Christian Merz bekam einen blutgetränkten Pulli mit einem Loch. Das Loch stammte von einem Messereinstich – der Pulliträger war schon längst tot. Merz‘ Auftrag: Den Pulli für die Staatsanwaltschaft zu fotografieren. Perspektive unwichtig, goldener Schnitt egal, eine geringe Tiefenschärfe unerwünscht. Gefragt war eine brauchbares Foto, geschossen in einem klinischen Raum, als Beweismittel für den Prozess. Sieben oder acht Jahre ist das nun her.
Merz arbeitete für die Kriminalpolizei Zürich und fotografierte ein Jahr für das forensische Institut in Zürich. «Als kreativer Fotograf bist du bei der Polizei am falschen Ort», sagt Merz. Der heute 35-jährige Profifotograf und Preisträger des Swiss Photo Award 2019 in der Kategorie Alltag klemmte seine kreative Ader während seiner Polizeikarriere ab – zwölf Jahre lang.
«Man wird als überkorrekter Beamter, «Tüpflischiesser» oder ganz anders als Rambo des Gesetzes schubladisiert.»
Christian Merz, Fotograf
Von der Muse wachgeküsst wurde er, nachdem er auf die Konfirmation im Jahr 1998 eine Spiegelreflexkamera bekommen hatte. Wieso er sich diese gewünscht hatte, weiss Merz nicht mehr. «Es war ein teures Geschenk und meine Schwester besass eine», sagt er.
Autodidaktisch zum Fotografie-Handwerk

