«Ein paar negative Kommentare sind noch kein Shitstorm»
Miriam Hetzel ist seit dem 1. Juni Informationsbeauftragte der Gemeinde Maur. Mit der neu geschaffenen Stelle soll die Kommunikation der Gemeinde ausgebaut werden. So wird Maur zum Beispiel künftig auch in den Sozialen Medien aktiv sein. Über diese Kanäle wird hauptsächlich Hetzel kommunizieren.
Miriam Hetzel, der scheidende Gemeindeschreiber Markus Gossweiler sagte, nachdem Ihre Stelle geschaffen wurde: «Wir wollen den Anschluss an die junge Generation nicht verpassen.» Wie wollen Sie diese erreichen?
Miriam Hetzel: Wir wollen die Jungen mit Instagram ansprechen. Ich könnte mir vorstellen, dass wir auf diesem Kanal gerade Themen der Jugendarbeit gut mit Bildern zeigen können. Fürs Erste soll eine sechsmonatige Testphase zeigen, wie unsere Kanäle ankommen. Am 1. Oktober starten wir mit Instagram und Facebook.
Ist das für Sie eine Gelegenheit, um zu experimentieren?
Sicher kann ich diese Zeit nutzen, um zu sehen, welche Inhalte ankommen. Doch eine Behörde hat auch ein Image, welchem sie treu bleiben muss. In der Behördenkommunikation kann es zum Beispiel schon als ausgeflippt gelten, Emojis zu benutzen. Über Facebook wollen wir Anlässe und Veranstaltungen in der Gemeinde posten, um auf diese aufmerksam zu machen. Aber auch Servicethemen und Informationen, wie etwa Strassensperrungen, gehören sicher dazu.
« Hier hat fast jeder Ortsteil eine eigene Identität, Leute mit eigenen Interessen und Schwerpunkten. »
Woran haben Sie bis jetzt gearbeitet?
Ich musste mich erst mit der Verwaltung vertraut machen. Die Zeit habe ich ausserdem genutzt, um die neue Gemeindewebsite aufzugleisen, die im Frühling online gehen soll. Die aktuelle ist bereits ziemlich alt und nicht für Smartphones konzipiert. Zudem habe ich ein Social-Media-Konzept erstellt, worin beispielsweise auch Shitstorm ein grosses Thema war.
Was tun Sie in so einem Fall?
Tritt ein Shitstorm ein, wenden wir die bestehende Krisenkommunikation an. Dabei sind die Zuständigkeiten – Gemeindeschreiber, Gemeinderat oder ich – und das Vorgehen genau definiert. Ein paar negative Kommentare sind aber noch kein Shitstorm, und auf solche müssen wir einfach gefasst sein. Negative Meldungen sehe ich auch als Chance, um zu erfahren, ob irgendwo etwas falsch läuft. Tritt aber ein richtiger Shitstorm ein, kann man eine solche Dynamik kaum mehr kontrollieren.
Erwarten Sie viele Follower, die Ihre Posts verfolgen?
Die Erwartungen sind in der Testphase noch nicht sonderlich hoch. Ich glaube, dass zuerst die Leute kommen, die sich sonst schon für die Neuigkeiten der Gemeinde interessiert haben.
Sie haben nie in Maur gewohnt. Wie gut kennen Sie die Gemeinde inzwischen?
Der scheidende Gemeindeschreiber Markus Gossweiler hat mich im Auto auf einen Rundfahrt mitgenommen. Er kennt wirklich alle Leute in der Gemeinde und er hat mir viel über Maur erzählt. Ich will auch mit der Kamera in der Gemeinde unterwegs sein, um Bilder für die sozialen Medien zu sammeln. So lerne ich auch die Gemeinde besser kennen. Ich habe von Einwohnern gehört, dass die Leute in Maur gemütlicher sind als beispielsweise die Binzer, die sich offenbar eher Richtung Zürich orientieren und den Takt der Grossstadt angenommen haben. Vielleicht steht es ja gerade sinnbildlich dafür, dass es in der Gemeinde sowohl Volg-Kinder als auch Migros-Kinder gibt.
Wie sehen Sie Maur, verglichen mit Ihrem vorherigen Arbeitsplatz in Frauenfeld?
Die Gemeinde Maur ist ländlicher, trotz der beachtlichen Grösse von etwa 10‘000 Einwohnern. Hier hat fast jeder Ortsteil eine eigene Identität, Leute mit eigenen Interessen und Schwerpunkten.
Was hat Sie an der Stelle in der Gemeinde gereizt?
In Maur war die Gemeindeverwaltung noch nicht über die sozialen Medien präsent. Ich fand es eine spannende Herausforderung, diese Kanäle aufzubauen.
Mit wie vielen Beiträgen dürfen die Maurmer rechnen?
Während der Testphase wollen wir zwei bis drei wöchentliche Posts verschicken.
Zur Person
Miriam Hetzel hat Journalismus und Organisationskommunikation studiert und während des Studiums in der Kommunikationsabteilung der Stadt Frauenfeld gearbeitet. Die 30 -Jährige wohnt derzeit in Winterthur.
