DVZO zieht positives Fazit - im Hintergrund läuft der Rechtsstreit weiter
Wenn es laut dampft und rattert, weil ein alter, historischer Zug seinen Weg über die Geleise rollt, dann ist es wieder soweit: Die Kompositionen des Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland (DVZO) sind unterwegs.
In diesem Oktober waren die Bahnen erstmals nicht nur am ersten und dritten Sonntag des Monats auf der Strecke Bauma – Bäretswil – Hinwil unterwegs. Dank eines genehmigten erweiterten Bahnbetriebs verkehrten Dampf- und auch Elektrozüge jeweils von Donnerstag bis Sonntag zwischen Bauma und Hinwil.
Am Betrieb beteiligten sich neben dem DVZO zahlreiche andere Schweizer Museumsbahnen wie die Betriebsgruppe Triebwagen 101, das SBB Historic Team Winterthur und Eurovapor Sulgen. Nun endet das Pilotprojekt an diesem Wochenende mit den Dampfzügen des Vereins Dampfbahn Bern.
Im erwarteten Rahmen
Christian Schlatter, Vorstandsmitglied und Leiter Marketing des DVZO, zieht vor dem letzten Wochenende des Projekts «Zeitreise Zürcher Oberland» ein «grundsätzlich positives» Zwischenfazit.
«Die Leuten scheinen die Fahrt mit der historischen Dampfbahn besser zu finden»
Christian Schlatter, Leiter Marketing DVZO
«Im Grossen und Ganzen ist es so verlaufen, wie wir uns das vorgestellt hatten. Auch von den Zahlen bewegen wir uns in einem Rahmen, der zu erwarten war.» Dabei konnte allerdings festgestellt werden, dass die Auslastung der Dampfzüge besser gewesen sei als jene der Elektrozüge. «Die Leuten scheinen die Fahrt mit der historischen Dampfbahn besser zu finden», so Schlatter.
Weitere Pläne unklar
Wie es nach dem Oktober und dem Pilotprojekt weitergeht, ist noch unklar. «Wir werden die definitiven Zahlen anschauen und dann von allen Beteiligten ein Feedback einholen.»
Schlatter meint damit vor allem Projektpartner, wie die Betreiber der Perronbeiz in Bauma oder interne Stellen des DVZO. Ob man das Gespräch mit Anwohnenden suche, sei zum jetzigen Zeitpunkt noch offen.
Beschwerde ans Bundesgericht weitergezogen
Derweil ist der DVZO im Hintergrund noch immer in ein Rechtsverfahren verwickelt. Vor über einem Jahr hatten die Gemeinde Hinwil und eine Einzelperson vor dem Bundesverwaltungsgericht (BVGer) Beschwerde gegen die bereits im Herbst 2020 für sechs Wochen geplanten täglichen Fahrten eingelegt – wegen einer aus ihrer Sicht erhöhten Lärm- und Umweltbelastung.
Im Juli dieses Jahres war bekannt geworden, dass das BVGer auf die Beschwerden nicht eintritt. Was in Bäretswil jedoch schon länger gemunkelt wurde, wird jetzt von DVZO-Mediensprecher Christian Schlatter auch bestätigt: Die Einzelperson hat das Urteil vor das Bundesgericht als letzte Instanz weitergezogen. Dass das Verfahren derzeit beim Bundesgericht hängig ist, sagt auch dessen Pressestelle auf Anfrage.
Eine einzige negative Rückmeldung
Bei Schlatter ist indes über den aktuellen ausgedehnten Testbetrieb nur eine einzige kritische schriftliche Rückmeldung eingetroffen. Sonst weiss er nur von positiven Feedbacks zu berichten. «An den Tagen, an denen ich mit den Zügen auf der Strecke unterwegs und mit unseren Gästen gesprochen habe, waren alle angetan.» Allerdings muss Schlatter sofort selber zugeben, dass wohl jene, die sich mit dem Projekt nicht einverstanden zeigten, gar nicht erst kämen.
Hinter vorgehaltener Hand gibt es zwar kritische Stimmen von Anwohnenden entlang der Bahnlinie. Jedoch wollte sich keine der kontaktierten Personen gegenüber dieser Zeitung öffentlich äussern.
