Wenn die Aliens kommen
Letzten Sommer habe ich Ufos gesehen. Ich wollte gerade vergammeltes Brot in die Biotonne werfen, da entdeckte ich sie am Horizont: neun Lichter in perfekter geometrischer Anordnung, komplett bewegungslos. Laut schreiend rannte ich zurück in die Wohnung auf der Suche nach Zeugen.
Mein Teenie-Sohn bequemte sich schliesslich aus seiner entspannten Liegehaltung. Doch als wir draussen standen und ich ihm die epochale Entdeckung zeigen wollte, schaute er mich nur mitleidig von der Seite an. Okay, jetzt sah ich es auch: Das waren keine Ufos, sondern eindeutig Himmelslaternen wohl von irgendeiner Hochzeit, die aus einem lustigen Zufall für Sekunden in einer strengen Dreiecksformation über meiner Hometown geschwebt sein mussten.
Der Alien-Magnet
Natürlich war ich enttäuscht, aber irgendwie auch erleichtert. Denn in dem Moment, wo Ausserirdische die Erde besuchen, wird nichts mehr so sein wie zuvor,das ist unbestritten. Vielleicht würde es besser werden, vielleicht auch schlechter, aber ich bin nun mal kein Freund von Veränderungen. Seit meiner Beinahe-Sichtung beschäftigt mich allerdings vor allem die eine Frage: Was soll ich den Ausserirdischen anbieten?
Denn die Chance ist ziemlich gross, dass die Aliens auf dem Gartensitzplatz vor meiner Wohnung landen werden. Hier muss irgend so ein besonderes Erdmagnetfeld sein. Schliesslich gehen bei uns sämtlich Nachbarskatzen ein und aus, obwohl wir die nie füttern. Die Leute geben bei uns ihre Hunde ab, wenn sie in die Ferien fahren. Und wo hängen die Kollegen meiner Kinderchen ab? Eben.
Was also anbieten? Denn billigen Whisky oder den billigen Wodka? Soll ich ihnen ein paar Eier in die Pfanne hauen? Oder möchten sie vielleicht lieber eine der herumliegenden Katzen essen? Womöglich kommen sie aber auch nur vorbei, um ein wenig Spacegras zu rauchen und dazu Netflix zu kucken.
Was aber, wenn sie in einer missionarischen Mission unterwegs sind und sich mit meiner Frau paaren wollen, um den Genpool der Menschheit aufzubessern und damit der doch eher lahmenden Entwicklung auf der Erde ein wenig auf die Sprünge zu helfen? Würde ich bei aller Bereitschaft zur Völkerfreundschaft so tolerant sein wie einst Josef, der es zuliess, dass seine Frau das Kind eines anderen austrug?
Äh, das hatten wir doch schon mal
Wo wir schon beim Thema sind. Ich darf auf keinen Fall vergessen, die Rollläden runter zu lassen. Denn natürlich werden die Leute aus allen Himmelsrichtungen und mit Geschenken bepackt herbeiströmen, wenn sie mitbekommen, wie das leuchtende Alien-Raumschiff auf meinem Gartensitzplatz landet. Sicher ist: Wenn sie dann meine Alien-Freunde zu Gesicht bekommen, geht das ganze Theater mit Anbeten und Verfolgen und Peitschen und den Löwen wieder von vorne los. Und ich finde wirklich, dass das eine Mal mehr als gereicht hat. In diesem Sinne: schöne Weihnachten allerseits.
Thomas Bacher ist überzeugt davon, dass die Welt um ihn herum immer verrückter wird. Seinen Psychiater möchte er damit nicht belästigen, viel lieber schreibt er darüber.
