Blaulichtfahrten sind auch für routinierte Angehörige von Polizei, Feuerwehr und Sanität immer Stresssituationen. Doch was ein Team des Rettungsdienstes Regio 144 AG, das zu einem Notfall in Hinwil unterwegs war, an einem Nachmittag Anfang 2020 erlebte, war absolut aussergewöhnlich: Ein Automobilist behinderte die Ambulanz massiv und mehrfach während des Einsatzes.
Vor und hinter Ambulanz «geklebt»
Die Anklage, die später zu dem Fall erstellt wurde, schildert, wie der Autofahrer auf der A 15 zwischen der Einfahrt Rüti und dem Dorfzentrum Hinwil mit überhöhtem Tempo rechts überholt und dem Rettungsfahrzeug quasi den Weg abgeschnitten hatte. Später gab er die Fahrbahn frei, sei aber mit viel zu geringem Abstand und zeitweise unter Ausnützung der Rettungsgasse der Ambulanz gefolgt. Dabei vollführte er Fahrmanöver, die «gefährliche Situationen und Beinahekollisionen» zur Folge hatten, wie die Kantonspolizei damals in einer Medienmitteilung zu dem Ereignis geschrieben hatte.
Dieser Tage nun musste sich der Autofahrer vor einer Einzelrichterin am Bezirksgericht Hinwil verantworten. Dort gab sich der 35-Jährige zwar wortkarg – präsentierte jedoch eine ungewöhnliche Erklärung für sein Verhalten. Er habe an jenem Nachmittag aus dem Geschäft, das er erst seit wenigen Tagen als Chef führte, einen Anruf erhalten, es sei ein Notfall mit einer Lernenden passiert. Die junge Frau sei bewusstlos. Und da er alleine aufgrund des Anrufs «nicht wusste, ob die Lehrtochter noch lebt oder tot ist», sei er in seiner Sorge sofort losgefahren.
Mit 135 km/h unterwegs

