Stimmgewaltiger Auftakt
Die Aufgabe, ein Festival zu eröffnen, ist jeweils keine leichte. Der 26-jährige Marius Bear meisterte sie gestern Freitag am Blues’n’Jazz jedoch mit Bravour. Seine raue Stimme brachte nicht nur die eigene Bauchgegend zum Vibrieren, sondern liess einem vom ersten Moment an nicht mehr los.
Vor zwei Jahren noch auf der Strasse
Der Appenzeller wird als eines der vielversprechendsten Musiktalente Europas angepriesen. In Rapperswil jedenfalls wurde er diesem Ruf gerecht. Erst im Februar hat er den Swiss Music Award in der Kategorie «SRF 3 Best Talent» eingeheimst. Seinem Organ entspricht auch seine Postur: bärenstark. Kein Wunder hat Marius, der eigentlich Hügli heisst, sich den Künstlernamen «Bear» zugelegt. Tappsig benimmt er sich dabei aber gar nicht: mal langsam und leise, mal laut und schnell, mal bluesig, mal poppig, er hat viel zu bieten.
Sein musikalischer Aufstieg ist sehr schnell vor sich gegangen. «Vor zwei Jahren war ich schon hier in Rapperswil. Ich schlich mich aufs Gelände mit meinem Böxli. Nach einer halben Stunde musste ich wieder weg. Doch jetzt zahlen sie mich ja für meinen Auftritt – jetzt ist es gut», meinte der Sänger und Gitarrist.
Musik und Essen
Die Musik ist der Hauptteil des Blues’n’Jazz. Ebenso wichtig ist aber auch das Ambiente. Das Festivalgelände ist eingebettet in eine schöne Altstadt und findet direkt am See statt. Drei Bühnen sind entlang des Seequais so aufgereiht – eine ganz kleine vierte ist dieses Jahr noch auf dem Hafenzipfel dazugekommen –, dass einem ständig Musik in den Ohren liegt. Und dann sind da natürlich noch die vielen Essstände. Ob Chinesisch, Japanisch, Thailändisch, Amerikanisch, Griechisch, Italienisch oder Schweizerisch: Kulinarisch wird fast alles geboten.
Schweizerisch zum Abschluss
Und schweizerisch war das musikalische Menü auch zum Abschluss des ersten Festivalabends. Stephan Eicher, der seit eineinhalb Jahren mit der zwölfköpfigen Blaskapelle Traktorkestar tourt, machte das erste Mal in der Deutschschweiz Station. Der Fischmarktplatz war proppenvoll in Erwartung eines mitreissenden Auftritts – und die Besucher wurden nicht enttäuscht. Der spezielle Stil der Bläsertruppe mit Balkan- und Klezmeranklängen zusammen mit den neu interpretierten Liedern von Eicher wussten zu gefallen.
Der Altersunterschied – Eicher scherzte, dass bei seinem ersten Bühnenauftritt noch keiner der Traktorkestaren auf der Welt gewesen sei – der Musiker ist offenbar befruchtend. Doch es sei wichtig, dass die Musik von Generation zu Generation weitergegeben werden. Umgesetzt wurde das auf der Bühne mit einem Duett von Gitarre und Saxophon, wo erstes die Anklänge vorgab, die dann vom Bläser aufgenommen wurden. Mit «Hemmige» als Zugabe – und einem Gang von Sousaphon und Pauke durchs Publikum – verabschiedete sich die besondere Band unter grossem Applaus von Rapperswil.
Transportprobleme zum Abschluss
Wegen eines Bahnbetriebsunterbruchs zwischen Rapperswil und Rüti just zum Ende des Festivals gegen 23.30 Uhr kam es zu grösseren Transportproblemen. Bahnersatzbusse waren nur wenige vor Ort, so dass sich viele Festivalbesucher lange gedulden mussten, um die Heimreise antreten zu können. Besonders gefragt waren da Taxis, die aus der ganzen Region zum Bahnhof Rapperswil gerufen wurden.
