Oh du komische Weihnachtszeit
Mit der Weihnachtsstimmung ist das so eine Sache. Entweder sie kommt viel zu früh, viel zu spät oder gar nicht. Im letzten Jahr etwa, als die Welt noch mehr oder weniger in Ordnung war, wollte sie sich bei mir bis Heiligabend irgendwie nicht so recht bemerkbar machen. Dieses Jahr wiederum, das total Kopf steht, trage ich schon seit ein paar Wochen diese wohlige Weihnachtswärme in mir.
Und dies, obwohl es zusätzlich zu der ganzen Pandemiegeschichte in meiner Erinnerung wohl noch keinen so sonnigen und warmen November gegeben hat. Ich konnte sogar noch in der Mitte des Monates auf Berge klettern, die in anderen Jahren zu diesem Zeitpunkt bereits unter einer Schneedecke lagen.
Dabei ist derzeit sogar noch unklar, in welchem Rahmen ein Weihnachtsfest überhaupt möglich ist und diverse Feiern sowohl in der Familie als auch im beruflichen Umfeld bereits gestrichen wurden. Die Vorfreude auf Weihnachtsmärkte und Glühwein fällt ebenfalls weg.
Also wieso ist die Vorfreude ausgerechnet jetzt schon da? Wieso muss ich mich – gerade im Homeoffice – täglich daran erinnern, dass es wohl noch keine allzu gute Idee ist, kiloweise Weihnachtsguetzli zu backen, da ich sonst Ende Dezember höchstpersönlich das Weihnachtsmannkostüm mit dickem Bauch füllen würde?
Warum kann ich es gerade jetzt nicht erwarten, meinen Weihnachtspullover anzuziehen, sodass ich mir eine leicht weniger feierliche Version bestellt habe, um doch im November bereits ein bitzli Advent schon am Körper tragen zu können?
Ist die Sehnsucht nach Vertrautem in diesem Jahr einfach so viel stärker? Die Hoffnung, zumindest in der Weihnachtszeit sich auf Bekanntes verlassen zu können? Etwa darauf, dass man beim Versuch, die Lichterketten zu entwirren, bestimmt wieder schimpft wie ein Rohrspatz? Im letzten Moment merkt, dass man vergessen hat, ein Geschenk für eine wichtige Person zu besorgen? Oder sich einmal mehr vornimmt, sich am Weihnachtsabend mit all den feinen Gerichten nicht völlig zu überfressen und es dann wie jedes Jahr doch wieder zu tun?
Mit der Weihnachtsstimmung ist das so eine Sache. Entweder sie kommt viel zu früh, viel zu spät oder gar nicht. Den richtigen Zeitpunkt gibt es wohl gar nicht. Darum geniesse ich sie gerade einfach nur und bin froh, dass sie da ist.
Lea Chiapolini will doch eigentlich gar nicht so viel. Nur ein schönes Leben, gutes Essen, viel zu lachen und ab und zu etwas zu motzen. Und natürlich immer Recht haben. Aber dies ist ihr erstes Leben. Sie übt noch.
