Rapperswil: 3. Juli 2008 18:04
Keine neuen Ideen fürs Polenmuseum
Suche nach Zukunftslösungen für das Schloss
Eine Podiumsdiskussion über die Zukunft des Schlosses Rapperswil sollte neue Ideen an den Tag bringen. Dies blieb aber Wunschtraum.
Hans Schär
Wie kann das Schloss Rapperswil besser und vor allem für Besucher attraktiver genutzt werden? Zum Auftakt einer Ideenwerkstatt über diese Frage luden Stadtrat und Ortsverwaltungsrat von Rapperswil-Jona die Bevölkerung zu einem Podiumsgespräch in den Rittersaal ein. Dieser war bis auf den letzten Platz besetzt. Erhofft wurden spontane, neue Ideen, ein Wunsch, der sich aber nicht erfüllte.
Mit oder ohne Polen?
Ausgelöst wurde die Diskussion um das Schloss nicht zuletzt durch die Gruppe «Pro Schloss», welche das Ortsmuseum statt in einem umstrittenen Neubau am bisherigen Ort neu im Schloss sehen möchte, auf Kosten des dort seit über 130 Jahren domizilierten Polenmuseums (ZO vom 24. Juni). Dieses Vorpreschen löste bei den Polen ein heftiges Echo aus, und entsprechend gross war denn auch der Aufmarsch polnischerseits im Rittersaal. Die Vertreter von «Pro Schloss», Bruno Hug und Jakob Schäpper, «krebsten» zwar etwas zurück und erklärten, sie seien nicht grundsätzlich gegen die Polen, deren Vorschläge müssten einfach «besser sein als jene der Gruppe Schloss».
Man müsse das Schloss «gedanklich räumen», um es ganzheitlich neu einzurichten, erklärte Schäpper. Aus diesem Grunde müsse der bis 2011 laufende Mietvertrag mit den Polen 2009 präventiv gekündigt werden. «Das Polenmuseum ist engstens mit dem Schloss verbunden, und es geht um Sein oder Nichtsein für das Museum», betonte Professor Germann Ritz als Mitglied der Kommission für die Modernisierung des Polenmuseums. Eine Vertragskündigung würde die Modernisierungsbestrebungen torpedieren, betonte er. Ritz erhielt Unterstützung durch Kulturwissenschafter Dr. Peter Röllin, der zwischen Schloss und Polen ebenfalls eine «enge Verbindung» sieht, «die unbedingt erhalten werden sollte», wobei Röllin empfahl, das Museum von der heutigen Sammlung zu einem wirkliches Museum umzugestalten. Zum Thema «leerräumen» meinte Röllin, dass das Schloss keine «Mehrzweckhalle» sei, die man nach Belieben nutzen könne.
Dass der Rittersaal («es müsste Polensaal heissen, denn Ritter gab es im Schloss/der Burg Rapperswil nie», so Röllin) ein akustisch wertvoller Konzertsaal ist, der unbedingt nur für kulturelle Veranstaltungen genutzt werden sollte, wurde im Podium nicht bestritten.
Vertrauen schaffen
Die anschliessende Saal-Diskussion gestaltete sich zu einer emotinalen Redeschlacht vor allem der polnischen Gäste, welche damit die Bedeutung des Museums für die Polen weltweit unterstreichen wollten. Als seitens der Ortsgemeinde angeregt wurde, nicht nur über das Polenmuseum, sondern auch grundsätzlich über alle Schlossräume respektive deren zukünftige Nutzung zu diskutieren, wurde es ruhig. Den Rittersaal mochte den Konzertliebhabern kein Votant mit anderen Nutzungn streitig machen, und betreffend Schloss-Gastronomie wurde zwar betont, dass das Gourmetrestaurant eine hohe Akzeptanz geniesse, für den Tagestourismus aber ungeeignet sei. Neue Gastro-Ideen blieben aber Mangelware. So verhehlte Stadtpräsident Benedikt Würth auch seine Enttäuschung nicht, dass die Diskussionen zwar angeregt gewesen seien, der Abend als «Ideenwerkstatt» aber zu wenig gebracht habe.
Für die nach den Sommerferien beginnenden, vertieften Gruppendiskussionen um die künftige Schlossnutzung sei gegenseitiges Vertrauen gefragt, wurde betont. Auch die Polen gaben zu verstehen, dass sie zumindest zu einem Teil der Personen von «Pro Schloss» durchaus Vertrauen hätten. Ob dieses Vertrauen gegenseitig ist, ist aber fraglich, denn unmittelbar nach dem Podiumsgespräch machte die der Gruppe «Pro Schloss» nahestehende Rapperswiler Gratis-Wochenzeitung die Polen allein dafür verantwortlich, dass keine neuen Ideen diskutiert werden konnten. Die Zeitung verschwieg aber, dass die Gruppe «Pro Schloss», konkret befragt nach ihren Ideen für das Schloss, im Rittersaal erklärte, sie sehe es nicht als ihre Aufgabe, Lösungsvorschläge zu unterbreiten ...

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