Wald/Oetwil: 17. Oktober 2009 11:42
Das Gepäck wartet, und der Everest ruft
Als Paar gemeinsam den Mount Everest erklimmen
Diesmal soll auch das Wetter mitmachen. Angela Beltrame und Olaf Zill wagen sich nochmals auf den höchsten Berg der Welt.
Rosmarie Schmid
Im März 2009 verlassen Angela Beltrame und ihr Ehemann Olaf Zill die Schweiz in Richtung Kathmandu, Hauptstadt Nepals. Zwei Monate später, am 19. Mai, erreichen sie auf 7950 Metern über Meer das Camp 4. Der Gipfel des 8848 Meter hohen Mount Everest liegt greifbar vor ihnen. Das Wetterfenster schliesst sich jedoch, und ein Sturm zieht auf. Was tun? Auf dieser Höhe hängt das Leben von der richtigen Entscheidung ab.
Höher und immer höher hinauf
Das Expeditionsteam Angela Beltrame Zill und Olaf Zill lebt in Oetwil am See. Der 43-jährige Physiotherapeut betreibt seine eigene Praxis, während seine Frau auch während der Arbeit über den Wolken weilt: Angela Beltrame ist Pilotin für Kurz- und Langstrecken.
2001 lernten sich die beiden Höhenfreaks im Basecamp am Mount Everest kennen. Es war Zills erster Versuch, den Berg zu bezwingen, während Beltrame auf einer Trekkingtour das Camp besuchte. Zill scheiterte schon damals schon an Petrus' Launen.
Nach der Expedition die Heirat
Zurück in der Schweiz, trafen sich die beiden zu Skitouren oder zum Klettern. Sie lebte damals in Wald, er in Basel. Die 41-jährige Bergsteigerin hat es erst vor sieben Jahren dank Zill so richtig gepackt. Er wiederum blickt bereits auf 30 Kletterjahre zurück. Seine erste Expedition führte ihn 1989 auf den 7134 Meter hohen Pik Lenin im Pamir-Gebirge. Rund 15 7000er hat der gebürtige Dresdner bezwungen und auch einige 8000er, darunter den Makalu (8463 Meter), den Dhaulagiri (8167 Meter) und den Cho Oyu (8201 Meter) - alle ohne Sauerstoff.
Die erste gemeinsame Expedition folgte 2003 mit der Erstbesteigung des Tashi Kang in Nepal. Für Zill diente diese Besteigung als Akklimatisation für den folgenden Dhaulagiri. «Für mich hiess es erstmals Expeditionsluft schnuppern», sagt Angela Beltrame. Während sie in die Schweiz zurückkehrte, bezwang Olaf Zill mit seinem Team den Dhaulagiri. Drei Wochen später wurde geheiratet.
Leichte Nahrung, viele Kalorien
«Eine Expedition auf den höchsten Berg der Welt muss gut vorbereitet sein und dauert zirka zwei Monate», sagt Beltrame. Die Esswaren für die Besteigung müssten leicht und kalorienreich sein, so wie Kartoffelstock oder fertige Teigwarengerichte. Das Paar wollte den Gipfel ohne Sherpas und Sauerstoff stürmen. Um sich akklimatisieren zu können, schafften sie ihre Waren selbst in Camps. Alles wäre bereit gewesen, nur das Wetter stimmte nicht. Das Warten zerrte an den Nerven. Dann endlich am 16. Mai ein Wetterfenster. Es konnte losgehen.
Und dann der besagte 19. Mai in Camp 4. Das Paar musste einsehen, dass es beim gegenwärtigen Sturm und ohne Sauerstoff Wahnsinn wäre, das Ziel weiter zu verfolgen. «Zuerst wollte ich es, so nahe am Ziel, nicht wahrhaben», sagt Beltrame, aber der Entscheid sei richtig gewesen. Sie hätten auf den Gipfel gewollt, aber nicht um jeden Preis. Nun wartet ihr Gepäck bei einem Freund in Kathmandu auf den nächsten Versuch, das Dach der Welt zu erklimmen. Denn abgehakt ist der Mount Everest noch lange nicht.
Training für den nächsten Versuch
Mit einem täglich zu absolvierenden Fitnessprogramm, Kletter- und Bergtouren in den Alpen halten sich die beiden weiter fit. Beide sind fasziniert von der atemberaubenden Bergwelt: «Die grandiosen Berglandschaften, die Herausforderung an den Körper, das Erkennen der eigenen Grenzen und der Reiz, etwas zu erleben, das nur wenige tun können», sei die Motivation für diese Klettertouren, sagt Zill.
Im nächsten Jahr werden die Karten neu gemischt. In Pakistan, Russland oder Nordindien gibt es spannende Berge, aber auch in Patagonien. «Wir besteigen Berge nach Schönheit, Interesse, Lust und Laune», betonen die beiden.

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