Rüti : 7. Dezember 2009 06:12
Dissonanz begeisterte
Winterkonzert des Musikvereins Helvetia
Am Winterkonzert in Rüti folgten auf Schuberts Melodien aus «Rosamunde» dramatische Klänge von Reeds und Crescendi aus Ravels «Boléro».
Wenn der Musikverein Helvetia Rüti-Tann zu seinem Winterkonzert lädt, bleiben freie Plätze rar. Unter den verschiedenen Auftritten des Orchesters im Verlaufe des Jahres bildet dieses Konzert von Anfang Dezember jeweils den Höhepunkt mit Werken aus der sinfonischen Literatur. Nach einer hymnenartigen, feierlichen Einleitung, die gestern Abend zum Einspielen und Aufwärmen der Instrumente diente, gab Dirigent Thomas Trachsel den Einsatz zu Franz Schuberts Ouvertüre «Rosamunde». Mächtige Akkorde, schmissig gespielt, wurden von zauberhaften Melodien der Holzbläser abgelöst. Zarte Flötentöne schmeichelten. Pferdegetrappel stellte sich ein, dann eine leichtfüssige Tanzmelodie, die zu scheppernden Tutti des Blechs überleitete. Rassige Marschrhythmen erklangen schliesslich und führten zum wuchtigen Finale. Der Helvetia war es eindrucksvoll gelungen, den humorvollen Charakter des Stücks und die Ausdruckskräfte der Orchesterteile aufzuzeigen.
Düstere und lichtere Passagen
Der amerikanische Trompeter und Komponist Alfred Reed schrieb 1988 die letzte Note zu seiner «Third Symphony», nachdem er fünf Jahre daran gearbeitet hatte. Die dramatischen Einleitungstakte sind schon mit dem Blick ins glühende Innere der Erde verglichen worden. Die Sinfonie setzt sich aber nicht ausschliesslich aus imposanten und düsteren Passagen zusammen, die das Trommelfell des Publikums strapazieren. Am gestrigen Konzert lichtete sich die Finsternis bald, etwa als feinere Töne der Oboe erklangen, die ein sanftes Lied zum Besten gab. Im zweiten Satz verarbeitete Alfred Reed ein Thema aus «Porazzi», der vermutlich letzten Komposition von Richard Wagner. Saubere, zuweilen zärtliche Töne der Solisten wechselten mit dem kraftvollen Klangkörper der über fünfzig Orchestermitglieder. Bestens gemeistert wurden die heiklen Rhythmen, die schnellen Läufe und die äusserst schwierigen Takte. Mit dieser Sinfonie wird sich die Helvetia am 15. und 16. Mai 2010 an einem Musikwettbewerb beteiligen.
Spannung und Dramatik
Maurice Ravels «Boléro» wurde vor seinem Tod im Jahre 1937 wenig gespielt. Erst später wurde diese Musik populär und gehört heute zu den beliebtesten Musikstücken der klassischen Literatur. Ein immer gleiches Thema über einem einschläfernden Ostinato ermüdet und langweilt indes keineswegs. Das unaufhaltsame Crescendo, die gleichzeitig erklingenden unterschiedlichen Tonarten sorgten am gestrigen Konzert für Spannung und gar unheimliche Dramatik. Erstaunlich, wie präzis musiziert wurde. Die beiden Trommler etwa schlugen einträchtig im gleichen Schritt und Tritt ihren Rhythmus. Nach und nach setzten sich Flöten und Oboen, Klarinetten und Fagotte, das Metallofon, die Tuben und die Posaunen in Szene. Der Lautstärkepegel erreichte die höchste Stufe, als zum Schluss ein ohrenbetäubender dissonanter Akkord durch die Kirche hallte, der jedoch gleich vom begeisterten Applaus der Zuhörer abgelöst wurde. (wg)

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