Auch ältere Ustermer dröhnen sich zu
Das Drogenelend in Uster in den späten 1970er-Jahren und die Platzspitzszene der 1990er-Jahre, die sich bis in die Oberländer Stadt auswirkte sind vorbei. Doch die harten Drogen beschäftigen die Stadt immer noch. So schreibt die Sozialbehörde in der Weisung zur Finanzierung der Drogenprävention und –hilfe (siehe Box): «Die Polizei findet vereinzelt gebrauchte Spritzen am Bahnhof.» Heisst: In Uster findet nach wie vor ein intravenöser Drogenkonsum statt. Als Indiz dafür wird auch die Anzahl verkaufter Spritzensets an den städtischen Abgabestellen angegeben. 2017 wurden rund 364 und im letzten Jahr 200 Spritzensets bezogen. Die Zahlen für 2019 liegen noch nicht vor.
Von einem veritablen Rückgang will Sozialvorsteherin Petra Bättig (FDP) aber nicht sprechen, sie muss die Finanzierung der Prävention und Drogenhilfe der nächsten Jahre noch durch den Gemeinderat bringen. Bättig relativiert deswegen: «Der Rückgang ist nicht gross. Der Spritzenbezug ist so auf eher tiefem Level stabil.»
Spritzen in Bahnhofstoiletten
Andreas Dambach, Stellvertretender Kommandant der Stadtpolizei Uster, sagt, dass die Polizei keine Statistik hinsichtlich Anzahl gefundener gebrauchter Spritzen führe. «Die Stadtpolizei findet – wenn auch in äusserst geringer Anzahl – in den Bahnhoftoiletten gebrauchte Spritzen», so Dambach.
Vom Drogenkonsum bis zur –vernichtung
21.05.2018

Drogenpolitik Uster
Damit sich das Drogenelend der 90er nicht wiederholt, wurde in den letzten 20 Jahre die Drogenpol Beitrag in Merkliste speichern Für Fridolin Heer, Leiter der Suchtpräventionsstelle Zürcher Oberland, ist die Spritzenabgabe in Uster nach wie vor ein wichtiger Teil der Drogenpolitik. «Der Spritzenautomat ist kein historisches Relikt. Es braucht ihn immer noch.» Heer deutet den Rückgang der Spritzen nicht als Rückgang des Konsums. «Spritzen können mehrmals benutzt und auch an anderen Orten bezogen werden.»
Die Anzahl suchtkranker Menschen, die illegale Suchtmittel konsumieren, liegt nach Schätzung der zuständigen städtischen Stellen bei etwa 25–40 Personen. Gras scheint bei der Ustermer Jugend ungebrochen hoch im Kurs zu stehen, wie aus der Weisung zu entnehmen ist: Die Stadtpolizei verzeichne aktuell einen regen Marihuanakonsum, insbesondere auch unter Jugendlichen.
Kredit für Drogenhilfe und Prävention
Mit Beschluss des Ustermer Stimmvolkes von Ende 2000 wurde ein jährlich wiederkehrender Kredit an die dezentrale Drogenhilfe und Prävention im Zürcher Oberland bis 2004 beschlossen. Ab dann wurden über Gemeinderatsbeschlüsse Kredite zur Finanzierung der Angebote des Vereins für Prävention und Drogenfragen Zürcher Oberland (VDZO) und der Stiftung Netzwerk gesprochen. Ende 2019 läuft dieser Kredit aus. Die beiden Organisationen unterbreiten deshalb mit ihren Gesuchen den Antrag auf die Gewährung finanzieller Beiträge in der Höhe von 520’000 Franken für die Jahre 2020 bis 2023 – 16‘000 Franken mehr als die letzten vier Jahre.
Stadtpolizist Dambach belegt das mit der Anzahl der gebüssten Personen: «Im Jahr 2018 wurden 32 Ordnungsbussen für Cannabiskonsum ausgestellt. Im laufenden Jahr sind es bereits 23 Bussen.» Das Sozialverhalten der Jugendlichen werde aber nicht analysiert, sagt Dambach.
Hotspots der Kiffer
Dort, wo die Polizei Hotspots des Konsums ausmacht, werde die Präsenz verstärkt. «Jugendliche konsumieren Marihuana mehrheitlich in Kleingruppen», sagt Dambach. Dies beispielsweise an verdeckten Orten wie der Laderampe am Bahnhof, Parkanlagen oder aber auch vereinzelt in witterungsgeschützten Nischen bei Schulhäusern. Und während der Sommermonate oft auch am Ufer des Greifensees.
Heer von der Suchtpräventionsstelle Zürcher Oberland sieht in Uster aber vor allem bei den legalen Drogen ein Problem. Bei den Jugendlichen seien nebst Cannabis vor allem Tabak und Alkohol beliebt. Als Hotspot macht Heer auch zunehmend das Zeughausareal aus. «Das Zeughausareal ist beliebt, und an beliebten Orten wird vermehrt konsumiert.»
Hinzu komme: «Die Jugendlichen sind mobil und können sich heute den Alkohol im Internet bestellen – und wie eine Pizza – liefern lassen.» Der Jugendschutz greife beim Verkauf von Alkohol im Internet noch zu wenig, sagt Heer.
Drogen für Senioren
Unterschätzt werde oft auch das Suchtrisiko bei der älteren Generation. Ab 55 Jahre seien neben den «klassischen Drogen» Alkohol und Tabak auch die Benzodiazepine und die Z-Medikamente, zu denen Beruhigungs- und Schlafmittel gehören, immer wieder ein Thema. «Diese werden oft zu schnell verschrieben. In Kombination mit Alkohol verändert sich die Wirkung, was zu gesundheitlichen Problemen und Stürzen führen kann.»
Die älteren Süchtigen geraten bei der Stadt zunehmend in den Fokus. So schreibt die Sozialbehörde: «Die Betroffenen werden durchschnittlich immer älter.» Das zeigten Erfahrungen aus der Abteilung Soziales, sagt Stadträtin Bättig. Sie meint, dass dank guter Betreuung und einem geordneten Umfeld, Menschen trotz Drogenkonsum heute länger leben können. « Wir versuchen den Lebensumstand der älteren Leute möglichst stabil zu halten, damit es nicht zu einer Verelendung kommt. Mehr können wir in solchen Fällen leider nicht mehr tun», so Bättig.
