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Polizei warnt erneut vor Telefongaunern im Raum Uster

In der Region sind Betrugsbanden unterwegs, die sich als Polizisten ausgeben, um ans Geld von Seniorinnen und Senioren zu gelangen. Eine Ustermerin hat letztes Jahr am eigenen Leib miterlebt, wie die feige Masche der Täter funktioniert.

Die Polizei warnt vor Telefonbetrügern.

Foto: Twitter / Stadtpolizei Uster

Polizei warnt erneut vor Telefongaunern im Raum Uster

Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel erschien im Dezember 2021. Der jüngste Tweet der Polizei lässt die Geschichte einer Betroffenen wieder aufleben.

 

Ein Schweizer Polizist der kein Wort Mundart spreche, sei grundsätzlich verdächtig. So schilderte es die Stadtpolizei Uster einer betroffenen Dame aus Uster, die kürzlich beinahe auf einen Betrug einer Bande hereinfiel. Diese operiert mutmasslich von Deutschland aus und treibt in der Region Uster ihr Unwesen.

«Wenn ich mich recht entsinne, war es der 8. November, als ich um 16 Uhr völlig gedankenlos ans Telefon ging», meint die ältere Dame, die aus Sicherheitsgründen anonym bleiben möchte. «In der Regel hebe ich den Hörer nie ab, wenn ich von einer Nummer angerufen werde, die mir unbekannt ist.»

«Da wurde ich etwas stutzig, da wir in Uster eine eigene Stadtpolizei haben, doch hörte erst einmal aufmerksam zu.» 
Seniorin aus Uster

Da sie jedoch einen anderen Anruf erwartet habe, ging sie ans Telefon. «Eine bestimmende Stimme die auf Hochdeutsch sprach, grüsste mit dem Namen Martin HXXXX, von der Kantonspolizei Zürich.» Der Herr meinte umgehend, er verstehe kein Schweizerdeutsch und er bitte sie, auf Hochdeutsch zu sprechen. «Da wurde ich etwas stutzig, da wir in Uster eine eigene Stadtpolizei haben, doch hörte erst einmal aufmerksam zu», so die Dame.

«Einbrüche in ihrem Quartier»

Der Herr habe davon gesprochen, dass im Wohnquartier der besagten Rentnerin kürzlich mehrere Einbrüche verübt worden seien. «Wie es der Zufall wollte, klang dies sehr plausibel und glaubhaft, da am Abend zuvor tatsächlich richtige Polizisten im Dunkeln mit Taschenlampen unterwegs waren und wohl nach verdächtigen Personen suchten», erklärt die Dame.

Die Polizei wolle unbedingt weitere Einbrüche verhindern, weshalb sie sofort wissen müsse, wie viel Bargeld sie zuhause habe. «Ich sagte, ich wisse nicht, wie viel Geld ich zuhause aufbewahre.»

Der Herr habe jedoch nicht lockergelassen, so die Seniorin. Er habe genau wissen wollen, wie viel Geld sie bei sich zuhause habe und ob sie noch andere Vermögenswerte wie Goldschmuck oder Goldbarren besässe, damit man das Prozedere weiterführen könne.

«Die Masche des angeblichen Polizisten war zu Beginn so glaubhaft, da er davon sprach, dass man bei zwei bewaffneten und mit Einbruchswerkzeug ausgestatteten Männern, die man kürzlich gefasst habe, meinen Namen in einem Notizblock gefunden habe.» Deshalb sei es ihm ein solch grosses Anliegen, sich sofort um ihre Sicherheit zu kümmern.

Penetrantes Vorgehen

Die betroffene Dame spricht trotz der Abneigung gegenüber dem Anrufer beeindruckt von dessen Vorgehen. «Die Art und Weise, wie der Herr sprach, war sehr penetrant, überzeugend und unglaublich schnell wie fordernd.» Es sei immer mehr Druck aufgebaut worden. «Endgültig unglaubhaft wurde es jedoch, als er als Beweisgarantie, dass er Polizist sei, davon sprach, dass ich eine bestimmte Nummer wählen könne.»

Bei der Aufzählung der Ziffern habe der Betrüger die Polizeinummer 117 explizit hervorgehoben. Er erwarte ihren baldigen Rückruf, damit sie ihm mitteilen könne, wie viel Geld sich in ihrer Wohnung befinde.

«Die Art und Weise, wie der Herr sprach, war sehr penetrant, überzeugend und unglaublich schnell wie fordernd.»

Anruf bei der echten Polizei

Nachdem das Gespräch beendet war, rief die Dame sofort die Kantonspolizei Uster an und schilderte ihr Erlebnis. Diese habe sogleich erklärt, dass es sich um einen Betrüger handle, wie sie in letzter Zeit in Uster öfters zum Vorschein treten würden. «Innerhalb von 15 Minuten waren zwei Beamte in Zivil vor Ort, die mir ihren richtigen Ausweis zeigten und all meine Angaben aufnahmen.»

Diese hätten gemeint, dass das Interesse des Betrügers wohl nicht nachhaltig sei, da sie keine konkrete Summe erwähnt habe. «Ich hätte für die Polizei gerne den Lockvogel gegeben und bis zu einer arrangierten Übergabe mitgespielt.» Da sich der falsche Polizist wohl mangels Interesses nicht mehr meldete, habe sich eine Lockvogelstrategie erübrigt.

«Ich hätte für die Polizei gerne den Lockvogel gegeben und bis zu einer arrangierten Übergabe mitgespielt.»

Gezielt ausgewählt

Weiterhin irritiert die Ustermerin die Tatsache, dass sie mit dem Anruf scheinbar gezielt ausgewählt wurde. «Offenbar haben die irgendein Register zur Verfügung, aus dem sie entnehmen können, wo ältere Menschen wohnen. Oder sie wählen Personen aus, deren Namen etwas älter oder unzeitgemäss klingen.»

Der aufgebaute Druck und die anfängliche Glaubwürdigkeit des Gesprächs werde sie so schnell nicht mehr vergessen. «Es handelt sich um eine feige Strategie und ich hoffe, dass ich mit meinen Schilderungen dazu beitrage, künftig versuchte Betrügereien an älteren Menschen zu verhindern.»

Kein neuer Trend

Gemäss der Stadtpolizei Uster handelt es sich bei Telefonbetrugsfällen um ein Phänomen, das wellenartig auftaucht und wieder abnimmt. Gewisse Bezirke würden jeweils systematisch «abgegrast», bis sich die Betrüger dem nächsten Bezirk zuwenden. Auch schon vor der Corona-Pandemie hätten kriminelle Banden Telefonbetrügereien als ein durchaus rentables Geschäft betrachtet.

Sachliche Informationen zu Telefonbetrügern findet man unter www.telefonbetrug.ch . Allein im Jahr 2020 kam es im Bezirk Uster zu 143 versuchten und vollendeten Telefonbetrugsfällen. (lda)

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