunden während drei Tagen pro Woche kurz. Für Altenburger dennoch entscheidend: «Für die Näniker sind die kurzen Treffen in der Bibliothek wichtig.» Dies belege die hohe Frequenz während der Öffnungszeiten.
Gigant und Zwerg
Christian Zwinggi, Abteilungsleiter Präsidiales der Stadt Uster sagt: «Weniger als 100 Leute haben ein Bibliotheks- Abo – die Bibliothek ist klein.» Etwa 7‘000 Medien können Besucher ausleihen. Die Stadtbibliothek ist im Vergleich ein Gigant: 50‘000 Medien, sechs Tage die Woche geöffnet, ein Budget fürs kommende Jahr von rund 1,3 Millionen Franken, 5’500 aktive Abonnenten. «Aus bibliothekarischer Sicht macht es Sinn, die Medien und Kräfte auf einen Standort zu konzentrieren», sagt Zwinggi. So könne dort für alle eine grosse Auswahl präsentiert werden.
«Mit dem Entscheid werden alte Gräben aufgerissen.»
Thomas Altenburger, Präsident Gemeindeverein Nänikon
Das Verhältnis zwischen der Stadt und der Aussenwacht Nänikon ist oft ein Emotionales. Auch in diesem Fall legt Gemeindevereinspräsident Altenburger stellvertretend die Näniker Gemütslage dar: «Es ist wieder etwas, das Nänikon weggenommen wird.» Mit «wieder» meint Altenburger etwa die finanzielle Unterstützung, welche die Stadt für die Chilbi Nänikon vor Jahren einstellen wollte. «Wir müssen für alles kämpfen», so Altenburger. «Mit dem Entscheid werden alte Gräben aufgerissen.»
Seitenhieb auf Usters Schwächen
Er habe zwar Verständnis, dass die Stadt ihre eigene Bibliothkek stärken wolle. Für die Bewohner der Aussenwacht gehe aber mit der Schliessung der eigenen Bibliothek eine Bildungsstelle verloren, die gut mit dem Velo oder zu Fuss zu erreichen war. «Dass die Näniker stattdessen mit dem Auto vor den Ustermer Bahnschranken lange Wartezeiten in Kauf nehmen, glaube ich nicht.» Die Näniker Bibliotheksbesucher würden dann eher in die Greifenseer Bibliothek gehen. Denn diese sei näher.
Die Stadt will sparen
35‘000 Franken bezahlt die Stadt Uster an die Bibliothek Nänikon, hauptsächlich in Form von Personalkosten. «Für die drei Teilzeitmitarbeitenden werden Lösungen gefunden», sagt Christian Zwinggi. So könnten einzelne Mitarbeiterinnen in der Ustermer Bibliothek weiterbeschäftigt werden.
Zur Ersparnis von 35‘000 Franken im Budget 2020 sagt Zwinggi, dass der Betrag eine «Entlastungsmassnahme für ein ausgeglichenes Budget» sei. Der Gemeinderat wird in der Sitzung im Dezember über das Budget entscheiden.
Bei der Stadt betont Christian Zwinggi, dass Nänikon die einzige Ustermer Aussenwacht mit einer eigenen öffentlichen Bibliothek ist. Er erinnert daran, dass die Bibliothek als Schulbibliothek weiter bestehen bleiben kann. Dafür zahlen die Oberstufe Nänikon-Greifensee und die Primarschule Uster rund 20‘000 Franken Unterstützungsbeiträge. 500 Franken steuert der Gemeindeverein hinzu. Dieser erhalte für seine Veranstaltungen von der Stadt wiederum einen Beitrag von 1’900 Franken. «An diesem Beitrag sind keinerlei Kürzungen vorgesehen», so Zwinggi.
Thomas Altenburger reicht das nicht. Er werde «alles Mögliche unternehmen», damit die Budgetkürzung von 35‘000 Franken gestrichen werde. Er will als ersten Schritt mit der Kommission Bildung und Kultur der Stadt das Gespräch suchen oder dem Stadtrat eine Petition übergeben. Weitere Schritte lässt er vorerst offen.
