Hittnau: 31. August 2008 20:45
Eine Kirchgemeinde im Wandel der Zeit
Hittnauer feierten 300-jähriges Bestehen ihrer Kirche
Craig Keller posiert mit seiner Familie und dem Stammbaum (kes)
Dreihundert Sonnenblumen schmücken das Festgelände rund um die kleine Hittnauer Kirche. Diese feiert nämlich ein grosses Fest. Zu ihrem 300. Geburtstag sind sogar Gäste aus Übersee angereist.
Monika Kessler
Aus dem Kirchgemeindehaus klingt fröhliches Lachen, und viele Ahs und Ohs sind zu hören. Ein Blick ins Innere reicht, um zu erkennen, was der Auslöser dafür ist: die Ausstellung der Konfirmandenfotos von 1917 bis 2008. Beinahe lückenlos hängen sie da und sind der absolute Publikumsmagnet. Die Vernissage der Ausstellung eröffnete am Freitagabend das Fest.
Auf der Suche nach Eltern, Grosseltern oder gar Urgrosseltern werden lustige Geschichten aus vergangenen Zeiten zutage gefördert. «Genau das wollten wir auch erreichen», sagt Heiner Bührer. Seine Frau Regula war lange in der Kirchenpflege tätig und hat auf dieses Jubiläum hin liebevoll die Fotos zusammengesucht und von ihrem Mann digitalisieren lassen. «Wir planen, auch ein Fotobuch herauszugeben, damit die Hittnauer ein kleines Stück Kirchengeschichte in ihrem Bücherregal stehen haben können», erzählt Bührer weiter.
Die Fotos zeigen aber nicht nur die Kirchengeschichte, sondern auch die Geschichte der Mode und Technik: Zwischendurch ertönen entsetzte Aufschreie über die modischen Auswüchse zwischen den 1960er und 1980er Jahren, und mancher wünscht sich wahrscheinlich, die Farbfotografie wäre doch erst später erfunden worden.
Ein Fest auch für die Kinder
Wer meint, ein Kirchenfest sei nur etwas für Erwachsene, die gerne bei Kaffee und Kuchen zusammensitzen, wird in Hittnau eines Besseren belehrt. Zwar sind Kaffee und Kuchen vorhanden, doch vor allem die Kinder kommen in den drei Tagen nie zu kurz.
Bereits der Samstagmorgen beginnt mit musikalischem Frühsport unter der Leitung von Musiker Christof Fankhauser. Mit seinem Programm «Underwägs» zieht er nicht nur die Kinder in seinen Bann: Nach und nach packt er seinen musikalischen Reisekoffer aus und lässt die Kinder mit den Eltern an seinem bunten Musikprogramm teilhaben.
Während sich die Mamis und Papis am Nachmittag ihrem Kaffee widmen, strömen die Kinder in das Geschichtenzelt. Dort hören sie eine biblische Geschichte, an der sie aktiv mit Spielfiguren mitwirken können. Andere richten sich in der Bastelecke ein oder wagen einen Besuch bei den Mädchen vom Cevi. Diese führen die Kleinen durch einen Überraschungsparcours. Mit verbundenen Augen über den «Barfussweg» gehen und erraten, auf was man steht, oder von den Mädchen mit Früchten und Gemüsen gefüttert werden und am Geschmack erkennen, was man isst - eine knifflige Aufgabe. Daneben gibt es von den Cevi-Mädchen selbst gebackene Crêpes und, passend zum warmen Wetter, erfrischende Glacé.
Weg der Besinnung
Indes einige Kilometer weiter: Ein kleines Grüppchen von anfangs drei Wanderern nimmt den anspruchsvollen Weg vom Geratrium in Pfäffikon hinauf zur Mühle Balchenstahl unter Schusters Rappen. Nach knapp drei viertel Stunden treffen sie am Ziel ein - und haben sich unterwegs vermehrt. Knapp zwanzig Erwachsene und Kinder kommen schwitzend und teilweise barfuss aus dem Wald. «Seit der Erdrutschgefahr ist der Wanderweg noch nicht richtig ausgebaut worden», sagt Urs Staub, Kirchenpflegemitglied und Organisator der kleinen Wanderung. «Jetzt mussten wir barfuss durch den schlammigen Bach waten», erklärt er die schmutzigen Füsse der Wanderer. Wein und Brot, als Symbol der einfachen Zusammengehörigkeit, hat sich die Gruppe auf jeden Fall verdient.
Die Zeit drängt. Bereits um 17 Uhr soll der Singkreis seinen grossen Auftritt haben, und einige der Sänger müssen sich nach der Wanderung doch noch die Füsse waschen. So marschierte die zu einer ansehnlichen Gruppe angewachsene Gesellschaft wieder in Richtung Hittnau.
Kultureller Tagesabschluss
Mit Vivaldis «Gloria» und Peter Roths «Herr, in Dir ist Licht und Nacht» läutet der Hittnauer Singkreis das kulturelle Abendprogramm ein.
Der Pantomime Carlos Martinez trifft mit seinem Programm «It's time to celebrate» das Hittnauer Thema perfekt, und so wird er auch beim Wort genommen: Anschliessend an seinen Auftritt feiert Hittnau, begleitet von der Tanzmusik des Gentlemen Quartetts, bis in die frühen Morgenstunden.
Entsprechend ruhig darf dann der Start in den Sonntag sein. Bereits um 8 Uhr in der Früh finden sich die ersten Hittnauer auf dem Schlosshügel zur Besinnung ein.
Besuch aus Übersee
In ihrer Predigt begrüssen Pfarrerin Christine Reibenschuh und Pfarrer Marcus Maitland auch Besuch aus den USA: Der Amerikaner Craig Keller stiess beim Erforschen seiner Ahnen auf Hittnauer Wurzeln und nimmt mit seiner Familie am grossen Kirchenfest teil (siehe Kasten).
Zum Schluss bittet das Pfarrehepaar um Wurzeln für die Kirchgemeinde. Wurzeln, die so stark sind wie die einer Sonnenblume, damit sie weiterhin wachsen und gedeihen kann und sich stets dem Licht zuwendet, um Kraft zu tanken für die nächsten hundert Jahre.

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