Liebe Migros, bitte nimm auch die Schnäggli aus dem Sortiment
Liebes Migros-Team
Mit diesem Schreiben möchte ich mich ganz herzlich bei euch dafür bedanken, dass ihr diese unsäglich rassistischen Mohrenköpfe aus dem Sortiment entfernt habt. Ebenso lobenswert ist euer Entscheid, diese unappetitlichen, sexistischen Tragtaschen zu zerstören. Allerdings gibt es noch sehr viel zu tun. Ich habe euch eine Liste mit Produkten aufgesetzt, die ihr in den nächsten Tagen bitte auch noch aus dem Angebot entfernt.
Bio Max Havelaar Basmati Langkornreis: Das Bild des Reisbauern mit geflochtenem Strohhut auf der Verpackung entspricht der stereotypen, im Kern rassistischen Vorstellung, welche weisse Industrienationen-Bewohnende von der stolzen Landbevölkerung Südostasiens haben.
Eissplitter: Diese Bonbons bagatellisieren die wissenschaftlich anerkannte Tatsache, dass Gletscher und Eisschilde aufgrund des Klimawandels TATSÄCHLICH splittern. Die Verpackung mit dem Eisbären, der auf eine kleinen Eisscholle treibt, ist zudem eine unangebrachte Verhöhnung der Opfer dieser menschgemachten Katastrophe.
Avocados: Die Bezeichnung geht auf das Azteken-Wort «ahuacatl» zurück, welches auch «Hoden» bedeutet. Die Omnipräsenz dieses Symbols männlicher Dominanz und Unterdrückung in der Auslage lässt sich mit dem Manspreading im öffentlichen Verkehr gleichsetzen. Verbieten!
Schaumküsse, diverse Sorten: Sexualisierung einer Süssigkeit allein zum Zweck der Verkaufsförderung.
ABC-Suppe: Solange diese Buchstabensuppe nicht in Leichter Sprache angeboten wird, schliesst sie Personen mit Lese-/Schreibschwäche oder einer Lernbehinderung aus. Ausserdem ist auf der Verpackung ein Warnhinweis nötig, dass die Konsumierenden mit den Buchstaben keine Worte bilden dürfen, die gegen die Antirassismus-Strafnorm verstossen oder die sexuelle Integrität von Frauen* und Transmenschen tangieren.
Actilife Wellness Crisp: Die Darstellung einer jungen Familie auf der Verpackung könnte für unfreiwillige Singles verstörend wirken.
Urner Chäsli: Die Abbildung des Stiers auf der Käseverpackung wirkt übergriffig und pornografisch. Stiermilch??? Das ist reinstes Bukkake in Käseform. Einfach widerlich!!!
Bon Chef Tierlisuppe: Durch die Teigwaren in niedlicher Tierform werden Kinder dazu angestiftet, Fleisch zu essen. Eine Gehirnwäsche der imperialistischen Schlachtindustrie. Dass auch Pasta-Hunde in der Suppe landen, macht es besonders abstossend, handelt es sich dabei doch um eine unrechtmässige kulinarisch-kulturelle Aneignung chinesischer Essensgewohnheiten.
Müscheli und Schnäggli, Teigwaren: Diese infantile Verniedlichung des primären Sexualorgans der Frau* zieht die weibliche* Sexualität ins Lächerliche. Wenn ihr euch nicht getraut, Teigwaren-Vulvas zu verkaufen, dann lasst es.
Und bitte verzichtet künftig darauf, Pflanzen in der Auslage in die willkürlichen Kategorien «Früchte» und «Gemüse» zu unterteilen. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich so manche Cherrytomate eher als Frucht fühlt. Ebenfalls identifizieren sich ganz bestimmt nicht wenige Melonen eher mit Gurken als mit Äpfeln und Birnen.
Vielen Dank für eure Bemühungen und liebe Grüsse
Thomas Bacher
P.S. Und jetzt hätte ich noch ein persönliches Anliegen: Bitte nehmt unbedingt auch die Salatgurken aus dem Angebot. Es ist für Männer sehr verletzend, beobachten zu müssen, wie Kundinnen die kleinen, krummen Exemplare verächtlich zur Seite schieben, um an die stattlichen, geraden zu gelangen.
Thomas Bacher ist überzeugt davon, dass die Welt um ihn herum immer verrückter wird. Seinen Psychiater möchte er damit nicht belästigen, viel lieber schreibt er darüber.
