Der innere Bünzli fährt mit
Tösswegs
Ich habe kürzlich ein verlängertes Wochenende in Amsterdam verbracht. Gereist bin ich klimafreundlich: mit dem Zug. Vom Zürcher Oberland in die niederländische Metropole dauert das gut neun Stunden.
«Die Kluge fährt im Zuge», habe ich mir gedacht. Zugfahren, das ist doch viel entspannender als Fliegen. Lesen, aus dem Fenster schauen, das Leben geniessen.
Mit der Entspannung ist es aber so eine Sache, vor allem wenn man in Deutschland unterwegs ist. Die Deutsche Bahn ist nicht unbedingt für ihre Pünktlichkeit bekannt, vor allem nicht auf der sogenannten Oberrheinbahn zwischen Basel und Mannheim.
«Ganz ruhig, du kommst heute schon noch an», versuchte ich mich zu beruhigen. «Aber etwas mehr Pünktlichkeit wäre schon mal angebracht», entgegnete dann mein innerer Bünzli.
Zum Glück hatte auch mein Anschlusszug Verspätung, so habe ich den nächsten Intercity doch noch erwischt. Leider hat man selten zweimal Glück. In Düsseldorf musste ich dann gut eine Stunde warten. «Siehst du, das sind doch keine Zustände», nervte sich der Bünzli.
So bin ich dann eine Stunde später als geplant in Amsterdam angekommen. Bevor ich den Bahnhof verliess, warf ich noch einen letzten Blick auf die Züge. Die holländischen Intercitys sind in den Farben gelb und blau gehalten.
Zumindest vermute ich das, denn die Züge, die ich gesehen habe, waren vor allem eins. Von aussen sehr dreckig. Als Schweizerin ist man sich diesen Anblick gar nicht gewohnt.
«Na ja, immerhin war der Zug pünktlich, und im Innern war ja alles sauber», dachte ich mir. «Aber putzen wäre schon wieder einmal angebracht», warf mein innerer Bünzli ein.
Ich würde nun gerne behaupten, dass mich diese Reise etwas mehr Geduld lehrt mit der immer gerne kritisierten SBB. Was Pünktlichkeit oder Sauberkeit anbelangt, können wir uns in der Schweiz eigentlich nicht beklagen.
Eigentlich. Denn ich weiss ganz genau: Wenn meine S-Bahn das nächste Mal drei Minuten Verspätung hat, werde ich mich trotzdem ärgern. Der innere Bünzli fährt eben immer mit.
