Über 250 Motorräder kontrolliert – so genau schaute die Polizei hin
Grosse Polizeiaktion im Tösstal
Gleichzeitig an zwei Orten im Oberland hat die Kantonspolizei am Sonntag Motorräder unter die Lupe genommen. Und über sicheres Töfffahren aufgeklärt – bei Kaffee und Kuchen.
Sonnenschein, blauer Himmel, angenehme Frühlingstemperaturen und trockene Strassen: Es war optimales Töffwetter am Sonntag. So ging es denn auch keine zwei Minuten, und der Platz in Lipperschwendi, direkt an der Hauptstrasse zwischen Fischenthal und Bauma, wo die Kantonspolizei Zürich am Nachmittag eine Kontrollstelle eingerichtet hatte, war voll mit Motorrädern.
Die meisten ändern an ihrer Maschine etwas
Vom Elektrobike über Quads bis zum imposanten 1200er-Tourer: Alle gestoppten Gefährte wurden überprüft, «ob sie technisch in einem korrekten Zustand sind», wie Kantonspolizei-Medienchef Patrick Céréda vor Ort erklärte. Zudem kontrollierte man, ob die Lenkerinnen und Lenker mit einer gültigen Fahrerlaubnis unterwegs waren.
Die technische Kontrolle ist nötig, wie sich zeigte, denn an sehr vielen Töffs wurden nach dem Kauf Änderungen vorgenommen. Und diese Änderungen führen einerseits oft zu mehr Lärm, andererseits können sie die sogenannte Betriebssicherheit des Zweirads massiv negativ beeinflussen.
So, wie beispielhaft ein schwerer Fall zeigt, der entdeckt wurde. Ein Lernfahrer, noch keine 20 Jahre alt, war mit einem sportlich ausgelegten Töff unterwegs, bei dem sowohl am Hinter- wie auch am Vorderreifen das Mindestprofil von 1,6 Millimetern unterschritten wurde und zudem der Kupplungshebel defekt war. Die Maschine wurde sogleich stillgelegt.




Spezialisten im Einsatz
Für die Suche nach unerlaubten Auspuffanlagen, zu kleinen Rückspiegeln, fehlenden Blinkern oder Rücklichtern, die irgendwohin Richtung Himmel statt nach hinten leuchteten, waren Fahrzeugspezialisten der Polizei im Einsatz.
Diese Techniker, die alle eine Fachausbildung zum Beispiel als Automechaniker haben, «wissen, wie ein Motorrad aussehen und tönen muss», wie es Patrick Céréda formulierte. Je nachdem, was die Spezialisten dann entdeckten, lässt sich die Sache mit einer Belehrung erledigen, Schwerwiegenderes führt dann aber zu einem Strafverfahren.
Landfrauen spendierten Zvieri
Neben den Technikspezialisten waren auch Präventionsspezialisten anwesend. Sie gaben den Motorradfahrern am zweiten Kontrollort in Sternenberg, das von Töfflärm geplagt wird, Informationen zum sicheren und in Bezug auf die «Motorensound-Produktion» rücksichtsvollen Fahren weiter. Informationen zum Beispiel über die richtige Töffbekleidung, wie sie mindestens am Sonntag die meisten trugen – Biker in Turnschuhen und mit einem kurzärmligen Shirt waren die absolute Ausnahme.
Die Informationsvermittlung in Sternenberg passierte auf sehr bekömmliche Art: Die am Kontrollpunkt auch anwesenden Vertreterinnen des Landfrauenvereins Bauma spendierten allen Kuchen und Kaffee. Ein Angebot, das die meisten Zweiradfahrer annahmen und das auch für viele Komplimente sorgte.

Fünf gingen ohne ihren Töff nach Hause
Letztlich wurden am Sonntag über 250 Motorräder und ihre Fahrerinnen und Fahrer kontrolliert. Dabei kam es zu fünf Fahrzeug-Stilllegungen, sieben Verzeigungen, elf Bussen und elf Verpflichtungen, das Gefährt demnächst zu reparieren oder sogar im Strassenverkehrsamt vorzuführen. Beim Grossteil derjenigen, die in der Kontrolle hängen blieben, waren nicht mehr betriebssichere Reifen der Grund.
Trotz allem ein polizeiliches Kompliment
Für die Kantonspolizei hat die Kontrolle ihr Ziel erreicht: Es wurde eine Reihe sicherheitsrelevanter Mängel an Motorrädern erkannt, die Biker sahen, dass die Fahrzeugspezialisten sehr wohl drauskommen, was technisch erlaubt ist und was nicht, und Präventionsbotschaften konnten im direkten Gespräch vermittelt werden.
Und das alles in einer auffallend entspannten Atmosphäre auf beiden Seiten. Oder wie ein Töfffahrer sagte: «Es ist völlig locker hier.»
Auch die Polizei zieht deshalb «ein sehr positives Fazit». Ja, laut Céréda darf man den meisten Motorradfahrern durchaus «ein Kompliment machen».
