«Ich bin beunruhigt, wenn wir nicht wissen, warum es brannte»
Täuscht das Gefühl oder hat es im laufenden Jahr im Oberland auffallend häufig gebrannt?
Bruno Fierz: Nein, dieser Eindruck täuscht nicht. Seit Anfang Jahr haben wir eine Häufung von Brandfällen. Aber davon ist nicht nur das Oberland betroffen, sondern dieses Bild zeigt sich im ganzen Kanton Zürich.
Über welche Periode wird dies ein aussergewöhnliches Jahr sein?
So genau haben wir es noch nicht angeschaut. Aber die Häufung ist sicher augenfällig. Wir werden dies detailliert prüfen. Wir sind normalerweise in einem Schwankungsbereich von plus-minus 100 Fällen. Wir verzeichnen ungefähr 1000 Brandfälle pro Jahr – ausser es gibt Brandstiftungsserien; von solchen sind wir zurzeit glücklicherweise nicht betroffen.
Stichwort Brandstiftung: Kommt einem das zuerst in den Sinn, wenn sie mit einer derartigen Häufung von Bränden konfrontiert sind?
Wir analysieren immer die Fallzahlen und Gebiete. Wenn wir eine Häufung erkennen, schauen wir natürlich immer als erstes auf solche Anzeichen.
« Manchmal kann die Ursache innert Minuten geklärt sein. »
Wie rasch lässt sich die Brandursache klären?
Das kann nicht generalisiert werden. Manchmal liefern uns Brandmittel- Spürhunde oder auch technische Hilfsmittel rasche Ergebnisse . Und dann hilft auch die Befragung von Zeugen. Manchmal kann die Ursache innert Minuten geklärt sein.
Beim Feuersturm am 10. Februar brannte in Bauma ein ganzer Weiler nieder. Sie bezeichneten diese Katastrophe als Jahrhundertereignis. Weiss man schon mehr zur Schadenssumme oder bleibt es bei den vier bis fünf Millionen Franken?
Grundsätzlich nehmen wir von der Polizei aus nur Grobschätzungen vor. Das ist natürlich sehr vage. Es kommt auf das Gebäude, die Bauweise und den Inhalt drauf an. Konkrete Aussagen über Gebäudeschäden könnte allenfalls die Gebäudeversicherung machen, da sie einen Grossteil des Wiederaufbaus finanzieren wird. Dazu kommen allenfalls verschiedene Versicherungen, welche für das zerstörte Mobiliar, Fahrzeuge und sonstigen Gegenstände aufkommen werden. Im Wolfsberg wurde n beispielsweise auch landwirtschaftliche Fahrzeuge zerstört. Und was allenfalls nicht versichert ist, müssen die Geschädigten schlussendlich selber tragen. Alles zusammen ergibt dann den Gesamtschaden.
Wie schnell lässt sich die Schadensumme ermitteln?
Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Eine Vorgabe gibt es nicht. Die Erfahrung zeigt aber: Wenn der Dachstock eines Mehrfamilienhauses weg ist, kann man von einem Schaden von 50‘000 bis 100‘000 Franken ausgehen. Bei einem Zimmerbrand sind es schnell ein paar 10‘000 Franken. Hinzu kommen dann der Russschaden und das ganze Inventar. Grundsätzlich müssen wir unsere Schätzung aber sehr schnell abgeben.
« Wir haben noch nie irgendwelche Regressforderungen erhalten, weil wir uns verschätzt hätten. »
Meist fallen erste Schätzungen zur Schadenssumme bei Bränden zu tief aus. Ist das Absicht?
Nein, das ist keine Absicht. Aus polizeilicher Sicht ist die Schadenhöhe auch nicht relevant. In einer ersten Phase können wir nicht abschätzen, wie aufwändig ein Wiederaufbau tatsächlich sein wird. In manchen Fällen erhalten wir auch von den Gebäude-Schätzern der Gebäudeversicherung eine Summe, die wir für unsere Berichte übernehmen. Jene Schätzer gehen von der Kubatur aus. Heute ist auch der Umweltgedanke ein wichtiger Faktor. Daraus können sehr hohe Mehrkosten entstehen, die anfänglich nicht ersichtlich waren, beispielsweise für die Entsorgung von Sondermüll. Relevant sind schlussendlich die effektiv entstandenen Kosten für den Wiederaufbau. Wir haben jedenfalls noch nie irgendwelche Regressforderungen erhalten, weil wir uns verschätzt hätten (lacht).
Was sind die wichtigsten Parameter, um auf einem Brandplatz den entstanden en Schaden einzuschätzen?
Da spielen verschiedene Faktoren ineinander. Jeder Brand muss individuell angeschaut und begutachtet werden. Alter, Beschaffenheit und dergleichen. Zum Gebäudeschaden kommt in der Regel auch das Inventar hinzu, das beschädigt wurde. Dazu können noch Betriebsunterbrüche ein Thema sein, die den finanziellen Schaden schnell einmal in die Höhe treiben können. Eine gewisse Erfahrung bei der Ermittlung der Schadenhöhe spielt sicher eine Rolle.
« Mich beunruhigt es weniger, wenn es viele Brände gibt. »
Auffallend ist nicht nur die Häufigkeit von Bränden, sondern auch die hohe Schadensumme. Sehen Sie das gleich?
