Region: 12. März 2010 05:51

Schwer ist das Gründerleben

Wie sich drei Jungunternehmer 2009 geschlagen haben

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«Man fragt sich: Schaffe ich das?» Immerhin hat Hi-Fi-Spezialist Fabio Pisciottano sein Geschäft noch. (Bild: Re)


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Vor einem Jahr widmete sich der ZO/AvU in einer Serie Start-up-Unternehmen und porträtierte drei Personen, die den Schritt zur eigenen Firma wagten. Ein Jahr danach ist die Bilanz ernüchternd.

Michael von Ledebur

Was bewegt Angestellte zum Schritt in die Selbständigkeit? Die Frage stellte der ZO/AvU vor einem Jahr drei Jungunternehmerinnen und -unternehmern: der Schneiderin Christine Meixner aus Wald, dem Armierungseisenleger Marco Birchler aus Rüti und dem Hi-Fi-Spezialisten Fabio Pisciottano aus Volketswil. Sie alle hatten damals kürzlich ein Geschäft eröffnet - trotz Krise.


Etwas mehr als ein Jahr später schaut Fabio Pisciottano auf ein «durchzogenes Jahr» zurück. «Ich komme auf eine schwarze Null. Das reicht für den Anfang.» Der Familienvater hat im Herbst 2008 gut 100 000 Franken in den Aufbau seines Geschäfts gesteckt. Pisciottano hat sich auf die Integration von Hi-Fi-Anlagen in Wohneinrichtungen spezialisiert und spricht kaufkräftige Kunden an. «Man spürt schon, dass die Kauflust nicht besonders gross ist», sagt er. Immerhin: Der 37-Jährige besitzt sein Hi-Fi-Geschäft in Volketswil noch.

Nicht an allem ist die Krise schuld

Pisciottano konnte einige Grossaufträge übernehmen, bei denen Hi-Fi-Anlagen in Neubauten integriert wurden. Das Problem ist jedoch, dass diese Aufträge erst mit mehrjähriger Verzögerung Gewinn abwerfen. Hoffnungen hatte er in die Eröffnung der nahen Bauarena gesetzt. Doch bisher habe diese wenig Frequenz erzeugt. «Dort ist es meist leer, es sieht aus wie auf einer Gewerbemesse vor der Eröffnung. Aber ich hoffe stark, dass sich das bald ändert.» Zufrieden ist Pisciottano mit seiner gegenwärtigen Lage nicht. Zweifel und Ängste seien da. «Man fragt sich: ‹Schaffe ich das? Kriege ich die Kurve? Wann ist diese Krise endlich vorbei?› Andererseits darf man auch nicht alles auf die Krise schieben. Es ist nicht einfach.»


Der Armierer Marco Birchler hatte sein Geschäft Anfang 2009 eröffnet, hat zwei Mitarbeiter angestellt und ein Geschäftsauto angeschafft. Zuvor war der 28-Jährige jahrelang als Angestellter auf dem Bau tätig gewesen und hatte sich mit der eigenen Firma einen lang gehegten Traum erfüllt. Doch das Projekt ist bereits nach einem Jahr gescheitert: Laut Handelsregisterauszug wurde der Eintrag der Einzelfirma am 13. Januar gelöscht. An der Hauptstrasse 37 in Tann, dem offiziellen Sitz des Geschäfts, sucht man den Namen Birchler vergebens. Marco Birchler war in den vergangenen Wochen weder telefonisch noch via E-Mail zu erreichen.


Auch das dritte Start-up-Unternehmen hat ein schwieriges Jahr hinter sich. Die gebürtige Deutsche Christine Meixner (37) hatte Ende 2008 ihr Hobby zum Beruf gemacht und 100 000 Franken in moderne Nähmaschinen investiert. Meixner fertigte unter dem Namen Laloni Einzelstücke und Kleinserien und bot Kurse an. Zudem war die ehemalige Software-Entwicklerin in ihrem angestammten Beruf für verschiedene Textilunternehmen auf Freelance-Basis tätig.

«Da ist man machtlos»

Inzwischen musste Meixner ihr Geschäft aufs Nebenberufliche reduzieren. Ihr Laden in Wald ist nur noch samstags geöffnet. Im Hauptberuf ist sie wieder als Programmiererin tätig, nun bei der ETH. Die erhofften Aufträge sind sowohl bei den Kleinserien als auch bei den Freelance-Programmierarbeiten für Textilfirmen ausgeblieben. «Diese Firmen haben Kurzarbeit eingeführt und die Programmierarbeit wieder selbst übernommen - oder sie haben zugemacht», erzählt Meixner. «Da ist man machtlos.» Aufgegeben hat sie ihr Geschäft nicht. Die Kurse liefen gut - es sind ein bis zwei pro Monat -, und auch bei den Einzelbestellungen sei sie mit monatlich 25 Aufträgen ausgelastet. «Es wird Frühling, da zieht es bei den Bikinis und der Bademode an», sagt sie.

Viele Gründungen - und Konkurse

Eine ist verschwunden, die zweite zur Nebenbeschäftigung geworden, die dritte hat zwar überlebt, wirft aber kaum Gewinn ab: Das Fazit der drei Jungfirmen fällt nach einem Jahr ernüchternd aus. Es ist und bleibt schwierig, eine erfolgreiche Firma zu gründen - gerade in einer Rezession. Die Statistik weist für das Jahr 2009 in den Bezirken Hinwil, Pfäffikon und Uster übrigens eine Rekordzahl an Gründungen (922, plus 5 Prozent), aber eben gleichzeitig den höchsten Wert bei den Konkursen seit zehn Jahren (124, plus 16 Prozent) aus. Fazit: In Krisen werden viele Firmen gegründet, aber es gehen auch viele ein.

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