Letzthin hatte ich mal Zeit und dachte, okay, mach ich einen Grittibänz, ist ja grad die Saison dafür. Gedacht, gemacht. Doch als ich das Ding nach genau 25 Minuten aus dem Ofen nahm, hatte es sich etwas verformt. Also vor allem der rechte Arm. Der zeigte jetzt nach oben, als ob er winken würde. Ich schaute nochmals hin: Glatze, rechter Arm nach oben – ich hatte einen verdammten Nazi gebacken. Ohne lange zu überlegen warf ich den Wichser der Katze hin, die immer bei uns rumhängt und ständig Hunger hat.
Also nochmals. Diesmal aber modellierte ich dem Grittibänz noch einen lustigen Hut, auf dass er sich im Backofen nicht noch einmal radikalisieren würde. Nach genau 25 Minuten zog ich ihn aus dem Ofen und war eigentlich richtig zufrieden. Die Arme waren dort, wo sie hingehören, und der Hut hatte sich zu einer Matrosenmütze verformt, was dem Grittibänz eine ungemein männliche Aura verlieh.
Doch dann melde sich mein Gewissen zu Wort: Hallo du, wir haben 2020, wo ist die Frau? Stimmt. Aber wie macht man so eine Frau? Zwei Brüste wären naheliegend gewesen, aber wir haben ja bald 2021, da liegt so etwa nicht mehr drin. Also machte ich dem Teigklumpen eine hübsche Langhaarfrisur, im Wissen darum, dass ich damit das gängige Schönheitsideal zementierte und kurzhaarige Frauen diskriminierte. Aber ich wollte einfach kein Risiko eingehen, nochmals einen Nazi zu backen.
Ich kann doch meinem minderjährigen Sohn nicht einfach eine Teigfrau mit gespreizten Beinen servieren.

