Politik

Leuchten in der intakten Natur

Sie sind fast ausgestorben, da sie auf eine intakte Natur angewiesen sind: Glühwürmchen. Man findet sie noch gelegentlich in warmen, trockenen Sommernächten. Leider nicht in der Silberweide.

Leuchten in der intakten Natur

Kay Hinrichs war der kompetente Referent, den die Greifensee-Stiftung eingeladen hatte, um die gut dreissig Interessierten im Ried herumzuführen und eine Menge Wissenswertes über das Phänomen Glühwürmchen zu berichten. Etliche Kinder mit ihren Eltern, un Leute jeden Alters waren am vergangenen Freitagabend dabei und lauschten andächtig den Ausführungen über die Glühwürmchen, diese zarten Geschöpfe, von denen die meisten nur noch eine Kindheitserinnerung haben. Wie Hinrichs einleitend erwähnte, gibt es generell wenig Literatur über die Leuchtkäfer, obwohl sie praktisch überall auf der Welt vorkommen, in Russland gar bis an den Polarkreis.

Im Süden, jenseits der Alpen, kennt man das blinkende Käferchen, das etwas kleiner ist als das hiesige und im langsamen Sekundentakt weisslich blinkt. Die grössten Populationen auf der Alpennordseite gibt es im Raum Schaffhausen, aber auch um Zürich gibt es einzelne Reservate, über die man sich unter www.gluehwuermchen.ch informieren kann. Der Verein, der diese Seite betreut, veranstaltet gelegentlich Exkursionen. Man muss sich Orte suchen, die möglichst nicht durch künstliche Lichtquellen «verschmutzt» sind.

Warum glühen die Käfer?

Die meisten Auffälligkeiten der leuchtenden Käfer tun sich beideren Paarungsverhalten auf. Die Weibchen sitzen meist auf dem Boden im niederen Gras oder leicht erhöht auf einem Stein oder Ast und leuchten, während die Männchen darüberfliegen und sich punktgenau auf sie fallen lassen. In Gebieten mit einer hohen Dichte an Käfern hören sie auf zu leuchten, weil sie sich auf die Distanz von einem guten halben Meter über Pheromone (Sexuallockstoffe), finden. In den hiesigen Gebieten gibt es zwei Arten, von denen die grössere verbreiteter ist, bei der aber nur das Weibchen leuchtet. Ausgelöst wird das Leuchten durch Luciferine, eine Leuchtsubstanz, die auch andere bioluminiszente Tiere verwenden.

Bitter und giftig

Man fragt sich, warum auch die Larven leuchten können, und vermutet, dass es eine Warnung für andere Insekten ist. Ameisen, sonst wenig zimperlich, verschmähen die bitter schmeckenden Glühwürmchen. Es seien unvorsichtige Fledermäuse gesichtet worden, die nach deren Verzehr notlanden mussten, während andere Tiere, wie etwa Frösche oder Rotkelchen, daran sterben könnten. Glühwürmchen ernähren sich vor allem von Schnecken und von anderen Insekten, – das können auch mal Artgenossen sein und. So tödlich es für andere Tiere sein kann, sie zu essen, wenn sie selbst eine fünfmal grössere Schnecke fressen, stirbt diese meistens nicht.

 

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Aber angefressene Schnecken sind oft das erste sichtbare Anzeichen für den Bestand der Leuchtkäfer. Die Schwierigkeit, sich eine Population im eigenen Garten heranzuzüchten, liegt darin, dass es zu hell um die Häuser ist und, man mindestens mit beiden Geschlechtern und Larven beginnen müsste. Rasenmähen nur noch von Hand, keinen Dünger und keinerlei Gifte dürften sie beeinträchtigen. Nach einem mehrstündigen Marsch durch die Silberweide liess sich nicht einmal ein Männchen in der aufgestellten Falle finden. Man kann sich auch allein auf die Pirsch machen. Je näher bei Leermond, umso grösser die Chancen. Allerdings muss man dafür einen dunklen Ort aufsuchen.

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