Als um die Mittagszeit eines Märztages 2019 der Rettungsdienst in einer Wohnung in Rüti eintraf, war es bereits zu spät: Die Helfer konnten nur noch den Tod der dort liegenden Frau feststellen. Wie Untersuchungen zeigten, war die 27-Jährige an einer Überdosis von mindestens einer aufgelösten und dann gespritzten Tablette Diaphin gestorben.
Diaphin besteht aus pharmazeutischem Heroin, das Schwerstabhängigen zur sogenannten Substitutionsbehandlung mit dem Endziel einer Drogenabstinenz verschrieben wird. Solche Therapien erfolgen in der Schweiz unter streng kontrollierten Bedingungen; das Medikament gibt es denn auch nur auf ärztliche Verschreibung hin.
Zehn Monate Gefängnis gefordert
Bei ihrem Tod und in den Stunden davor war die Frau allerdings nicht alleine, befand sie sich doch im Zimmer ihres Freundes. Und diesem Mann machte der Staatsanwalt, der sich mit dem Fall befasste, einen Vorwurf: Er hätte früher Hilfe herbeirufen müssen. Denn ihm, ebenfalls Rauschgiftkonsument, sei «aufgrund seiner eigenen Erfahrung» bekannt gewesen, dass das Medikament auch grosse Risiken habe.
Als seine Freundin dann nicht mehr ansprechbar war, «wusste er, dass ihr Leben in unmittelbarer Gefahr war». Dennoch habe er vorerst mit einem Notruf abgewartet und erst später den Rettungsdienst angefordert.