Ja. Wir haben mehrere stark beschädigte Häuser oder Scheunen wie eben jüngst auch in Grüningen. Für uns ist aber wichtig, sagen zu können, weshalb es zum Brand kam. Mich beunruhigt es weniger, wenn es viele Brände gibt. Ich bin beunruhigt, wenn wir nicht wissen, warum es brannte – oder wenn Brandstifter unterwegs sind. Die hohe Schadensumme ist übrigens erklärbar. Sekundärschäden durch Hitze, Russ und Rauch sind teilweise höher als die direkten Folgen eines Brandes. So können etwa teure elektronische Einrichtungen und Geräte alleine durch Russablagerungen grossen Schaden nehmen. Ein begrenzter Brandausbruch mit starker Rauch- und Russbildung in einem Lebensmittelgeschäft kann unter Umständen sehr hohe Sekundärschäden verursachen, weil die Produkte nicht mehr verkauft werden können.
Was ist eigentlich für Sie ein Grossereignis?
Gute Frage. Für mich persönlich ist dies ein Haus oder allgemein grosse Gebäude, die im Vollbrand stehen .
Ist die Häufung von Bränden nur Zufall?
Nein, aber erklärbar. Da bin ich auch froh darüber.
Welche Rolle spielte das Wetter?
Anfangs Jahr hatten wir die starken Winde. Gerade beim Grossbrand im Wolfsberg spielte der stark mit. Das Feuer sprang rasch von Gebäude zu Gebäude. Es kam zu einem regelrechten Feuersturm . Wir hatten Funkenflug über 600 Meter, so dass sogar der Wald zu brennen begann. Anschliessend kam die Trockenheit. In diesem Zusammenhang kam es zu einigen Fahrlässigkeiten. Praktisch übergangslos erreichte uns der Lockdown im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Das hatte zur Folge, dass sich die Leute mehr zu Hause aufhielten und somit auch die Gefahr von Bränden im Haushalt anstieg. Grillieren auf dem Balkon wurde populär, was jedoch auch das Brandrisiko erhöht. Nicht erkaltete Asche wurde weggeworfen – was zu Dachstock- und Scheunenbränden führte. Und dann hatten die Leute auch mehr Zeit für Hobbys. Sie kauften sich Fahrzeugmodelle, gingen aber nicht korrekt mit den zugehörigen Akkus um. So kam es auch hier zu mehreren Bränden.
Während der Trockenzeit im April gab es mehrere Feuermeldungen im Wald und auf Wiesen. Gehen solche Brände meist glimpflich aus?
Diese Wald- und Wiesenbrände hatten keine grossen Aufgebote zur Folge. Die Schäden hielten sich in Grenzen.
« In Rüti: Das war dann Murphy komplett. »
Gleich zweimal ist es in jüngster Zeit auch zu Bränden – und sogar Verletzten gekommen, weil mit einem Brenner entlang von Thujazäunen Unkraut zu Leibe gerückt wurde. Ist das fahrlässig?
Ja, davon kann man ausgehen. Mit einer offenen Flamme muss man, vor allem in Zeiten ausgeprägter Trockenheit, besonders vorsichtig umgehen. Zudem brennen Thujahecken sehr schnell und auch intensiv. Es braucht in solchen Fällen nicht viel und die Hecken brennen lichterloh – und je nachdem noch mehr, wie wir in Rüti gesehen haben. Das war dann « Murphy komplett » . Ein solches Vorgehen ist fahrlässig und das gibt entsprechend auch eine Anzeige.
Gibt es eine besondere Jahreszeit, bestimmte Wochentage und spezielle Stunden, in denen es häufiger brennt?
Nein (schmunzelt). Es ist klar, dass in kalten Jahreszeiten mehr Brände mit Heizungen oder Abgasanlagen zu verzeichnen sind. Solche Brände kommen in der Regel eher in ländlichen Gebieten wie dem Oberland vor, wo auch noch mit Holz geheizt wird. Im Sommer häufen sich Brände im Zusammenhang mit Heissarbeiten, wie beispielsweise das Verschweissen von Bitumen. In den letzten Jahren wurde auch das Grillieren auf dem Balkon immer beliebter. Dadurch haben sich auch Brände in diesem Zusammenhang gehäuft. Auch das Ausgehverhalten der Jungen hat seinen Einfluss, etwa Containerbrände des Nachts auf dem Nachhauseweg. Im Winter kommen noch Kerzen als Brandquelle hinzu – wenn auch immer weniger, da sie durch LED-Lampen abgelöst werden – und natürlich die Weihnachtszeit mit ausgetrockneten Bäumen und Kränzen.
Der Bezirk Pfäffikon hat bezogen auf seine Grösse schon in den letzten Jahren, aber gerade auch im 2020 relativ viele und teure Brände zu verzeichnen. Woran liegt das?
Zahlenmässig ist keine massive Erhöhung der Brandfälle im Bezirk Pfäffikon feststellbar. Die Gründe für allfällig hohe Sachschäden sind mir im Detail nicht bekannt. In diesem Jahr hatten wir im April mehr Fälle, im 2019 im Juni.
« Ich kenne keine Gemeinde, die statistisch auffällig wäre. »
Bauma ist besonders stark betroffen. Warum das?
Zahlenmässig ist nur eine geringe Steigerung feststellbar.
Gibt es besonders « feueranfällige » Gemeinden?
(Lacht) Wie meinen Sie das?
Dass es Orte gibt, in denen es auffallend häufig brennt.
So generell kann man das nicht sagen. Jedenfalls kenne ich keine Gemeinde, die statistisch auffällig wäre. Aber ja, wo es besonders viele alte Häuser gibt, ist das Risiko höher. Wir analysieren die Fallzahlen und die Art der Brandereignisse laufend. Das Augenmerk wird vor allem auf Brandstiftungen und Brandstiftungsserien gelegt.
