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Tempo 30 im Oberland auf dem Vormarsch

30 km/h statt 50km/h: In immer mehr Gemeinden im Zürcher Oberland wird die Anpassung der Geschwindigkeit auf Strassen und in Quartieren geprüft. Dabei kommen die Vorstösse oftmals aus der Bevölkerung.

In immer mehr Gemeinden im Zürcher Oberland wird die Einführung und Ausweitung von Tempo 30 geprüft.

Symbolbild: Seraina Boner

Tempo 30 im Oberland auf dem Vormarsch

Weniger Lärm, nachts besser schlafen und eine geringere Unfallwahrscheinlichkeit: Das möchte jede zweite Person in der Schweiz. Denn gemäss einer aktuellen Umfrage im Auftrag der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) unterstützen 52 Prozent der Bevölkerung die Einführung von Tempo 30 innerorts. Auch im Zürcher Oberland gibt es in zahlreichen Gemeinden das Bestreben, die Geschwindigkeit auf Strassen und in Quartieren zu reduzieren.

Zahlreiche Studien und Wirkungsanalysen belegen die Wirksamkeit von Tempo 30 zu Lärmminderungszwecken – und das gleich um mehrere Dezibel. Auch die Schwere von Unfällen mit schwächeren Verkehrsteilnehmern wie Passanten und Velofahrerinnen kann dabei minimiert werden.

Hinwil zögerlich, Wetzikon grossflächig

Bislang ist Hinwil, was die Einführung von Tempo-30-Zonen angeht, noch kein Vorreiter in der Region. Einzig in Wernetshausen gibt es Quartiere, in denen eine Tempo-30-Zone verfügt wurde. Das soll sich jetzt aber ändern. Erst im September hatte der Gemeinderat eine Petition der Einwohnerinnen und Einwohner für die Einführung einer Tempo-30-Zone im Quartier Zihl-/Sonnenhofstrasse gutgeheissen

«Eine flächendeckende Einführung von Tempo-30-Zonen soll die Verkehrssicherheit sowie Lebensqualität erhöhen.»

Pascal Bassu, Wetziker Stadtrat für Tiefbau + Energie

Eine grossräumige Einführung prüft derzeit die Stadt Wetzikon. «Eine flächendeckende Einführung von Tempo-30-Zonen soll die Verkehrssicherheit insbesondere der Schulwege sowie die Wohn- und Lebensqualität erhöhen», sagt Pascal Bassu (SP), Stadtrat Tiefbau + Energie. Der Verkehrsfluss in den verschiedenen Quartieren solle nicht beeinträchtigt werden, flüssiges Rollen bei tiefer Fahrgeschwindigkeit stehe dabei im Vordergrund.

Eine Voruntersuchung habe gezeigt, dass sich viele Quartiere in Wetzikon grundsätzlich für Tempo 30 eignen. Sobald die erforderlichen Gutachten der verschiedenen Zonen abgeschlossen seien und ein entsprechender Kostenvoranschlag vorliege, werde ein Gesamtkredit und somit die mögliche Einführung der Tempo-30-Zonen dem Parlament vorgelegt.

In Rüti, nach Wetzikon die zweitgrösste Gemeinde des Bezirks Hinwil, gilt bereits heute grundsätzlich Tempo 30 in Wohngebieten. Ausgenommen davon sind die Kantonsstrassen (Rapperswiler- /Ferrach- / Spital- und Dorfstrasse), die durch das Ortszentrum führen. Für die Breitenhofstrasse, welche die Rapperswiler- und Ferrachstrasse verbindet, gab die Gemeinde 2019 eine Verkehrsstudie in Auftrag, um eine mögliche Erweiterung der reduzierten Geschwindigkeitszonen zu prüfen. Diese schätzte die Realisierung von Tempo 30 auf den Kantonsstrassen im Zentrumsbereich von Rüti als schwierig ein.

Tempo 30 auf Kantonsstrassen

Dabei polarisiert das Thema von Tempo 30 auf diesen Strassen, die in der Hoheit des Kantons Zürich liegen, schon seit Jahren. Viele Gemeinden fordern eine Geschwindigkeitsreduktion an gefährlichen Stellen. Die Argumentation: Schutz der Kinder auf ihrem Schulweg oder der Anwohnerschaft vor Lärm.

Bereits seit 2015 gibt es eine Liste des Regierungsrats mit 20 Streckenabschnitten in 20 Gemeinden, darunter Illnau-Effretikon, Rüti, Turbenthal, und Wetzikon, auf denen die Voraussetzungen für eine Temporeduktion gegeben sind. Im März dieses Jahres fand der grüne Kantonsrat Thomas Schweizer eine Mehrheit für seine Motion, einen Kredit von mindestens fünf Millionen Franken zu sprechen, um für Temporeduktionen auf besagten Strecken bauliche Anpassungen und Signalisationsänderungen vorzunehmen.

Pfäffikon als «Vorreiter»

Aber auch auf Gemeindeebene mehren sich die Vorstösse aus der Bevölkerung, die eine Umsetzung von Tempo-30-Strassen fordern. Einer kommt beispielsweise von Chris Frei, der im vergangenen Juli eine Petition für Tempo 30 auf allen Quartierstrassen von Bäretswil und Adetswil lancierte. Auch in Russikon, Weisslingen und Illnau-Effretikon kamen Petitionen aus der Bevölkerung.

Bereits vor über 20 Jahren hatten in Pfäffikon viele Einwohnerinnen und Einwohner ihren Wunsch zur Einführung von Tempo-30-Zonen in ihrer Gemeinde kundgetan. Nach einer Abstimmung 2002 wurden in der Seegemeinde sieben Zonen realisiert. Seitdem gilt im Wesentlichen in Pfäffikon auf allen Strassen ausser Hauptstrassen Tempo 30.

Bevölkerung lanciert Petitionen

Gleiches dürfte auch bald in Greifensee Tatsache werden. Dort wurde an der Gemeindeversammlung vom 7. Oktober mit dem neuem Gesamtverkehrskonzept der Grundstein für flächendeckendes Tempo 30 gelegt.

In Schwerzenbach wurde bereits im Juni der kommunale Richtplan Verkehr an der Gemeindeversammlung verabschiedet. Gemeindepräsident Thomas Weber sagte im Mai, dass mittelfristig auf dem gesamten Gemeindegebiet mit nur noch 30 km/h gefahren werden dürfe.

Doch dass die Bevölkerung nicht immer hinter angestossenen Projekten zur Temporeduktion steht, lässt sich beispielhaft an Dübendorf und Uster zeigen, wo die Stimmbevölkerung Nein zu flächendeckenden Zonen sagte. Im Juni war in Dübendorf die Vorlage mit einem Nein-Stimmen-Anteil von 59 Prozent abgelehnt worden. Die Stadt scheiterte damit zum dritten Mal mit einer Tempo-30-Vorlage an der Urne.

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