Das ist für euch, ihr Schweden-Streber!
Eigentlich fing es ganz gut an mit mir und Schweden. Als typischer Vertreter meiner Generation wurde ich mit Astrid-Lindgren-Filmen sozialisiert, Pippi Langstrumpf war meine erste Liebe, der Abba-Singsang der Soundtrack meiner Kindheit.
Später dann übernahmen Schwedenpornos meine Aufklärung und ermöglichten mir zaghafte Gehversuche in einer Fremdsprache: «Hej, jag kommer att lägga ett rör», «Hallo, ich komme, um ein Rohr zu verlegen». Und schliesslich schenkte mir das erste Ikea-Regal in fast schon liebevoller Art und Weise die Einsicht, doch besser keine Karriere als Handwerker einzuschlagen.
Hach, Schweden!
Mit der Zeit musste ich feststellen, dass auch andere Menschen Schweden mögen – und daraus kein Geheimnis machten. Im Gegenteil. Schweden wurde hier zu Lande stets als herausragendes Beispiel genannt, wenn es um die Vereinbarkeit von Beruf und Famillie geht, die Gleichberechtigung, die soziale Wohlfahrt, das Schulsystem, die ausserfamiliäre Kinderbetreuung, die Verkehrssicherheit, den Umweltschutz, das Gesundheitswesen.
Und dann auch noch die Rechten
Das war noch einigermassen zu ertragen, weil die Lobhudeleien immer von der politisch linken Seite kamen. Doch mit Corona gerieten auch die Bürgerlichen und Rechten in eine regelrechte Schweden-Euphorie. Sie, die eben noch über die hohe Steuerbelastung und die verweichlichten Sozialschmarotzer in Europas Norden geschnödet hatten, fanden plötzlich, dass es die Schweden gaaanz toll machen mit der Eigenverantwortung in Zeiten der Pandemie.
So unglaublich viel Lob lässt nur einen Schluss zu: Schweden ist ein verdammter Streber, ein Land, das immer besser sein will als die anderen und sich bei allen einschleimt. Ein Land, das eindeutig eine Abreibung verdient hat. Und zwar eine richtige. Wie war das damals in der Schule? Strebern wurde erst der Znüni geklaut, dann wurden sie verprügelt und schliesslich hat man sie an den Unterhosen an der Garderobe aufgehängt. Richtig so!
Jag kommer, jag kommer, jag kommer!
Doch wie macht man das mit einem Land? Das Essen wegfuttern fällt schon mal aus, denn ausser Köttbullar gibt es wirklich nichts, was nicht sauer eingelegt oder in Mayo-Tunke ertränkt ist. Verprügeln geht auch nicht. Zu langweilig. Denn was für ein Gegner ist ein Land, in dem Kampfsport bis vor Kurzem verboten war und Boxkämpfe heute höchstens über sechs Runden gehen dürfen? Tja, und dann die Sache mit der Unterhose. Natürlich könnte man jetzt irgendeinen Ikea-Angestellten packen und an einem Billy-Regal aufhängen. Aber die Chance, tatsächlich einen Schweden zu erwischen, wäre verschwindend klein. Und selbst wenn – als Denkzettel für ein ganzes Land würde das niemals reichen.
Also nehmt das, ihr Schweden: Eure Corona-Regeln waren nämlich nur deshalb so locker, weil ihr eure Alten loswerden wollten, um das Geld für die Rente zu sparen. Dass ihr das Rentenalter auf 68 Jahre erhöht habt, da sich euer Sozialstaat nicht mehr finanzieren lässt, hat euch nicht gereicht. Weil ihr dank eurem fast schon pathologischen Hang zur Harmonie mit Verbrechern jahrelang viel zu kuschlig umgegangen seid, habt ihr jetzt ein massives Bandenproblem. Und kein Wunder fällt es vielen von euch leicht, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen – in einem Land, in dem 52 Prozent der Menschen kinderlos in einem Singlehaushalt leben.
Und jetzt noch zu euren Pornos. Die waren nämlich richtig, richtig grusig. Zu viel rotbraunes Schamhaar, dieses ohrenbetäubende Gestammel, und die Männer liessen immer ihre Socken an. Einfach widerlich. Damit ihrs wisst: Meinen Orgasmus habe ich imfall nur vorgetäuscht.
Thomas Bacher ist überzeugt davon, dass die Welt um ihn herum immer verrückter wird. Seinen Psychiater möchte er damit nicht belästigen, viel lieber schreibt er darüber.
