Lindau: 23. November 2009 18:29
Ehrliche Antworten sind wichtig
Roland Kunz, Chefarzt für Geriatrie hielt Vortrag
Roland Kunz, Chefarzt für Geriatrie (links) im Gespräch mit einem Zuhörer. (Bild: mro)
Die meisten Menschen meiden Gedanken an den eigenen Tod. Roland Kunz, Palliative-Mediziner, zeigte Wege auf, wie auch am Ende des Lebens Lebensqualität, Würde und Auto-nomie möglich sind.
Margrit Roduner
«Haben Sie sich schon einmal überlegt wie und wo Sie Ihre letzten Lebenstage verbringen möchten? Wünschen Sie eine möglicherweise intensive Pflege zu Hause und falls ein Spital, ein Heim oder ein Hospiz nötig wären, wo möchten Sie hin»? Ziemlich unangenehme Fragen, die Roland Kunz, Chefarzt für Geriatrie und Palliative Care am Bezirksspital Affoltern am Albis seinen rund 80 Zuhörern der oekumenischen Erwachsenenbildung Illnau-Effretikon, Lindau und Kyburg im Bucksaal in Tagelswangen zumutete. Das betroffene Schweigen des meist älteren Publikums war ihm Antwort genug.
«Die meisten Menschen, rund 80 Prozent möchten zu Hause sterben und der Tod sollte möglichst rasch oder höchstens nach kurzer Krankheit eintreten», so Kunz, der auch Co-Präsident der Schweizerischen Palliativgesellschaft ist. Dieser Wunsch erfülle sich aber nur für rund 20 Prozent. Mit der Diagnose «unheilbar» werde jeder Mensch am Ende des Lebens konfrontiert. Der Wunsch nach maximaler Therapie und ein unerschütterlicher Glaube an die Technik führten dann oft dazu, dass noch in den beiden letzten Lebenswochen alles getan werde, um das Leben zu verlängern. Palliative Care habe einen anderen Ansatz. Der ganze Mensch und nicht nur seine Diagnose würden behandelt. Nach dem Grundsatz: «Wenn nichts mehr zu machen ist, ist noch viel zu tun.»

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