Grüezi, Frau Buster
Wann begann eigentlich die Geschichte der Menschheit? Vor rund 2,5 Millionen Jahren, als ein Thomas Gottschalk ähnlicher Homo-irgendwas mit einem zurechtgehauenen Stein seinen Mercedes-Benz aufschloss. Seit dieser erstmaligen Verwendung eines Werkzeuges hat der Mensch nichts anderes mehr tun, als seine Vorsätze fürs neue Jahr einzuhalten. Im Angesicht des nahenden Jahreswechsels versuche ich noch eben rasch, meine Vorsätze vom letzten Januar zu verwirklichen. Weil ich das Gedächtnis eines Straussenvogels habe, frage ich die beste Freundin von allen, was denn mein Vorsatz gewesen sein könnte. «Aufräumen!», herrscht sie mich an.
Also mache ich mich ans Aufräumen. Ich beginne mit etwas Leichtem und lösche Apps von meinem Smartphone, die schon vorinstalliert auf dem Gerät waren, die ich aber nie gebraucht habe. Dann will ich gleich noch ein paar Freunde löschen, die zwar in meiner Telefonliste gespeichert sind, die ich aber nie gebraucht habe. Schnell wird mir jedoch klar: Die Kontaktliste ist lang.
Ich habe seit dem Besuch einer Bar unzählige Freunde und Bekannte. Denn beim Verlassen dieser Bar liess ich nicht nur die paar Begleiter des damaligen Abends zurück, sondern auch unabsichtlich mein Handy. Die gelangweilte Schar nutzte den Abend, um unzählige Telefonnummern aufs Natel abzuspeichern.
Nun möchte ich also im Sinn meiner Aufräumaktion einige davon löschen. Unter dem Buchstaben A finde ich ABBA. Gibt’s die eigentlich noch, und wenn ja, bei wem klingelt das Telefon, wenn ich die entsprechende Nummer 444452224464 wähle? Immerhin war die Band mal zu viert. Mich gruselt es beim Gedanken, dass alle vier gleichzeitig abnehmen. Ich entscheide mich dennoch die Nummer nicht zu löschen, vielleicht habe ich mal eine Autopanne in Schweden und brauche ABBA, um alle vier Reifen gleichzeitig zu wechseln.
Unter «B» ist Batman abgespeichert. Da muss ich nicht lange überlegen, ob ich die Nummer behalten will. Ich weiss gar nicht, weshalb ich den Superhelden nicht schon lange angerufen habe. Seine Telefonnummer ist mit 42 134 6 auch angenehm kurz.
Aus der Sparte Superheld bleiben mir noch MacGyver, das Christkind und unter «T» das A-Team. Wenig bringt mir die Nummer von Michael Knight ohne sein Wunderauto – doch halt: Ich habe auch die Direktwahl zu K.I.T.T. Prima, sobald der nächste Verkehrskreisel in der Region eröffnet wird, springen wir zu dritt darüber.
Boris Jelzin, Elvis und Michael Jackson sind wahrscheinlich tot, also könnte ich sie eigentlich löschen. Allerdings ist es gut möglich, dass Jelzins mutierte Leber die Nummer übernommen hat. Und Elvis sowie Michael Jackson wurden jüngst wieder in irgendwelchen Hinterwäldlerdörfern gesichtet, also behalten. Nicht ganz sicher bin ich mir bei mythischen Wesen wie Godzilla oder Lady Gaga. Doch in der Not wendet man sich stets an Fabelgestalten, ergo nicht löschen.
Unumstritten sind die zahlreichen Fussballgötter, die mir einst zu einem Sieg an einem Grümpelturnier verhelfen werden: Jürgen Klinsmann, Georges Bregy, «Chappi» Chapuisat, Pele, Zico und Ronaldo. Ebenfalls im Besitz der direkten Durchwahl bin ich von Heino und Dolly Buster. Die geballte Ladung Erotik und 100 Jahre Schönheitsoperationen-Erfahrung in einer Person. Und auch Dolly Buster hat so einiges zu bieten.
Letztlich hat mir das erfolglose Ausradieren dieser Superprominenz in meinem Telefonspeicher nur eine Erkenntnis gebracht: Ich habe gar keine echten Freunde. So lasse ich es denn sein, damit am Ende nicht zwei einsame Nummer unter P wie Pizza und M wie Mami übrig bleiben.
David Marti stellt sich regelmässig tot, wie ein Opossum. Trotzdem treten Menschen auf ihn ein, damit er diesen Blog schreibt.
