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Region erschüttert

Heftige Explosion bei Illnau: Zwei Verletzte nach geplanter Sprengstoff-Vernichtung

In Illnau-Effretikon kam es am Mittwoch kurz nach Mittag zu einer heftigen Detonation. Die Kantonspolizei Zürich spricht von einem Unfall bei der «ordentlichen Vernichtung von mehreren hundert Kilogramm Sprengstoff».

Am Mittwochmittag kam es auf dem Tätsch-Areal bei Illnau zu einer Explosion – auf dem Bild ist die Rauchwolke von der Aussenwacht Luckhausen aus zu sehen.

Foto: Simon Binder

Heftige Explosion bei Illnau: Zwei Verletzte nach geplanter Sprengstoff-Vernichtung

Region erschüttert

In Illnau-Effretikon kam es am Mittwoch kurz nach Mittag zu einer heftigen Detonation. Die Kantonspolizei Zürich spricht von einem Unfall bei der «ordentlichen Vernichtung von mehreren hundert Kilogramm Sprengstoff».

Am Mittwochnachmittag kam es am Waldrand nordwestlich von Illnau kurz nach 13 Uhr zu einem lauten Knall und einer starken Druckwelle. Auf Bildern ist ausserdem eine grosse Rauchwolke zu sehen. «Wir haben das detonationsartige Geräusch bis zu uns gehört und gedacht, die Scheiben zerbersten. Es klang wie eine Bombe», sagte Carmela Gaudio gegenüber dieser Redaktion. Sie wohnt in Turbenthal, das sich über zehn Kilometer vom Ort des Geschehens entfernt befindet. Der Erdbebendienst registrierte den lauten Knall um 13.07 Uhr als Explosion.

Detonation auf dem Tätsch-Areal

Im Verlauf des Nachmittags kristallisierte sich heraus, dass sich die Explosion bei der Aussenwacht Luckhausen ereignet hatte, genauer auf dem Areal der Versuchs- und Schulungsanlage Tätsch. Dort werden regelmässig Brand- und Sprengmittel getestet. Bei der «ordentlichen Vernichtung von mehreren hundert Kilogramm Sprengmaterial» sei es wider Erwarten zu einer Explosion gekommen, vermeldete die Kantonspolizei Zürich auf X schliesslich am Mittwochabend.

Ferner gab Kapo-Mediensprecher Florian Frei gegenüber «20 Minuten» weitere Details preis: So habe das Sprengmaterial eigentlich abbrennen sollen, stattdessen sei es aber zu einer unkontrollierten Explosion gekommen. Diese habe wiederum zu einer starken Druckwelle geführt, die in der gesamten Region spürbar gewesen sei. «Das Schadensausmass können wir aktuell noch nicht benennen», so Frei.

Die zwei Personen, die die Sprengung durchführten, wurden bei der Explosion leicht verletzt. Sie sind aber laut Frei inzwischen wieder aus der medizinischen Behandlung entlassen worden. «Weitere Befragungen der Personen müssen nun klären, wie es zu dem Vorfall kam.»

Feuerwehrautos und Polizei auf dem Schulungsgelände von Tätsch
Zwei Personen wurden bei dem Vorfall leicht verletzt.

In zahlreichen Geschäften zerbarsten die Scheiben

In mehreren Geschäften in Unter-Illnau zerbarsten infolge der Druckwelle Scheiben respektive Schaufenster. So etwa bei Schoggi-Land Illnau an der Kempttalstrasse. «Einen solch lauten Knall habe ich noch nie in meinem Leben gehört. Ich dachte zuerst, ein Auto sei in mein Geschäft geknallt», berichtet Mohamad Chreif, der Besitzer. «Die Scheibe hat es in den Laden reingedrückt. Glücklicherweise war ich in einem anderen Raum.» Während des Vorfalls seien keine Kunden im Ladenlokal gewesen.

Im selben Gebäude ist auch die Illuma Licht AG untergebracht. Auch beim Beleuchtungsspezialisten gingen zwei grosse Schaufensterscheiben zu Bruch. Genauso wie beim Autohaus Uster, wo verschiedene Scheiben zerbarsten. Das Garagenteam hat die kaputten Schreiben mit Plastikelementen behelfsmässig abgedeckt. Mechaniker Fabrizio dachte zuerst «da sei einer mit 200 km/h in die Garage gedonnert».

Auch im Blumenladen «Gueti Idee» an der Usterstrasse, etwa einen Kilometer entfernt, wurden durch die Detonation Scheiben zertrümmert. Inhaberin Barbara Götschi war nicht im Geschäft, als es passierte, wurde aber von Nachbarn alarmiert. «Glücklicherweise sind die Temperaturen höher als in der letzten Woche. Letzte Woche wären meine Blumen alle erfroren.» Immerhin kam schnell Hilfe, bereits nach 15 Uhr wurde ihr kaputtes Schaufenster provisorisch mit einer schwarzen Holzplatte verschlossen.

Landwirt: «Dieser Knall war hundertmal heftiger als sonst»

Simon Binder, Landwirt aus Luckhausen, hat seinen Hof rund 200 Meter Luftlinie vom Tätsch entfernt. Er berichtet ebenfalls von einem Knall. «Es hat mir die Rolltore der Scheune eingedrückt. Wir wollten gerade die Kinder ins Bett bringen, als es plötzlich laut krachte.» Und weiter: «Wir sind laute Knalle vom Areal gewöhnt, aber dieses Mal war es hundertmal heftiger als sonst.»

Am späteren Nachmittags gab dann auch die Stadt Illnau-Effretikon auf ihrer Homepage Entwarnung. Betroffene Personen können allfällige Schäden unter der Nummer 058 648 48 48 melden, heisst es dort.

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Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

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