Brutzeleien im Freien : 12. August 2009 17:57

Bitte hinten anstehen

Grillen in der Badi Greifensee

grillenda0.jpg (Anrissbild 1)

Der etwas kleine Grill in der Badi Greifensee ist an schönen Sommerabenden meist überbelegt. (rt)



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Die Badi Furren in Greifensee ist längst kein Geheimtipp mehr. Die idyllische Seelage wird von der mangelhaften Infrastruktur getrübt.

Roger Tschallener

Das Wetter könnte kaum perfekter sein. Blauer Himmel, angenehme Sonnenstrahlen, beinahe kein Wind und trotz abweichender Wetterprognose ist noch kein Wölkchen in Sicht. Das heutige Grill-Ziel liegt in Greifensee am Ufer des gleichnamigen Gewässers. Bereits bei der Anreise zeigen sich die ersten Probleme.
Zu zweit machen wir uns auf den Weg nach Greifensee, aus purer Faulheit mit dem Auto. Schon bei der Ortseinfahrt wird klar: Ein Fehler. In Seenähe, rund ums Restaurant Krone, sind alle Parkmöglichkeiten schon übermässig besetzt - Falschparker inklusive. Auch die umliegenden Plätze wurden bereits von anderen genutzt und so stellen wir unser Gefährt letztendlich beim Werkhof ab und laufen die viertelstündige Strecke zum Grillplatz zu Fuss. Der Weg vorbei am Schilf entfacht die etwas gedämmte Vorfreude erneut, jedoch nicht für lange. Denn auch in der Badi herrschen Platzprobleme, wohin das Auge reicht.

Vier Kübel für hundert Leute

Beim Eingang, dem Durchgang zwischen den Umkleide- und Waschräumen, wird der eigentlich herrliche Ausblick auf den See ziemlich stark getrübt. Zwei Abfalleimer überlaufen mit Müll. Der «Abfallfluss» ergiesst sich auf den Boden neben den Sandkasten und gibt den Blick auf die leeren Bierdosen und Chips Packungen der eher jüngeren Besucher frei. Wie wir bei genauerem Betrachten der Entsorgungseinrichtung der Badi Greifensee bemerken, hat die Gemeinde Greifensee, als Inhaberin der Einrichtung, hier etwas gespart. Lediglich vier Mülleimer stehen den oft über hundert anwesenden Badegästen zur Verfügung.
Selbst an einem Mittwochabend um acht Uhr ist die, durch einen kleinen Bach getrennte, Wiese voll. An den sonnigen Ferien-Wochenenden sei die Anlage sogar bis auf den letzten Quadratmeter gefüllt, erzählt uns eine ältere Dame, die uns interessiert beobachtete. Sie komme oft hier her, erzählt sie weiter: «Man muss schon am Mittag hier sein, dann findet man auch noch einfacher einen Platz. Danach kommen die Familien und etwas später dann die Jugendlichen. Am Abend ist es immer sehr voll auf der Wiese.»

Badi für alle

Tatsächlich tummeln sich die verschiedensten Personen auf der Wiese am See. Vom Familienausflug mit Vater, Mutter und drei Kindern über junge Pärchen und Senioren bis hin zu Hip-Hop hörenden Jugendlichen (welche sich bei genauerem Betrachten für die Verursacher der Bierdosenflut beim Sandkasten herausstellen), findet man hier alle erdenklichen Gruppierungen, quer durchmischt und friedlich.
Auch im Wasser ist das Bild sehr abwechslungsreich. Zwei ältere Damen schwimmen, ihre Schaumstoffstange umklammernd, in Ufernähe im Kreis. Eine Gruppe Kinder startet ein Wettschwimmen zum Floss etwas weiter draussen im See und weicht flink den Jugendlichen aus, die nach ihrem anstrengenden Tag eine Abkühlung suchen.
Weniger idyllisch ist jedoch die für Badegäste vorgesehene Infrastruktur. Zwei kleine Umkleideräume, Waschgelegenheiten mit Toilette und eine Dusche - alles in eher heruntergekommenem und renovierungsbedürftigen Zustand. Die aus hygienischen Gründen sicher wichtige Dusche wurde während unserer ganzen Anwesenheit kein einziges Mal benutzt. Vor der Witterung ungeschützt steht sie neben den Toiletten und entwickelt wohl bereits ein biologisches Eigenleben.

«Du gsehsch us wie de Schmutzli»

Doch auch die Grill-Möglichkeiten sind bedenklich. Auf dem ganzen Areal befindet sich nur eine Grillstelle. Diese ist zwar, mit verstellbarem Gitter und Backsteinumrandung, einwandfrei zu gebrauchen. So kommt es, das gut 20 Personen um den Grill mit seinem 50 mal 50 Zentimeter grossen Rost stehen und auf eine Lücke im Fleisch-Gemüse-Mix warten. Positiv dabei ist natürlich, dass nicht jeder ein eigenes Feuer machen muss. Auch wir gesellen uns, der Cervelat-Krise mit Speck umwickelten Fleischerzeugnis trotzend, zu den Grillenden und warten auf einen Platz. Die Stimmung ist nichts desto trotz gut und das generationsübergreifende Gespräch dreht sich um die übrigen Badibesucher und verschiedene Grilltechniken.
Viele kommen im Sommer täglich hier her, erfahren wir. Man kennt sich oder lernt sich gerade kennen. Kurz nachdem wir uns einen Platz auf dem Grill ergattern, werde auch ich in ein Gespräch verwickelt. «Du gsehsch us wie de Schmutzli», meint ein kleiner Junge neben mir grinsend und mustert mich interessiert. Eine Minute später findet er auch den passenden Samichlaus für mich und kann seinen Spass daran nicht verbergen. Lachend zieht er mit seinem Maiskolben von dannen. Unser Abendessen ist fertig und wir können es glücklicherweise auf dem freigewordenen Baumstammbänkli geniessen - der einzigen erhöhten Sitzgelegenheit.

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