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Blaulicht

Unbekannte Armee-Organisation

Sie löschen an Orten, wo andere nicht hinkommen

Vom potenziellen Zwischenfall in einem unterirdischen Depot bis zur überschwemmten Kaserne: Der Einsatzbereich der Armeefeuerwehr, die von Hinwil aus operiert, umfasst einen Drittel der Schweiz. Und sie ist an Orten aktiv, die teilweise öffentlich nicht zugänglich sind.

Eine grosse Truppe: ein Teil der Fahrzeuge und des Teams der B+F VBS ALC-Hinwil.

Foto: Yannik Brügger

Sie löschen an Orten, wo andere nicht hinkommen

Unbekannte Armeeorganisation

Vom potenziellen Zwischenfall in einem unterirdischen Depot bis zur überschwemmten Kaserne: Der Einsatzbereich der Armeefeuerwehr, die von Hinwil aus operiert, umfasst einen Drittel der Schweiz. Und sie ist an Orten aktiv, die teilweise öffentlich nicht zugänglich sind.

B+F VBS ALC-Hinwil. Hinter dieser kryptischen Abkürzung verbirgt sich eine ganz besondere Blaulichtformation: die Betriebsfeuerwehr (B+F) des Armeelogistikcenters (ALC) Hinwil des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS). Im ALC – älteren Semestern besser bekannt unter der früheren Bezeichnung AMP (Armee-Motorfahrzeug-Park) – findet am 13. Juni die Delegiertenversammlung des Schweizerischen Feuerwehrverbands (SFV) statt.

Von der Kaserne bis zum unterirdischen Lager

Auch die B+F wird dann dabei sein und zusammen mit der zivilen Stützpunktfeuerwehr Hinwil die Gäste betreuen. Der Einsatz am Grossanlass ist zwar ungewöhnlich, aber bei Weitem nicht das Ungewöhnlichste, mit dem sich die Formation befasst.

Denn die in der Öffentlichkeit kaum bekannte B+F VBS ALC-Hinwil ist nicht wie eine herkömmliche Betriebsfeuerwehr einfach für ein Fabrikgebäude und einen Büroanbau zuständig, sondern für militärische Einrichtungen. Zu den Objekten des halt besonderen Betriebs namens Armee gehören etwa Unterkünfte für teilweise mehrere hundert Menschen. Dazu kommen spezielle Anlagen, Material- und Tanklager sowie weitere Infrastruktur.

Und: Ein Teil der potenziellen Einsatzorte befindet sich unter der Erde. Auf Einzelheiten dazu gehen die Verantwortlichen jedoch nicht ein – nicht zuletzt wegen der angespannten internationalen Sicherheitslage.

Grösste Betriebsfeuerwehr des Lands

Schon die Aufzählung dieser wenigen Objekte zeigt, in welch ungewöhnlicher Umgebung die B+F aktiv ist. Doch noch eindrücklicher ist das geografische Einzugsgebiet: Es umfasst acht Ostschweizer Kantone und damit rund einen Drittel der Fläche des Lands.

Thomas Brügger, Kommandant der B+F VBS ALC-Hinwil, neben einem Einsatzfahrzeug. 
Thomas Brügger, Kommandant der B+F VBS ALC-Hinwil. 

Armeefeuerwehren wie diejenige mit dem Hauptquartier in Hinwil gibt es in der Schweiz noch ein halbes Dutzend. Damit stellt die Armee die mit Abstand «grösste Betriebsfeuerwehr des Lands» mit mehreren hundert Mitgliedern, wie der Hinwiler Kommandant Major Thomas Brügger sagt. Brügger ist ausgebildeter Berufsfeuerwehrmann mit Erfahrung in grossen Korps und seit bald vier Jahrzehnten in der Branche aktiv.

Fahrzeuge in Rot, Grün und Weiss

Brüggers Kommandantenjob ist eine 100-Prozent-Stelle. Der Rest der Betriebsfeuerwehr basiert jedoch auf dem Milizsystem. Das heisst, die ALC-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter rücken ab ihrem Arbeitsplatz aus, wenn ein Alarm reinkommt. Wer bei der B+F mitmachen will, durchläuft dieselbe Ausbildung wie ein ziviler Feuerwehrmann. Allerdings muss er sich zusätzlich einer Personensicherheitsprüfung unterziehen.

