Schweiz: 30. Oktober 2009 15:13
H1N1-Impfung: Skeptische Schweizer
Voting: Werden Sie sich impfen lassen?
In den USA nicht erwünscht, in der Schweiz als Impfstoff vorgesehen: der Zweikomponenten-Wirkstoff Pandemrix. (key)
Das Dossier zum Thema
Lassen Sie sich gegen Schweinegrippe impfen?
Laut einer Umfrage des Schweizer Fernsehens lassen sich über zwei Drittel der Befragten nicht gegen Schweinegrippe impfen. Ein Blick nach Deutschland und in die USA zeigt: Die Skepsis ist weit verbreitet.
Die Schweizer sind äusserst skeptisch gegenüber der Impfaktion des Bundesamts für Gesundheit (BAG) gegen die Schweinegrippe. Laut einer nicht repräsentativen Umfrage des Schweizer Fernsehens SF wollen sich über 70 Prozent der Teilnehmenden nicht gegen H1N1 impfen lassen. Obwohl BAG-Direktor Thomas Zeltner nicht müde wird herauszustreichen, dass die beiden nun freigegebenen Impfstoffe Pandemrix und Focetria wirksam und unbedenklich seien, bleibt die grosse Mehrheit der Bevölkerung also kritisch.
Umstrittene Adjuvanzien
Grund für die ablehnende Haltung könnte unter anderem der Fakt sein, dass beide Impfstoffe Adjuvanzien enhalten, also Wirkverstärker, die das Immunsystem zwar zu Höchstleistungen antreiben, aber gleichzeitig höchst umstritten sind: In den USA ist zum Beispiel noch kein einziger Impfstoff mit neuartigen Adjuvanzien zugelassen. Bei der Impfung gegen die Schweinegrippe setzt man dort auf herkömmliche, altbewährte Impfstoffe. Pandemrix, der Impfstoff des Herstellers Glaxo Kline Smith, zeigte in Vergleichsstudien der US-Arzneimittelzulassungsbehörde FDA häufigere Nebenwirkungen als bei einem herkömmlichen Pandemie-Impfstoff ohne Wirkverstärker.
«Schadenskrisiko überwiegt Nutzen»
Skepsis herrscht auch bei unseren Nachbarn in Deutschland: «Die deutschen Gesundheitsbehörden sind auf eine Kampagne der Pharmakonzerne hereingefallen, die mit einer vermeintlichen Bedrohung schlichtweg Geld verdienen wollten», sagt zum Beispiel der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Wolf-Dieter Ludwig, in einem Bericht des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel». Auch der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Michael Kochen, empfiehlt den deutschen Hausärzten, nicht zu impfen. «Das Schadensrisiko überwiegt den Nutzen», wird der Göttinger Professor im «Spiegel» zitiert. (yba/agenturen)

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