Auch die Ausrüstung der Armeefeuerwehrleute, deren Jacken die Rückenaufschrift «Feuerwehr VBS» tragen, ist mehr oder weniger dieselbe wie diejenige ihrer zivilen Kollegen. Ausser dass die Armee beispielsweise über spezielle Atemschutzgeräte verfügt, die länger dauernde Einsätze in unterirdischen Anlagen erlauben. Und dass die an verschiedenen Standorten stationierten Fahrzeuge nicht nur im klassischen Feuerwehrrot unterwegs sind, sondern auch im dunklen Militärgrün sowie in Weiss. Zudem wird in seltenen Fällen zum Ausrücken an spezielle oder weit entfernte Orte auch schon mal einer der grossen Transporthelikopter der Luftwaffe benötigt.

Auch Einsätze wegen falsch betankter Autos

Die B+F VBS ALC-Hinwil leistet laut Brügger pro Jahr rund 70 bis 80 Einsätze. Nicht über alle davon liest man etwas in den Medien, da die Einsätze teilweise auf Armeegeländen stattfinden, die nicht öffentlich zugänglich sind.

Feuerwehrjacke mit Aufschrift «Feuerwehr VBS».
«Feuerwehr VBS»: Eine Uniform mit Rückenaufschrift, die man kaum je zu Gesicht bekommt.     

Wie ihre zivilen Kollegen rücken die Armeefeuerwehrleute am häufigsten wegen (falscher) Alarme von automatischen und bewusst sensibel eingestellten Brandmeldeanlagen aus. An zweiter Stelle in der Statistik folgen Ölwehreinsätze. Der Klassiker hier: Jemand betankt auf einem Waffenplatz ein Fahrzeug nicht korrekt, fährt los, es läuft «Most» aus, und das führt zu einer langen Dieselspur, die schnellstens gereinigt werden muss.

Weitere Einsätze betreffen etwa einen Wasserschaden in einer Kaserne. Oder es kommt beispielsweise zu einer Rauchentwicklung infolge eines technischen Defekts oder zu einem Brand auf einem Schiessplatz.

Entwicklung hin zu Modulfahrzeugen

Die Armeefeuerwehr soll in den nächsten Jahren materiell optimiert werden. Laut Thomas Brügger bedeutet das, dass etwa die vielen kleinen Fahrzeuge tendenziell durch weniger und andere Fahrzeuge ersetzt werden, auf denen dann je nach Bedarf verschiedene Ausrüstungsmodule mitgeführt werden können. Zudem wird es zu einer Reduktion des Personalbestands kommen. Das dürfte dann immerhin zu einer Entspannung der gemäss Brügger «immer schwieriger werdenden» Nachwuchsgewinnung für die Betriebsfeuerwehr führen.

Wegen G7-Gipfel: Hinwil statt Genf als Versammlungsort

Am zweiten Samstag im Juni findet auf dem Gelände des Armeelogistikcenters (ALC) Hinwil die Delegiertenversammlung (DV) des Schweizerischen Feuerwehrverbands (SFV) statt. Das Spezielle daran: Diese Versammlung hätte eigentlich erst im kommenden Jahr, also 2027, im Kanton Zürich abgehalten werden sollen und heuer in Genf. Nachdem jedoch bekannt geworden war, dass in derselben Periode im Juni im französischen Évian der G7-Gipfel stattfindet, der auch die unmittelbar benachbarte Schweizer Seite der Genferseeregion zum Hochsicherheitsgebiet macht und viele Kräfte von Sicherheitsorganisationen bindet, musste die Durchführung in der Westschweiz abgesagt werden.

Dank enormer Flexibilität und viel Arbeit in kurzer Zeit schaffte es ein Organisationskomitee unter dem Hinwiler Beat Hirter, die Lücke zu füllen und die DV nun quasi ein Jahr früher im Zürcher Oberland auf die Beine zu stellen. «Es war eine Herausforderung», wie Hirter, der auch den Kantonalen Feuerwehrverband Zürich präsidiert, sagt – unter anderem, weil auf dem ALC-Gelände besondere Sicherheitsvorkehrungen gelten und man dort nicht wie in irgendeinem Kongresszentrum einfach reinlaufen kann. Am Anlass werden gegen 300 Besucher erwartet, darunter Vertreter der nationalen und der kantonalen Politik. (ehi)

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